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Stuttgarter unikurier Nr. 75/76 September 1997
Verleihung des Landeslehrpreises an der Universität Stuttgart:
Gute Lehre und Spitzenforschung gehören zusammen
 

„Die Qualität der Lehre wird in Zukunft noch stärker über die Qualität einer Hochschule insgesamt mitentscheiden“, erklärte Wissenschaftsminister Klaus von Trotha bei der Verleihung des Landeslehrpreises 1996 an der Universität Stuttgart mit Hinweis auf den einsetzenden Wettbewerb der Universitäten. Der auch jenseits der Landesgrenzen beachtete Preis wurde diesmal zu gleichen Teilen an Projektgruppen der Fakultät Informatik und der Fakultät Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften vergeben. Die pro Universität mit 35.000 DM dotierten Preise wurden in einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Universität Hohenheim im Rahmen einer Feierstunde am 13. Mai im Senatssaal der Universität Stuttgart überreicht.

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Der Rektor der Universität Stuttgart, Prof. Dr.-Ing. Günter Pritschow, hob in seiner Ansprache die Wichtigkeit und Schwierigkeit hervor, „Erkenntnisse so zu vermitteln, daß es Spaß macht.“ Er warnte die Lehrenden davor, „durch eine codierte Sprache eine falsch verstandene Wissenschaftlichkeit“ erzeugen zu wollen. Pritschow dankte den Preisträgern, die mit ihrem Engagement für die Lehre beispielgebend wirken sollten. Der Hohenheimer Präsident, Prof. Dr. Klaus Macharzina, lobte die Institution des Lehrpreises, der inzwischen zu einem Markenzeichen geworden sei und dessen Preisträger beständig den Beweis antreten, „daß Spitzenforschung und gute Lehre sich nicht ausschließen.“

Preisträger an der Universität Stuttgart ist zum einen die Abteilung „Formale Konzepte“ des Instituts für Informatik für die von ihr entwickelte spezielle Veranstaltungsform „Projektgruppe“. Dieses Veranstaltungskonzept wird seit dem Sommersemester 1994 regelmäßig von Prof. Dr. Volker Claus, Dipl.-Math. Nicole Weicker und Dipl.-Inform. Wolfgang Reissenberger mit großem Erfolg durchgeführt.

Diese Veranstaltungsform vereint formal und inhaltlich ein Seminar, ein Fachpraktikum und eine Studienarbeit. Dabei erarbeiten Gruppen von sechs bis acht Studierenden über den Zeitraum von einem Jahr gemeinsam und selbständig ein Softwareprojekt von der Ermittlung des Anforderungsprofils bis zum Prototyp. Zur Zeit entwickelt eine Projektgruppe den Prototypen einer lauffähigen Software für die Koordination von Fahrgemeinschaften in einer Mitfahrzentrale.

Der Erfolg der Veranstaltung wird bestätigt durch Befragungen der teilnehmenden Studierenden, die diese Form der Lehrveranstaltung als kreative, intensive, aber auch arbeitsaufwendige Phase des Studiums bezeichnet haben.

Die andere Hälfte des Landeslehrpreises an der Universität Stuttgart ging an den Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Controlling des Betriebswirtschaftlichen Instituts für das Seminar „Implementierung eines Steuerungssystems in der kommunalen Verwaltung“. Dieses Projektseminar wurde durchgeführt von Prof. Dr. rer. pol. Péter Horváth und den Diplom-Kaufleuten Ali Axel Arnaout, Andreas Brokemper, Roman Stoi und Freiherr Oliver von Wangenheim.

Bei dem Projektseminar wurden in Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Stadt Stuttgart neben den üblichen Wirtschaftlichkeitsanalysen auch Handlungskonzepte erarbeitet, durch die sich größere Kundenfreundlichkeit erzielen läßt. Eine Befragung der Teilnehmer nach dem Erfolg des Projektseminars ergab eine außerordentlich positive Bewertung, die durch die Bereitschaft der Praktiker in der Stadtverwaltung, Ergebnisse des Seminars in verwaltungstechnische Maßnahmen umzusetzen, zusätzlich bestätigt wurde.

Den Landeslehrpreis an der Universität Hohenheim erhielt Prof. Dr. Rolf Caesar, Professor für Finanzwissenschaften, für seine Lehrveranstaltungen im wirtschaftswissenschaftlichen Grund- und Hauptstudium. Prof. Caesar wurde von den Studierenden unter anderem wegen seiner lebendigen, klaren und gegliederten Art der Wissensvermittlung vorgeschlagen.

Die Leiter der Stuttgarter Projektgruppen, Prof. Claus und Prof. Horváth, lobten die guten Erfahrungen aller Beteiligten bei der projektbezogenen Wissensvermittlung. Die ausgezeichneten Arbeitsformen sollen an beiden Instituten fortgesetzt werden.

Der Vertreter der Studierenden, Michael Lateier, würdigte zum Abschluß der Veranstaltung den hohen Betreuungsaufwand, den die Lehrenden erbracht hätten. Aber Lateier nutzte auch die Gelegenheit, um dem anwesenden Wissenschaftsminister einige Worte der Kritik mit auf den Heimweg zu geben. Wer heute Reform sage, meine weitere Kürzungen, sagte Lateier. Er erinnerte an die zunehmenden finanziellen und zeitlichen Belastungen der Studierenden und überreichte den Preisträgern ein spitzzüngig formuliertes Plakat, auf dem zu lesen war: „Ein Volk das solche Boxer Fußballer Tennisspieler und Rennfahrer hat kann auf seine Uniwersitäten ruhig verzichten.“       /eng

 

KONTAKT
Abteilung Formale Konzepte, Gudrun Volkert, Institut für Informatik, Breitwiesenstraße 20-22, Tel: 0711/7816-300/301 und Lehrstuhl Controlling, Betriebswirtschaftliches Institut, Dipl.-Kfm. Roman Stoi, Keplerstraße 17, Tel: 0711/121-3172; Fax: 0711/121-3151

 


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