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Neuer Studiengang Medizintechnik

Ein Studiengang – zwei Universitäten

Sie würden ein wenig Versuchskaninchen sein, dachten Berit Krohn und Sebastian Bartel. Für den interuniversitären Studiengang Medizintechnik haben sie sich trotzdem entschieden, denn „neu“, das klang interessant. Die Aussicht darauf, etwas mitgestalten zu können, fanden sie gut, und zwei Studienorte spannend.

„Der Studiengang vereinigt zwei Fächer, für die ich mich interessiere“, sagt Sebastian Bartel. Das breite Fächerspektrum findet er toll, wie auch die Möglichkeit, sich zum Abschluss in Richtung „Medizinische Ingenieurwissenschaften“ oder „Biomedizinische Technologie“ zu vertiefen. Berit Krohn wollte auf jeden Fall an einer Uni Medizintechnik studieren, und ihr war die interdisziplinäre Ausrichtung von Anfang an wichtig. „Klar war aber, dass es sich um ein Ingenieurstudium handeln würde“, sagt sie.
Wenn die angehenden Medizintechniker zwischen Stuttgart und Tübingen per Zug oder in Fahrgemeinschaften pendeln, dann pendeln sie nicht nur zwischen zwei Universitäten, sondern auch ein wenig zwischen zwei Welten. Da ist der Campus in Vaihingen, wo sie sich unter anderem mit Mathematik, Technischer Mechanik und Konstruktionslehre die Grundlagen des Ingenieurstudiums aneignen und alles bequem zu Fuß erreichen. Und da ist die Uni Tübingen, wo sie die Naturwissenschaften auf der Morgenstelle und die Mediziner in der Innenstadt in der Pathologie besuchen.


Berit Krohn und Sebastian Bartel haben sich für den interuniversitären Studiengang Medizintechnik entschieden.                           (Foto: Institut)
Berit Krohn und Sebastian Bartel haben sich für den interuniversitären Studiengang Medizintechnik entschieden. (Foto: Institut)

Vorlesungen etwa in Mathematik und Humanbiologie unterscheiden sich natürlich im Inhalt, aber auch grundlegend in der Sprache, erzählen Berit Krohn und Sebastian Bartel. Besonders hart haben sie die Vorlesung manch eines Medizinprofessors in Erinnerung, der Studierende höherer Semester gewohnt war und tief in die Kiste der Fachtermini griff. Doch welches Problem auch immer auftauchte, sie trafen damit auf „offene Ohren“ und es folgten Lösungen beziehungsweise Besserungen. Aktuell fühlen sich die zwei mehr der Uni Stuttgart zugehörig, wo sie viel Zeit verbringen. Ändern wird sich dies schätzungsweise ab dem dritten Semester, wenn sie vermehrt in Tübingen sein werden und möglicherweise dann auch dorthin umziehen.
Nur den Bachelor machen, das ginge am Sinn eines Uni-Studiums vorbei, meinen Berit Krohn und Sebastian Bartel. Beide wollen den Master auf jeden Fall anhängen, zuvor vielleicht eine Pause einschieben, um Arbeitserfahrung zu sammeln – vielleicht sogar im Ausland – und danach wäre ein Platz in der Forschung toll. Berit Krohn hat es die Technik rund um die Neurowissenschaften angetan, Sebastian Bartel begeistert die direkt mit dem Menschen verbundene Medizintechnik, wie etwa Retina-Implantate oder künstliche Herzen.

Zum Wintersemester 2010/11 startete der interuniversitäre, sechssemestrige Bachelor-Studiengang Medizintechnik, bei dem die Uni Stuttgart den ingenieurwissenschaftlichen, die Uni Tübingen den medizinischen Input liefert. Über 600 Bewerbungen gingen auf die 100 Plätze ein. „Es ist kaum darstellbar, wie hoch der Aufwand ist, diesen interuniversitären Studiengang zu koordinieren“, betont Studiendekan Prof. Thomas Maier vom Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design der Uni Stuttgart, „aber die lange und harte Vorarbeit und Planung hat sich gelohnt“. Die angehenden Medizintechniker erhalten das Rüstzeug, um nach ihrer Hochschullaufbahn in Wirtschaft und/oder Forschung tätig zu werden und sie lernen Mediziner wie auch Ingenieure kennen und verstehen – „Das ist es, was eine Schnittstelle ausmacht“, sagt Thomas Maier. Hoch geschätzt werde von der Industrie das Zeit- und Organisationsmanagement, das der Studiengang den Studierenden abverlangt. Der Studiengang wird ständig weiter optimiert, medizintechnische Inhalte werden in medizin- oder technikspezifische Veranstaltungen eingefügt und bis 2012 sollen dazu vier neue Professoren (je zwei in Tübingen und Stuttgart) berufen werden. Julia Alber



Kontakt

Prof. Thomas Maier
Interuniversitäre Kommision Medizintechnik
Tel. 0711/685-66060
e-mail: thomas.maier@iktd.uni-stuttgart.de
http://www.uni-medtech.de


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