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Kinder-Universität Stuttgart

Zwischenmenschliche und reale Brücken

Sprache kann eine Brücke zwischen Menschen schlagen. Doch was ist Sprache und wie viele gibt es? Und wenn wir schon von Brücken reden: wozu braucht man überhaupt Brücken in der freien Natur? Ist etwa Brücke gleich Brücke oder gibt es da Unterschiede? Fragen über Fragen, welchen die Stuttgarter Professorin für Linguistik Artemis Alexiadou und Balthasar Novák, Professor für Massivbau an der Universität Stuttgart, im Rahmen der Kinder-Uni-Vorlesungen im Wintersemester 2010/2011 auf den Grund gingen.

Kinder Universität Stuttart
Kinder Universität Stuttart

Gleich in vier Sprachen begrüßte Artemis Alexiadou die acht bis zwölf Jahre alten Studierenden der Kinder-Uni auf dem Campus am Vaihinger Pfaffenwald. Sprache mit ihren Lauten, ihrem Vokabular und ihrem syntaktischen System der Verbindung von Vokabeln zu Sätzen unterscheide den Menschen vom Tier. Weltweit gebe es ungefähr 7.000 Sprachen, wobei auf dem europäischen Kontinent nur drei Prozent davon gesprochen würden. Aufgrund der Ähnlichkeit zwischen den Wörtern sei anzunehmen, dass es eine Ursprache gebe, auf die alle anderen zurückzuführen seien. Sprachen wie Griechisch, Deutsch und Französisch sind Kinder der Ur-Indoeuropäischen Sprache. Aber auch neue Sprachen könnten entstehen, beispielsweise durch Kontakt der europäischen Sprachen mit denjenigen der Eingeborenen zur Kolonialzeit.


Was gelernt ist, wird attestiert: Prof. Artemis Alexiadou beim Abzeichnen der „Studentenausweise“. (Fotos: Eppler)
Was gelernt ist, wird attestiert: Prof. Artemis Alexiadou beim Abzeichnen der „Studentenausweise“. (Fotos: Eppler)

Seit rund 50 bis 60.000 Jahren sei, so Alexiadou weiter, der Mensch in der Lage zu sprechen, wobei die Fähigkeit, Laute zu bilden, besondere anatomische Gegebenheiten voraussetze – der aufrechte Gang, ein tief sitzender Kehlkopf sowie ausreichend Spiel- und Resonanzraum für die Zunge. Schließlich habe auch ein Gen namens Forkhead-Box-Protein P2 bei der Entwicklung der Sprach- und Sprechfähigkeit eine zentrale Rolle gespielt. FOXP2 sei vor zwölf Jahren zufällig bei einer Familie in England entdeckt worden, die über drei Generationen Sprachprobleme aufgewiesen hatte. „Sie lernten nicht wirklich zu sprechen, und alle Mitglieder hatten einen Defekt in diesem Gen“, führte Alexiadou aus. Dieses Gen diene der Koordination der Mund- und Gesichtsmuskeln und sei beim Menschen so mutiert, dass er sprechen kann. Tiere besäßen das Gen ebenfalls – nur eben nicht in der mutierten Variante.


Prof. Balthasar Novák und seine kleinen Helfer jubeln: Die selbst gebaute Brücke hält ihrem Gewicht stand.
Prof. Balthasar Novák und seine kleinen Helfer jubeln: Die selbst gebaute Brücke hält ihrem Gewicht stand.

Ich bau mir eine Brücke
Von Balthasar Novák ließen sich über 500 wissbegierige kleine Nachwuchsstudenten erklären, was es mit Bücken so auf sich hat. Jeder hat schon mal eine Brücke gesehen, kaum einer ahnt jedoch, was es alles zu beachten gibt, damit eine Brücke nicht durchbricht. Mit ihnen lassen sich Flüsse, Täler oder Schluchten überwinden. Die ältesten Brücken sind Balkenbrücken, die aber zu kurz sind, um große Flüsse zu überqueren. Die längste Seilbrücke steht in Japan, misst fast vier Kilometer und würde vom Hörsaal in Vaihingen bis in die Stadtmitte reichen. Auch die Römer wussten vor über 2000 Jahren schon, imposante Bogenbrücken aus Stein zu bauen, denen der Zahn der Zeit bis heute wenig anhaben kann.
„Das kann man alles machen, wenn man weiß, wie Brücken funktionieren“, erklärt Novák den begeisterten Kindern. In zahlreichen Versuchen erfuhren die Kinder, dass gleichmäßig verteilte Gewichte am Seil einen Zug ausüben, so dass die Seilbrücke passierbar wird. Sie erlebten hautnah wie lange Holzstäbe unter dem Druck eines Gewichtes zerbrechen, während kurze das Gewicht scheinbar mühelos aushalten. Und sie lernten, wie unterschiedlich die Baumaterialien Holz, Beton und Stahl auf Zug und Druck reagieren, warum es also sinnvoll ist, Materialien wie beim Stahlbeton zu kombinieren. Am Ende der spannenden Veranstaltung durften die Kinder beim Bau einer richtigen Bogenbrücke aus Holzelementen mithelfen, die dem Gewicht der acht Kleinkonstrukteure und ihres Mentors Novák standhielt und auch nicht zusammenbrach, als die vielen Füße der Teilnehmer über sie hinwegliefen.
Sabine Dettling/Helmine Braitmaier



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