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Stuttgarter unikurier Nr. 88 Dezember 2001
Internationales Symposium Kraftfahrwesen und Verbrennungsmotoren:
Verbrennungsmotor bleibt Antriebstechnik - Spritverbrauch senken - Erdgas als Hoffnungsträger
 

Rund 900 Teilnehmer, darunter Führungs- und Fachkräfte der Fahrzeug-, Motoren- und Zulieferindustrie, Mitarbeiter von Forschungseinrichtungen und Universitäten, waren zum 4. Internationalen Stuttgarter Symposium Kraftfahrwesen und Verbren- nungsmotoren vom 20. bis 22. Februar 2001 an die Universität Stuttgart gekommen. Veranstaltet vom Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen der Universität Stuttgart (IVK) und dem Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) ist das Symposium in der Fachwelt fest etabliert.

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Die Veranstaltung bot den Experten aus Industrie und Wissenschaft mit 60 Fachvorträgen, zwei Plenarvorträgen und einer Podiumsdiskussion ein Forum, um den aktuellen Stand der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Fahrzeug- und Motorentechnik zu diskutieren. Das Symposium spannte den Bogen von Fahrzeugakustik und Fahrzeugschwingungen, Aeroakustik, Fahrzeugaerodynamik, Reifen und Fahrbahn, Fahrwerk und Fahrdynamik und Thermomanagement über Kfz-Elektronik, Steuerung und Regelung von Antriebssträngen, Telematik und autonomes Fahren, Test- und Diagnoseverfahren bis hin zu direkteinspritzenden Otto- und Dieselmotoren, alternativen Kraftstoffen, Motorakustik und Motormechanik sowie Analyse und Simulation im Bereich Verbren- nungsmotoren. Um die Frage „Das intelligente Auto - wo bleiben die Emotionen?“ ging es bei der Podiumsdiskussion unter Leitung von Bernd Ostmann, Chefredakteur von „Auto, Motor und Sport“.

Verbesserungspotential bei der Aerodynamik
Der Verbrennungsmotor werde noch 20 Jahre als Antriebstechnik erhalten bleiben, prognostizierte Prof. Dr.-Ing. Michael Bargende vom Lehrstuhl Verbrennungsmotoren; bis die Brennstoffzelle bei vernünftigen Kosten realisiert werde, „braucht es noch viele Jahre“, dämpfte er allzu euphorische Erwartungen. Entsprechend - hob er hervor - sei die Brennstoffzelle auch kein Thema dieses Symposiums. Aufgaben für die Kraftfahrzeugingenieure gibt es indes - vor allem vor der „großen Herausforderung der Kohlendioxid-Reduzierung“ genug. Es gelte, betonte Bargende, effektivere Motoren zu entwickeln und die Fahrwiderstände zu verringern. Verbesserungspotential - vor allem für die Minderung des Kraftstoffverbrauchs - sieht Prof. Dr.-Ing. Jochen Wiedemann (Lehrstuhl Kraftfahrwesen) vor allem bei der Aerodynamik. Die Aerodynamik - seit 70 Jahren an der Uni Stuttgart etabliert - ist für die Eigenschaften eines Kraftfahrzeugs von entscheidender Bedeutung. Sie beeinflußt unter anderem die Fahrleistungen, die Höchstgeschwindigkeit, den Verbrauch und die Abgasemissionen. Bei bisherigen aerodynamischen Messungen in Windkanälen steht das Fahrzeug und die Luft umströmt es. In Wirklichkeit bewegt sich das Fahrzeug mit sich drehenden Rädern relativ zur Fahrbahn. Diese wirklichkeitsnahen Versuchsbedingungen können jetzt auch in der Uni-Windkanalanlage simuliert werden. Ende Februar wurde im Fahrzeugwindkanal ein sogenanntes „5-Belt-System“ zur Simulierung der Straßenfahrt eingebaut. Eine entsprechende Anlage wird im Laufe des Jahres in den Modellwindkanal eingebaut.

