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Stuttgarter unikurier Nr. 86 September 2000
Start mit MESAP:
Mit umweltfreundlichen „Energieströmen“ in die Selbständigkeit
 

Sein Weg führte ihn von Karlsruhe über Berlin und Seattle nach Stuttgart. Zwischendurch war er an so exotischen Orten wie Madagaskar, Nigeria oder den Seychellen anzutreffen. Nun geht Christoph Schlenzig in die Selbständigkeit. Noch in diesem Jahr wird er Vorstand der SIS Technologie AG, SIS steht dabei für strategische Informationssysteme. Antrieb dieser Wanderschaft waren und sind „Energieströme“ und deren umweltfreundliche Nutzung.

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Wenn Christoph Schlenzig im Herbst die Aktiengesellschaft gründet, wollen ihn sechs seiner heutigen Mitarbeiter dabei begleiten und tatkräftig unterstützen. Mit MESAP (Modular Energy Systems Analysis and Planning), einer Software zur Energiesystemanalyse und Planung, will der Physiker und promovierte Ingenieur gemeinsam mit seinen Mitstreitern den Markt erobern. Verbände und Behörden können mit MESAP statistische Informationssysteme aufbauen, um Daten aus dem Energiebereich effizienter zu verwalten, zu pflegen und zur Veröffentlichung aufzubereiten. Dazu gehört auch die Datenbereitstellung im Internet. Energieversorgungsunternehmen können MESAP für die operative und strategische Ausrichtung ihres Unternehmens nutzen, eine Aufgabe, die seit der Liberalisierung der 
Energiemärkte eine ganz neue Dimension bekommen hat. Wann soll welches Kraftwerk Strom produzieren oder sollen Kraftwerke stillgelegt werden? Wie können die Optionen des Stromhandels gewinnbringend genutzt werden?


Dr.-Ing.
c
hristoph Schlenzig

Strategien für den Umweltschutz
Die Energiemodelle, die mit MESAP aufgebaut werden können, helfen, Energiekonzepte und Umweltschutzstrategien zu erstellen, ob auf kommunaler oder internationaler Ebene, in Entwicklungsländern oder Betrieben. Wo und wie kann der CO2-Ausstoß reduziert und wie können die Wälder in Entwicklungsländern vor Übernutzung geschützt werden? Wie kann der Betrieb sein Schadstoffaufkommen und die damit verknüpften Entsorgungskosten reduzieren? MESAP gibt Alternativen und Lösungsvorschläge, zeigt mögliche Auswirkungen und hilft, zielführende Strategien für nachhaltige, umweltfreundliche und trotzdem kostengünstige Energiesysteme zu entwickeln. Damit die Pläne nicht im Regal verstauben, unterstützt MESAP den Planer bei der regelmäßigen Erfolgskontrolle und liefert die Daten für den jährlichen Energie- und Umweltbericht, denn Erfolge müssen heute auch „verkauft“ werden.

Bei Systemanalysen ist ganzheitliches Denken gefragt. Das ganze System muß erfaßt werden und sämtliche Wechselwirkungen sind zu bedenken, auch im Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie. Das macht die Arbeit interessant, aber auch schwierig, denn wird an den Energieströmen von Kohle, Öl oder Gas von deren Gewinnung und Aufbereitung bis hin zur Verstromung und Nutzung beim Endverbraucher nur an einer Stelle etwas verändert, hat dies Auswirkungen auf das ganze System. 

MESAP schafft Transparenz
Energiemodelle gibt es schon seit den 80er Jahren, zunächst wegen der Ölkrise und des Waldsterbens, nun wegen des Treibhauseffekts. Doch diese Modelle sind nicht leicht zu verstehen und wegen ihrer schlechten Datenverwaltung umständlich zu bedienen, eine Erfahrung, die Christoph Schlenzig besonders schmerzlich bei seinen Projekten in Entwicklungsländern gemacht hat. MESAP dagegen ist leicht zu lernen, verwaltet die Daten übersichtlich, automatisiert und dokumentiert die Arbeitsabläufe und schafft so mehr Transparenz für die Szenarien und Ergebnisse der Planung.

Um diese Aufgaben zu bewältigen, verknüpft MESAP ein leistungsfähiges Informationssystem, das sich an modernen Datawarehouse-Lösungen orientiert, mit den neuesten Methoden der Systemanalyse zur Modellierung von Energiesystemen, die an Universitäten entwickelt werden. Das Ganze ist eingebettet in eine zeitgemäße, benutzerfreundliche Windows-Bedienoberfläche. Bis diese anspruchsvollen wissenschaftlichen Methoden in MESAP verständlich verpackt und relativ einfach zu bedienen waren, war das ganze Wissen und Können des Teams gefordert.

Langfristige Kooperation mit Uni-Institut
Seit Christoph Schlenzig 1989 an das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart kam, ist er bei der Entwicklung von MESAP mit dabei. Er ist kein blau-äugiger Existenzgründer: Als Projekt- und Abteilungsleiter hat er viel Erfahrung gesammelt, auch beim Umgang mit dem „knappen Gut“ Geld. Sein Institutschef, Prof. Dr.-Ing. Alfred Voß, wird Anteilseigner und Berater der neuen Firma und ermöglicht eine langfristige Kooperation mit dem IER. Die Form der Aktiengesellschaft erleichtert die Aufnahme von Venture Capital und ermöglicht die langfristige Bindung wichtiger Mitarbeiter über einen Stock-Option-Plan. Sie können somit ihre Aktienoptionen erst nach einer gewissen Zeit im Unternehmen einlösen. Das ganze Wissen kommt nicht von ungefähr. Hier hat PUSH!, das Partnernetz für Unternehmensgründungen aus Stuttgarter Hochschulen, einiges beigesteuert. 

Probleme bereitet zur Zeit noch das richtige Marketing. Wie präsentiert man sich am Markt, gewinnt Kunden und baut ein Vertriebssystem auf? Da ist ein strategischer Partner gefragt, der neben Finanzmitteln auch Vertriebs-Know-How mit einbringt. Eigentlich müßte es leicht sein, die Kunden zu überzeugen: maßgeschneiderte Software, Wartungsverträge, Schulungen und internationale Erfahrungen, die Christoph Schlenzig nicht nur aus den Entwicklungsländern mitgebracht hat. Doch der Weg zum Kunden erfordert noch einiges mehr, wie die Existenzgründungskurse von PUSH! eindrucksvoll belegen. In den nächsten fünf Jahren muß sich nun zeigen, ob das Konzept der SIS Technologie AG stimmt - dann haben die „Energieströme“ eine Zukunft.

J. Alber

KONTAKT
Dr.-Ing. Christoph Schlenzig, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Abteilung Systemtechnische Grundlagen und Methoden, Pfaffenwaldring 31, 70550 Stuttgart, 
Tel. 0711/685-7558, Fax 0711/685-7567, 
e-mail: cs@ier.uni-stuttgart.de

 


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Pressestelle der Universität Stuttgart

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