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Symposium: Herwarth Walden und die europäische Avantgarde

Der Aufbruch in die Moderne

Herwarth Walden (1878-1941) ist der „geheime Architekt“ der europäischen Avantgarde: 1910 gründete er die Zeitschrift „Der STURM“ und damit das erste, spektakulärste und langlebigste Forum der literarischen und künstlerischen Moderne. Wenn heute Vertreter des Expressionismus, Futurismus oder Kubismus zu den hervorragendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählen, ist das nicht zuletzt Waldens Verdienst. Dennoch ist sein Wirken in vieler Hinsicht erst in Ansätzen erforscht. Das zweitägige Symposium „Herwarth Walden und die europäische Avantgarde“, veranstaltet vom Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung (IZKT) der Uni Stuttgart, stellte sich dieser Lücke.

Als Herwarth Walden die Zeitschrift „Der STURM“ gründete, in der Oskar Kokoschkas frühe Zeichnungen sowie sein Aufsehen erregendes Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“ erschien, rief er Empörung hervor. Als er sie den italienischen Futuristen, französischen Kubisten, den Künstlern der Brücke und des Blauen Reiters öffnete, erntete er Häme und Hass: Die Künstler wurden als „farbspritzende Brüllaffen“ verunglimpft. Dennoch gelang es Walden, um die Zeitschrift herum mit Galerie, Wanderausstellungen, Verlag, Bühne, Buchhandlung und Kunstschule einen ganz neuartigen Kunst- und Kulturbetrieb zu etablieren. So verhalf er der europäische Avantgarde zum Durchbruch.


Sina Walden vor einem Porträt ihres Vaters von 1918.  (Foto: Nora Heinzelmann)
Sina Walden vor einem Porträt ihres Vaters von 1918. (Foto: Nora Heinzelmann)

Dass trotz der immensen Bedeutung des „Kulturmanagers“ viele Facetten seines Wirkens unbekannt und nicht gewürdigt sind, hängt auch mit den Auswirkungen der politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts zusammen: Walden emigrierte 1932 in die Sowjetunion, wurde 1941 bei einer stalinistischen Säuberungsaktion verhaftet und starb im selben Jahr. So gehörte es zu den bewegendsten Momenten des Symposiums, als Sina Walden anhand neuer Recherchen die näheren Umstände der Umsiedlung ihres Vaters, seiner Verhaftung und seiner späten Rehabilitierung schilderte. Auf die den Zeitumständen geschuldete schwierige Quellenlage stießen auch andere Walden-Forscher, etwa im Versuch, die internationale Vernetzung Waldens zu rekonstruieren. Hier konnte das Stuttgarter Symposium Neues zutage fördern und zudem die bedeutende Vermittlerrolle Waldens hinsichtlich der verschiedensten Künste – bildende Kunst, Musik und Theater – herausarbeiten. Zu den Höhepunkten der Tagung gehörte der Beitrag des Stuttgarter Musikwissenschaftlers Andreas Mayer. Er stellte den Komponisten Walden vor. Selten oder in neuerer Zeit gar nicht mehr gespielte Kompositionen Waldens wurden in einer eigens für das Symposium produzierten Aufnahme mit der Sopranistin SaeJoung Choi und dem Pianisten Ingo Dannhorn zu Gehör gebracht.
Auf großes Interesse stieß auch die Eröffnung des Symposiums vor dem Walden-Porträt von Oskar Kokoschka in der Staatsgalerie, wo zudem Werke von STURM-Künstlern gezeigt wurden, die sonst nicht in der ständigen Sammlung zu sehen sind. Eine Medienpräsentation mit 50 Dokumenten zu Walden, seiner Zeitschrift und den STURM-Künstlern aus den Jahren 1904-1916 rundeten das Programm ab.
Elke Uhl



Kontakt

Dr. Elke Uhl
Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung
Tel. 0711/685-82379
e-mail: elke.uhl@izkt.uni-stuttgrt.de
http://www.izkt.de


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