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Stuttgarter unikurier Nr. 75/76 September 1997
Workshop:
Adaptive Finite Element Verfahren in der angewandten Mechanik
 

100 Wissenschaftler, vorrangig aus Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Ländern sowie den USA, kamen kürzlich an der Uni Stuttgart zusammen, um ihre Erfahrungen im Bereich der adaptiven Verfahren beim Einsatz von Finite Element Berechnungen auszutauschen. Die Teilnehmer, im wesentlichen Mathematiker und Ingenieure, hatten dabei Gelegenheit, ihre unterschiedlichen Strategien der Fehlerberechnung und Netzverfeinerung zu diskutieren. Der Workshop wurde unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Ekkehard Ramm vom Institut für Baustatik im Rahmen des DFG-Projekts „Adaptive Finite Element Vefahren in der angewandten Mechanik“ ausgerichtet.

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Finite Element Berechnungen werden zur Berechnung von komplexen Systemen genutzt, die sich analytisch nur schwer beschreiben lassen. Sie liefern allerdings keine exakte Lösung, sondern lediglich Näherungswerte, deren Qualität durch größeren Aufwand, beispielsweise durch die Erhöhung der Anzahl der Freiheitsgrade, gesteigert werden kann. Dieser Verfeinerungsprozeß läuft bisher weitgehend heuristisch mit sehr viel „Trial and Error“ Schritten ab. Um die Näherungslösung möglichst gezielt zu verbessern, werden adaptive Verfahren verwendet, die nach einer zunächst groben Rechnung eine Fehlerschätzung durchführen, um das Finite Element Netz möglichst optimal an die individuelle zu berechnende Struktur und den jeweiligen Lastfall anzupassen. Ziel der Anwendung adaptiver Verfahren ist die Optimierung der Näherungslösung durch Finite Element Berechnungen bei vorgegebener gewünschter Genauigkeit und möglichst niedrigem Rechenaufwand. Die Netzanpassung läuft dann automatisch rechnerintern ab. Adaptive Methoden sind daher insbesondere bei den heute üblichen großdimensionierten Problemstellungen unverzichtbar.

Sollte man zunächst vermutet haben, daß sich ein solcher Workshop nur an eine spezielle Zielgruppe richten könne, so wurde man im Laufe der Veranstaltung eines Besseren belehrt. Den insgesamt 30 Vortragenden, deren Beiträge in acht Schwerpunktgebiete wie beispielsweise adaptive Verfahren für Schalentrag-werke, Kontaktprobleme oder Plastizität unterteilt waren, gelang eine abwechslungsreiche Mischung aus reiner Theorie und Anwendung.

Besonders beeindruckend war ein abschließender Beitrag, der die dreijährige Arbeit aller Mitglieder des DFG-Projektes reflektierte. Um die unterschiedlichen Ergebnisse miteinander vergleichen zu können, hatten die Mathematiker und Ingenieure ein Benchmark Beispiel ausgearbeitet, das von den einzelnen Gruppen unabhängig voneinander bearbeitet wurde. Die Ergebnisse wurden vor dem Workshop zusammengetragen und in der Abschlußveranstaltung präsentiert. Trotz der teilweise unterschiedlichen Zugänge konnten bei den meisten Ergebnissen relativ große Übereinstimmungen festgestellt werden. Alle Institute, die nicht dem Projekt angehören, wurden ermutigt, sich an den Vergleichsrechnungen zu beteiligen, um so eine möglichst breite Basis zur Bewertung der Qualität der Ergebnisse zu erlangen.

 

KONTAKT
Institut für Baustatik, Dipl.-Ing. Holger Steeb, Pfaffenwaldring 7, 70569 Stuttgart; Tel. 0711/685-6120, -6123; Fax 0711/685-6968

 


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Pressestelle der Universität Stuttgart 1998