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In memoriam

Hans Josef Paus

Völlig unerwartet verstarb Prof. Hans Josef Paus im April 2011 an den Folgen eines tragischen Fahrradunfalls im Alter von 73 Jahren.
Als Saarländer aus Dudweiler hat Hans Paus an der Universität des Saarlandes und an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Physik studiert und 1964 mit dem Diplom abgeschlossen. Im September 1964 wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das 2. Physikalische Institut der Universität Stuttgart. Unter der Leitung von Prof. Heinz Pick entstand dort seine Dissertation, welche sich mit den damals gerade sehr wichtigen Strukturbestimmungen von optisch aktiven Zentren in Alkalihalogenid-Kristallen befasste. Diese Arbeiten waren wegweisend für die spätere Entwicklung von Festkörperlasern, einem Forschungsgebiet, dem er sich zeitlebens widmete. Hans Paus wurde am 2. Physikalischen Institut sehr schnell die rechte Hand von Prof. Pick, und dieser übertrug ihm schon ab 1969 mehr und mehr Lehraufgaben. Zuerst vertretungsweise, bald aber praktisch eigenständig, hielt er die großen Experimentalphysik-Vorlesungen mit über 500 Hörern, und es entstand ein erstes Manuskript für die Hörer. Die Lehraufgaben und der Neuaufbau des Fortgeschrittenenpraktikums beim Umzug der Physik auf den Campus Vaihingen waren sehr umfangreich, und so dauerte die Fertigstellung seiner Habilitationsarbeit bis zum Jahre 1980. Ende desselben Jahres wurde ihm die Lehrbefugnis für das Fach Physik erteilt und 1987 erfolgte die Ernennung zum apl. Professor an der Universität Stuttgart.
Große Verdienste erwarb sich Paus beim Bau des größten Hörsaals auf dem Campus Vaihingen (V53.01), der in hervorragender Weise für experimentelle Vorlesungen ausgestattet ist. Zwischen 1988 und 1992 führte er umfangreiche technische, Organisations- und Finanzverwaltungsaufgaben verantwortlich durch – es wurde „sein“ Hörsaal.
Aus seiner Vorlesungstätigkeit sind zahlreiche Versuche entstanden, die bis heute seine Handschrift tragen. 1994 erschien die erste Auflage seines Lehrbuches „Physik in Experimenten und Beispielen“. In der 3. Auflage bringt dieses Lehrbuch heute auf über 1.000 Seiten den Studierenden die Grundlagen der Physik nahe. In sein Lehrbuch hat er viel Zeit und Herzblut investiert: Gute Lehre war ihm extrem wichtig. „Der Paus“, wie das Lehrbuch bei Studierenden kurz heißt, wird ihn auf Dauer in Erinnerung halten.
Unzählige ehemalige Studierende der Ingenieurwissenschaften, Biologie und Chemie der Uni Stuttgart erinnern sich an seine engagierten Experimentalphysik-Vorlesungen und insbesondere an seine spektakulären „Faschingsvorlesungen“. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand 2003 war er weiter in der Kristallzucht wissenschaftlich sehr aktiv und überarbeitete sein Lehrbuch.
Gert Denninger, Arthur Grupp



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