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30. Stuttgarter Unternehmergespräch des Förderkreises Betriebswirtschaft

Gipfelstürmer in stürmischen Zeiten

Die Konkurrenz in China und anderen Billiglohnländern schläft nicht. Dagegen können produzierende Unternehmen nur bestehen, wenn sie ihren Kunden einen Mehrwert anbieten. Diesem Trend widmeten sich zahlreiche namhafte Unternehmer und Wissenschaftler beim 30. Unternehmergespräch des Förderkreises Betriebswirtschaft der Universität Stuttgart im November. Das Thema des Tages lautete: „Vom Produkt- zum Lösungsanbieter – Erfolgreiche Konzepte und Praxisbeispiele zur Dienstleistungsorientierung“.

Besonders in der Wirtschaftskrise erkannten die Unternehmen, dass die Verbindung zum Kunden nicht der Umsatz, sondern die Dienstleistung ist. „Kundenbindung schützt vor billigen Konkurrenzprodukten“, sagte Prof. Dieter Spath in seinem Vortrag „Zukunftstrends der Dienstleistungswirtschaft“. Der Clou aber sei, Dienstleistung mit Technologie zu verknüpfen. Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation und des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart präsentierte Daten, wonach sich Länder wie Deutschland, Südkorea, aber auch Polen mit industriellem Kern und einer ausgeprägten Fachkräfte-Kultur schneller von der Wirtschaftskrise erholen, als die reinen Dienstleistungsgesellschaften der Vereinigten Staaten oder Großbritanniens. Als erfolgreiches Beispiel für die Symbiose von Dienstleistung und Produkt nannte Spath das iPhone, welches das Telefonieren revolutionierte und mit zahlreichen Anwendungen Bedürfnisse anspreche, von denen vorher niemand wusste, dass er sie überhaupt habe. Stromkonzerne lieferten nicht nur Strom, sondern bieten zusätzlich mit „intelligenten Stromzählern“ einen Energiespar-Service an. Ein hiesiger Autobauer hat sich mit seinem Car-Sharing-Modell vom Autoproduzenten zum Mobilitäts-Dienstleister weiterentwickelt. Neben Kommunikation, Klima/Energie und Mobilität werden Gesundheit/Ernährung und Sicherheit weitere Felder sein, wo zukünftig vermehrt Dienstleistungen angeboten werden, so Spath. Es sei aber wichtig bereits in frühen Phasen der Produktentwicklung über Dienstleistungen nachzudenken.


„Zukunftstrends der Dienstleistungswirtschaft“ beschrieb Prof. Dieter Spath beim 30. Stuttgarter Unternehmergespräch.       (Foto: Eppler)
„Zukunftstrends der Dienstleistungswirtschaft“ beschrieb Prof. Dieter Spath beim 30. Stuttgarter Unternehmergespräch. (Foto: Eppler)

„Der Weg vom Produkt- zum Lösungsanbieter ist nicht immer einfach, ab und zu ist er holprig, und wir müssen auch mal umkehren“, beschrieb Eberhard Veit seine Erfahrungen bei dem klassischen Maschinenbauunternehmen Festo AG. Mit der Aufspaltung der Unternehmensleistungen in 58 Prozent Komponenten und 32 Prozent Service sei die Spitze des Berges noch längst nicht erreicht. Das Ziel sind jeweils 50 Prozent, so der Vorstandsvorsitzende. Heutzutage funktioniere es nicht mehr, dem Kunden einen Produktkatalog auf den Tisch zu knallen. Vielmehr steht am Anfang der Kunde mit seinen individuellen Anforderungen, für die im zweiten Schritt eine spezifische Lösung gezimmert wird. Um Kunden individuell beraten zu können, reicht es allerdings nicht mehr aus, ein exzellenter Maschinenbauer zu sein. Der Mitarbeiter sollte zum Beispiel auch wissen, wie die Maschine energieeffizienter gebaut werden kann. An ihm hängt der Erfolg des Unternehmens. Und der Erfolg gibt Festo recht, im Dezember 2010 bekam das Unternehmen gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung den Deutschen Zukunftspreis für die Entwicklung eines Roboterarms, der einem Elefantenrüssel nachempfunden ist – „eine Dienstleistung aus der Natur“, so Veit.
Die rund 130 Teilnehmer des Unternehmergesprächs folgten gebannt den weiteren Erfahrungsberichten erfolgreicher Lösungsanbieter und diskutierten mit den Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft mögliche Strategien und Entwicklungsstufen hin zum Lösungsanbieter. „Werde also nicht müde, deinen Nutzen zu suchen, indem du anderen Nutzen gewährst“, gab Spath den Teilnehmern das Zitat des römischen Kaisers Marc Aurel mit auf den Weg.
Helmine Braitmaier



Kontakt

Christian Barthruff
Betriebswirtschaftliches Institut, Abteilung III
Tel. 0711/685-86005
e-mail: christian.barthruff@bwi.uni-stuttgart.de


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