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In memoriam

Klaus Kirchgässner

Am 9. Juli 2011 verstarb Prof. Klaus Kirchgässner im Alter von 79 Jahren. Er war zwischen 1972 und 1998 Professor für Mathematik an der Universität Stuttgart. Außerdem zählte er zu den Mitgliedern der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, war Ehrenmitglied der „International Society for the Interaction of Mechanics and Mathematics (ISIMM)” und der „Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik“ (GAMM)”.
Klaus Kirchgässner studierte Mathematik und Physik an der Universität Freiburg, wo er im Jahr 1959 im Fach Mathematik unter der Anleitung von Prof. Henry Görtler promovierte. Nach seiner Habilitation im Jahr 1966 nahm er einen Ruf auf eine Professur an der Universität Bochum an. Nach dreijähriger Tätigkeit wechselte er an die Universität Stuttgart und übernahm die Leitung eines Lehrstuhls für angewandte Mathematik am damaligen Mathematischen Institut A. Hier forschte und lehrte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1998. Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand war Klaus Kirchgässner weiterhin in der Forschung tätig und bis ins Jahr 2001 hatte er das Amt des Präsidenten der „Gesellschaft für Mathematische Forschung Oberwolfach e.V.“ inne. Kirchgässner hat die Mathematik sowohl als Grundlagenwissenschaft als auch in ihrer Interaktion mit den Natur- und Ingenieurswissenschaften auf vielfältige Weise gefördert. In Stuttgart war er Mitinitiator mehrerer interdisziplinärer Forschungskooperationen. Auf internationaler Ebene war er in der ISIMM sowie in der „International Union of Theoretical and Applied Mechanics“ (IUTAM) aktiv. Das allererst mathematische EU-Projekt „Spatio-temporal pattern formation'' wurde von ihm wesentlich mitgestaltet. Über viele Jahre war Klaus Kirchgässner im Vorstand und anderen Gremien der GAMM aktiv, von 1980 bis 1983 als ihr Präsident. Von 1987 bis 1993 wirkte er als Mitglied des Senats der DFG und hat zusammen mit Prof. Willi Jäger die Einrichtung des bis heute erfolgreichen BMBF-Programms „Mathematik für Innovationen in Industrie und Dienstleistungen'' durchgesetzt. Für den „International Congress for Industrial and Applied Mathematics 1995“ in Hamburg leitete er das „International Program Committee“.

Klaus Kirchgässners Arbeiten zur Theorie der Wasserwellen haben international große Anerkennung gefunden, und die von ihm entwickelten „räumliche Dynamik'' und „räumliche Zentrumsmannigfaltigkeit'' sind heute ein unverzichtbares Werkzeug in der Verzweigungstheorie auf unbeschränkten Gebieten. Mit seiner Forschungsarbeit gewann er zahlreiche nationale und internationale Preise. Klaus Kirchgässner war auch ein begeisternder Lehrer. Viele Generationen von Studierenden und zahlreiche Nachwuchswissenschaftler wurden durch seine engagierte und fachübergreifende Lehre und Denkweise geprägt und tragen diese heute weiter, um die Verbindung der Mathematik mit den Natur- und Ingenieurwissenschaften weiter zu vertiefen.
Alexander Mielke und Guido Schneider



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