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Eröffnungsveranstaltung zum Internationalen Jahr der Chemie 2011

Ein Feuerwerk an Experimenten

Unter dem Motto „Chemie – unser Leben, unsere Zukunft“ will das von der UN-Generalversammlung ausgerufene Internationale Jahr der Chemie 2011 darauf aufmerksam machen, wie bedeutsam diese Wissenschaft ist: Ob Ernährung oder Energieversorgung, ob Mobiltelefon, neue Medikamente oder intelligente Materialien, nichts geht ohne Chemie. Die Universitäten Stuttgart und Hohenheim sowie das Institut Dr. Flad, die sich zum Stuttgarter Aktionsbündnis zum Internationalen Jahr der Chemie 2011 zusammengefunden haben, eröffneten am 23. Februar das Wissenschaftsjahr mit einer „experimentellen“ Auftaktveranstaltung.

Übervoll war der Hörsaal, als Prof. Sabine Laschat, Prorektorin Forschung der Universität Stuttgart, in ihrer Begrüßung die Chemie einen wichtigen Innovationsmotor für die Wirtschaft nannte – behaftet mit einem Imageproblem. Schlechte Erinnerungen an die Schulchemie wie auch die Aussage „ein reines Bioprodukt, ganz ohne Chemie“, seien nur schwer aus der Welt zu schaffen, sagte Laschat. Dabei stelle das untrennbar miteinander verbundene Trio Chemie, Biologie und Physik die Basis für unser Leben und die Umwelt dar.


Jürgen Schmohl (im Bild) unterstützte Prof. Gudat bei seinem Vortrag „Energie im Wandel“ mit wirkungsvollen, chemischen Experimenten.  (Bild: Jürgen Flad)
Jürgen Schmohl (im Bild) unterstützte Prof. Gudat bei seinem Vortrag „Energie im Wandel“ mit wirkungsvollen, chemischen Experimenten. (Bild: Jürgen Flad)

Mikroorganismen – die erfolgreichsten Chemiker

Prof. Christian Wandrey, der am Institut für Biotechnologie am Forschungszentrum Jülich tätig war, ging in seinem Festvortrag auf die seit rund zwei Millionen Jahren erfolgreiche „Firma“ der Mikroorganismen ein, die mit Licht und Kohlendioxid beziehungsweise Glukose äußerst genügsam leben und arbeiten. „Sie machen kaum Abfall und kennen weder Schlaf noch Streik. Von den Mikroorganismen lernen, heißt siegen lernen“, erklärte Wandrey. Für den Menschen sind sie keine Black Box mehr, man kann in sie hineinsehen, Hunderte von Reaktionen berechnen und vorhersagen. Sogar an für seine Zwecke maßgeschneiderte Mikroorganismen traut sich der Mensch inzwischen heran. Lysin zum Beispiel, eine für Mensch und Schwein essenzielle Aminosäure, wird auf diese Weise im großen Maßstab erzeugt. Der Sinn dahinter: Dem Futtermittel beigemischt, steigert es dessen Nährwert erheblich, optimiert die Nahrung vergleichbar der Muttermilch, und in der Folge können rund 20 Millionen Hektar Ackerfläche eingespart werden.
In der Tradition der Weihnachtsvorlesungen von Michael Faraday und den öffentlichen Vorträgen des deutschen Chemikers Julius Liebig zündete Prof. Dietrich Gudat vom Institut für Anorganische Chemie der Uni in seinem Experimentalvortrag „Energie im Wandel – und was die Chemie dazu beitragen kann“ zusammen mit Assistenten ein Feuerwerk an Experimenten. Da brach ein Vulkan en miniature aus, tauchte zusammen mit Metallspänen verbrennendes Kohlendioxid den Hörsaal in gleißendes Licht und wurde auch den Zuschauern in der letzten Reihe klar, weshalb man beim Abbrennen eines Wasserstoff-Sauerstoffgemischs von Knallgasreaktion spricht. Ein Quarzglas wurde in der Bunsenbrennerflamme zur hell leuchtenden Röhre, die Kirschsolarzelle erzeugte beim Lichteinfall Strom und in der Molekularküche brauten die Chemiker in wenigen Minuten Bier. Selbstverständlich wurde seine Genießbarkeit im Anschluss unter Beweis gestellt.
Im Rahmen der Vortragsreihe zum Internationalen Jahr der Chemie halten zwei weitere Vertreter der Uni Stuttgart Vorträge: Prof. Franz Effenberger vom Institut für Organische Chemie beleuchtete am 16. März zum Thema „Von Diamanten zur Carbonfaser - Neues über Modifikationen des Kohlenstoffs“. Prof. Sabine Laschat referiert am 5. Oktober unter dem Titel „Chemie trifft Biologie: Marine Naturstoffe als Werkzeuge der chemischen Kommunikation“.
Julia Alber



Kontakt

Prof. Clemens Richert
Institut für Organische Chemie
Tel. 0711/685-64311
e-mail: lehrstuhl-2@oc.uni-stuttgart.de
http://www.chf.de/benzolring/2011/chemietage.html


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