Auto als Lifestyleprodukt
Verbesserungspotential gibt es, berichtete Prof. Wiedemann, am Unterboden der Fahrzeuge. „An die Karosserie werden die Ingenieure nicht mehr herangelassen“, mein-te er, diese sei zur Domäne der Designer geworden. Dieser - für die Aerodynamik ungünstige - Einfluß habe seit den 50er Jahren massiv zugenommen bis zur heutigen Situation mit dem „Auto als Lifestyleprodukt“. Also versuchen die Ingenieure die dadurch entstandenen Nachteile „am Unterboden wieder reinzuholen“. Als weitere aktuelle Arbeitsthemen für die Ingenieure nannte Prof. Wiedemann Seitenwindempfindlichkeit, das Klima im Fahrzeuginnenraum, „Thermomanagement“, also die vernünftige Nutzung im Fahrzeug entstehender Wärme und die Geräuschemission. „70 Prozent der Bevölkerung fühlen sich durch Straßenlärm gestört“, berichtete Wiedemann. Ansatzpunkte seien hier unter anderem die Bereifung, aber auch die Straßenbeläge.

Hoffnungsträger Erdgas
„Wichtigste Herausforderung ist jedoch die Reduktion des Treibhausgases Kohlendioxid“, betonte Prof. Bargende. Die Automobilindustrie will bis 2012 die Kohlendioxid-Emissionen um 25 Prozent senken. Die Schadstoffe beim Verbrennungsmotor - Stickoxide, Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe - haben die Ingenieure heute weitgehend unter Kontrolle, sagte Bargende. In Industriegebieten erfülle der Verbrennungsmotor heute sogar die Funktion eines „Luftreinigers“. „Wir halten Erdgas für die tragfähigste Alternative zu sonstigen Kraftstoffen“, hob er hervor. Mit dem „Hoffnungsträger“ Erdgas als Alternative zu Benzin und Diesel ließe sich kostengünstig eine Kohlendioxid-Reduktion bis zu 35 Prozent erreichen. Erdgas habe „Zündgrenzen wie Benzin“, lasse sich schon heute problemlos tanken, ein Erdgasnetz sei vorhanden, also sei „die Infrastruktur kein Problem“. Wenn auch die Entwicklungen im Bereich der Fahrerassistenzsysteme gelegentlich die Frage aufkommen ließe, wieviel die Fahrer eigentlich noch beeinflussen könnten, so könnten diese doch durch intelligente Fahrweise entscheidend zur Reduktion des Kraftstoffverbrauchs beitragen, ergänzte Prof. Wiedemann. Gelegenheit zur vertieften Diskussion bot die begleitende Fachausstellung für Fahrzeug-, Motoren- und Meßtechnik im Foyer des Gebäudes Pfaffenwaldring 47. Dort waren 33 Firmen und Institute vertreten, sowohl Automobilhersteller (AUDI AG, BMW AG, DaimlerChrysler AG, Porsche AG) als auch eine breite Vielfalt von Zulieferfirmen und Forschungseinrichtungen. Exkursionen zu den Firmen Audi AG in Neckarsulm, DaimlerChrysler AG in Stuttgart-Untertürkheim, der Porsche AG in Weissach, der Robert Bosch GmbH in Schwieberdingen sowie zur Süddeutschen Kühlerfabrik J. Behr GmbH & Co in Feuerbach ergänzten das Programm. /zi

Die Vorträge des Symposiums sind in einem Buch zusammengefaßt: Bargende, M., Wiedemann, J. (Herausgeber): Kraftfahrwesen und Verbrennungsmotoren. 4. Internationales Stuttgarter Symposium, 20. bis 22. Februar 2001. Renningen-Malmsheim; expert verlag 2001; ISBN 3-8169-1981-2. Das Buch kann im Buchhandel zum Preis von 178 DM bezogen werden.

Kontakt
Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen, Pfaffenwaldring 12, 70569 Stuttgart, Tel. 0711/685-5600, -5601, -5628, Fax 0711/685-5710, -3689; e-mail: info@ivk.uni-stuttgart.de

 


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Pressestelle der Universität Stuttgart

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