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Stuttgarter Luft- und Raumfahrttechnik feiert ihr 100-jähriges Bestehen

Rundflug durch die Geschichte eines uralten Wunsches

„Konstruktion von Flugmaschinen“ - so lautete der Titel der Vorlesung, die am 1. April 1910 von Alexander Baumann, dem weltweit ersten Professor für Luftfahrttechnik, an der damaligen Technischen Hochschule Stuttgart zu hören war. Ein Jahr später veranlasste Württembergs König Wilhelm II. die Einrichtung eines Lehrstuhls und schuf damit die Basis für die Fakultät „Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie“. Um das Jubiläum „100 Jahre Luftfahrttechnik an der Universität Stuttgart“ in angemessener Weise zu begehen, richtete die Fachschaft „Flurus“ am 26. November 2010 in der Stuttgarter Liederhalle eine stilvolle Gala aus.

Einblicke in die Geschichte der Stuttgarter Luft- und Raumfahrttechnik
Einblicke in die Geschichte der Stuttgarter Luft- und Raumfahrttechnik
Vom Riesenflugzeug, das der erste Stuttgarter Luftfahrtprofessor Alexander Baumann entwickelte, bis hin zum zweisitzigen Brennstoffzellenflugzeug. Hydrogenius.   (Fotos: Eppler, Institut)
Vom Riesenflugzeug, das der erste Stuttgarter Luftfahrtprofessor Alexander Baumann entwickelte, bis hin zum zweisitzigen Brennstoffzellenflugzeug. Hydrogenius. (Fotos: Eppler, Institut)

 

Ein Abend lang unternahmen Experten wie interessierte
Laien einen packenden „Rundflug“ durch die Geschichte eines uralten Wunsches und erhielten unter der Moderation von Fakultätsdekan Prof. Alfred Kleusberg Einblicke in historische und aktuelle „Highlights“ von Wissenschaft und Praxis. Der Traum vom Fliegen, von grenzenloser Freiheit und Weite, faszinierte von jeher Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Kulturkreise. Die natürliche Perfektion des Vogelfluges inspirierte sie nicht nur zu künstlerischen und literarischen Auseinandersetzungen mit der ersehnten Leichtigkeit, sondern schürte auch den Wunsch, sich selbst in die Lüfte zu erheben.

Auch durch etliche Fehlversuche hätten sich die Menschen nicht entmutigen lassen, das scheinbar Unerreichbare dennoch anzugehen, betonte Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel in seiner Ansprache und verwies auf Pionierleistungen in der Luftfahrt wie Otto Lilienthals erste Gleitflüge um 1890 und auf das erste motorbetriebene Flugzeug, das von den amerikanischen Brüdern Wilbur und Orville Wright konstruiert und 1903 erfolgreich getestet wurde.

 


Prof. Alfred Kleusberg, Dekan der Fakultät 6, gab bei der Festveranstaltung Einblicke in die Geschichte der Stuttgarter Luft- und Raumfahrttechnik
Prof. Alfred Kleusberg, Dekan der Fakultät 6, gab bei der Festveranstaltung Einblicke in die Geschichte der Stuttgarter Luft- und Raumfahrttechnik
Stuttgarter Bänderfallschirm: Aus 50 mm breiten seidenen Hutbändern wurde 1938 in Zusammenarbeit mit der TH Stuttgart für den Pilotenaustieg bei hohen Geschwindigkeiten ein „durchlässiger“ Fallschirm hergestellt. Dessen Erprobung floss in die amerikanische Weltraumforschung ein: Daraus wurden die Berge-Fallschirme für die Wasserung der Apollo-Kapseln bei der Rückkehr aus dem Orbit konstruiert.               (Foto: Institut)
Stuttgarter Bänderfallschirm: Aus 50 mm breiten seidenen Hutbändern wurde 1938 in Zusammenarbeit mit der TH Stuttgart für den Pilotenaustieg bei hohen Geschwindigkeiten ein „durchlässiger“ Fallschirm hergestellt. Dessen Erprobung floss in die amerikanische Weltraumforschung ein: Daraus wurden die Berge-Fallschirme für die Wasserung der Apollo-Kapseln bei der Rückkehr aus dem Orbit konstruiert. (Foto: Institut)

Von der Stiftungsprofessur zur Fakultät 6

Ressel skizzierte die Geschichte der Stuttgarter Luft- und Raumfahrtforschung und zeigte so die Entwicklung zu der mittlerweile 14 Institute und 26 Professoren umfassenden Fakultät 6, die heute größte ihrer Art in Deutschland. Nicht zuletzt der regionalen Wirtschaft sei die Tatsache zu verdanken, dass die Erforschung und Konstruktion von Flugapparaten erstmals in Württemberg, im Land der „Tüftler“, Eingang in den universitären Betrieb fand. Zur Stiftung der weltweit ersten Professur in diesem Fachbereich habe unter anderem die Firma Robert Bosch die damals immense Summe von 50.000 Goldmark beigesteuert.

Mit besonderem Stolz verwies Ressel auf die enorme Anzahl von aktuell 4.484 Studierenden, einen für die Fachrichtung überdurchschnittlichen Frauenanteil und auf Projekte der letzten Jahre, beispielsweise das Stratosphären-Observatorium für Infrarotastronomie (SOFIA), die fliegende Sternwarte, die der aktuelle Institutsleiter des Instituts für Raumfahrtsysteme, Prof. Hans-Peter Röser, nach seiner Berufung mit an das IRS gebracht hatte. „100 Jahre voller Visionen in Köpfen exzellenter Wissenschaftler“, so fasste Rektor Ressel die Entwicklung der Stuttgarter Luft- und Raumfahrt zusammen und zeigte sich zuversichtlich, dass die Absolventen der heutigen Institute ihren teils weltbekannten Vorgängern alle Ehre machen werden.
Über die derzeitige Situation, über die Innovationsstärke und die nahezu optimale Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft, welche sich bereits 1911 in der Stuttgarter Stiftungsprofessur manifestierte, referierte Klaus Tappeser, Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg. Das Potential des Landes liege im Geist seiner Bewohner, betonte er und vergaß trotzdem nicht, auf Verbesserungsbedürftiges Bezug zu nehmen. So sei der Frauenanteil zwar für die Fachrichtung überdurchschnittlich, müsse in den kommenden Jahren jedoch „noch wesentlich mehr werden“.


 

Aus studentischer Sicht vorbildlich

Neben einigen Professoren der Universität Stuttgart kam auch die studentische Seite zu Wort. Tim Krapf, Vorsitzender der Fachschaft der Fakultät 6, hob zunächst die vorbildliche Interaktion von Dozenten und Studierenden und das Anspruchsniveau der Studiengänge heraus, vermittelte im Verlauf seiner Rede auch einen Eindruck von dunkleren Kapiteln im Werdegang der Institution. So sei das Vorläufermodell der heute bestehenden Fachschaft „Flurus“ aufgrund der allgemeinen Studentenunruhen zeitweise verboten worden. Nach diesen historischen Exkursen richtete Kraft ein abschließendes Dankeswort an das Team der Fachschaft, das ehrenamtlich und in Eigenregie das Gala-Bankett in der Stuttgarter Liederhalle organisiert hatte.
Sabine Dettling



Kontakt

Flurus, Fachschaft Luft- und Raumfahrttechnik
Tel. 0711/685-62319
http://www.flurus.de


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