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Wenn die Studenten-Welle kommt

Am 23. Februar war die Universität Stuttgart Gastgeberin des Kongresses „Hochschule 2012“ der Landesregierung. Über 400 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hatten sich auf dem Campus in Vaihingen eingefunden. Uni-Rektor Prof. Dieter Fritsch erinnerte in seinem Grußwort an die Zusage des Landes, einen neuen Pakt zur verlässlichen Finanzierung mit den Hochschulen zu schließen, der keine Kürzungen beinhalte und für die Zeit des doppelten Abiturjahrgangs ein Sonderprogramm aufzulegen.

„Hochschule 2012“, mit dem ersten Kongress dieser Art in Deutschland, „stoßen wir einen breiten Dialog über den treffsicheren Ausbau des Hochschulbereichs an“, sagte Ministerpräsident Günther H. Oettinger. In den nächsten Jahren werden die Studierendenzahlen in Baden-Württemberg stetig ansteigen und 2012, wenn aufgrund der Umstellung auf das achtjährige Gymnasium zwei Altersjahrgänge zusammen Abitur machen, gleich eine Welle auf die Hochschulen zurollen, mahnte Prof. Manfred Erhardt vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

  Rund 30 Prozent mehr Studierende in den nächsten Jahren – Günther Oettinger sieht darin „eine Herausforderung an die Bildungspolitik, aber viel mehr noch eine große Chance, um frühzeitig einem Mangel an Fachkräften mit akademischem Abschluss vorzubeugen“. Notwendig sei ein Masterplan für den Ausbau von Studienangeboten in den Berufsfeldern, in denen mittel- und langfristig vorrangig Arbeitsplätze benötigt werden. Der schrittweise Ausbau von Studienplätzen soll ab 2007 erfolgen. Die „vermutlich größten Wachstumschancen“ sieht Prof. Wolfgang Franz, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, auf den Gebieten der Natur-, Ingenieur- und Lebenswissenschaften, und er warnte: „Wenn die Politik nicht heute damit beginnt, vermehrt in Bildung zu investieren und die Effizienz des Bildungssystems zu erhöhen, ist der künftige wirtschaftliche Abstieg Deutschlands, einschließlich des Landes Baden-Württemberg, in die Drittklassigkeit vorprogrammiert.“

  Damit der erwartete Ansturm der Studierenden abgefangen und die Betreuungsrelation Professor/Student zumindest gleich gehalten werden kann, sei es unausweichlich, mehr Finanzmittel für die Hochschulen zur Verfügung zu stellen, sagte Tilman Todenhöfer von der Robert Bosch Industrietreuhand. Wissenschaftsminister Prof. Peter Frankenberg sprach von schätzungsweise 300 Millionen Euro im Jahr, die zusätzlich nötig sein werden. Die Regierung sieht Frankenberg in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Abiturienten 2012 die gleichen Chancen für ein Studium haben wir ihre Vorgänger. Der Fehler, die Universitäten wie in den 70-er Jahren einfach zu öffnen, dürfe nicht wiederholt werden, betonte Frankenberg, und es müsse nach einer Lösung gesucht werden, die nicht nur ein Studium, sondern eine Berufsperspektive biete. Wichtig sei daher der Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Julia Alber

 

 

 

 
last change: 28.05.06 / yj
Pressestelle der Universität Stuttgart