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Stuttgarter unikurier Nr.80/November 1998
Kolloquium am Institut für Leichte Flächentragwerke:
Sicherheit beim Bauen mit Glas
 

Um die Aspekte Bruchverhalten und Sicherheit ging es beim Kolloquium „Bauen mit Glas“ im Sommersemester. Veranstalter war das Institut für Leichte Flächentragwerke der Universität Stuttgart unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek. Es war bereits die dritte Veranstaltung dieser Art seit Beginn der Forschungstätigkeit im Bereich Glas im Jahr 1995. Wie in den Vorjahren war auch diesmal die Fachwelt aus Industrie, Forschung, Planung und Bauaufsicht in großem Umfang vertreten.

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Vorgestellt wurde unter anderem ein an der TU Darmstadt entwickeltes, umfassendes Sicherheitskonzept für Glasanwendungen im Bauwesen, ein Dimensionierungs- beziehungsweise Beurteilungskonzept, das insbesondere auf den Zusammenhang von zulässiger Bruchwahrscheinlichkeit und Versagensart eingeht. Aus diesem „Performance Concept“ folgt beispielsweise, daß für ein bestimmtes Sicherheitsniveau Glas mit splitterbindenden Eigenschaften mit höherer Bruchspannung bemessen werden kann als Einfachglas.
Mitarbeiter des Instituts für Leichte Flächentragwerke (IL) berichteten über die dort laufenden Forschungsarbeiten, insbesondere über die aktuellen Versuche zum Schubverbund von VSG (Verbundsicherheitsglas). In einer vom Fachverband für Konstruktiven Glasbau beauftragten umfangreichen Versuchsreihe untersuchten IL-Wissenschaftler das rheologische Verhalten von PVB (Polyvinylbutyral) im Schubverbund. Dabei wurde das zeit- und temperaturabhängige Verhalten im baupraktisch relevanten Bereich detailliert erfaßt und auf ein geeignetes Materialmodell abgebildet. „Bauaufsichtliche Aspekte der Gefahrenabwehr bei der Verwendung von Glas im Bauwesen“ und der aktuelle Stand der Regulierung schlossen die technisch orientierten Vorträge ab. Die bereits umfangreich eingeführten Technischen Regeln für Überkopf- und für Vertikalverglasungen werden künftig in einer neuen gemeinsamen Zulassungsrichtlinie für linienförmig gelagerte Verglasungen behandelt. Außerdem wurden Fortschritte erzielt bei der Typisierung und Bewertung von geklebten Verglasungen und von absturzsichernden Verglasungen.
Die Serie praktisch orientierter Vorträge eröffnete Chris Jofeh aus London, der - basierend auf seinen langjährigen Erfahrungen im „Glass Engineering“ - ein Ingenieurhandbuch über das Bauen mit Glas vorbereitet. Seine Arbeit verspricht eine bislang vergeblich gesuchte Zusammenschau von ingenieurpraktischen Bemessungsansätzen zu bieten, deren Erscheinen mit Spannung erwartet werden kann.
Von einem sehr ambitionierten Glastragwerk, der Weltbildkuppel in Augsburg, berichteten die verantwortlichen Ingenieure Josef J. Ludwig und Hans-Ulrich Weiler. Es handelt sich dabei um eine „echte“ Glasschale, deren dreieckigen Isolier-glastafeln über Eckknoten verbunden sind und gleichzeitig Tragwerk und Außenhaut darstellen.
Eine zusätzliche Überraschung hatte das einladende Institut den Besuchern zu bieten: auf dem Freigelände beim IL war am Vorabend ein zehn Meter weit gespannter Glasbogen mit stabilisierender Unterspannung aufgebaut worden. Dieser Versuchsbau von Bernhard Sill und Mathias Kutterer, der erst wenige Tage vorher auf der GLASKON in München der Öffentlichkeit vorgestellt worden war, bildete nun den Hintergrund für die am Institut diskutierten Sicherheitsfragen. Das äußerst filigrane Tragwerk beruht in seiner Standsicherheit wesentlich auf der Tragfähigkeit der einzelnen Glastafeln. Zur sicheren Beurteilung einer derartigen Konstruktion fehlen bislang jedoch die Grundlagen - hier ist noch einiges zu tun.

KONTAKT
Institut für Leichte Flächentragwerke, Universität Stuttgart, Pfaffenwaldring 14, 70569 Stuttgart, Tel: 0711/685-3599, Fax: 0711/685-3789

 


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Pressestelle der Universität Stuttgart

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