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Gokart mit neuester Technologie dient als Lernobjekt

Lenkung wie von Zauberhand

Was für die einen ein Spielzeug, ist für die anderen ein pures Praxis- und Anschauungsobjekt: das Gokart. Schon Kinder kennen das Fahrzeug, bei dem sie in die Pedale treten müssen. Und wie bei einem Auto gibt es ein Lenkrad, das über eine Lenksäule mit den Vorderrädern verbunden ist. Das Gokart, das am Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik (IAS) steht, kommt allerdings ohne Lenksäule aus. Es benutzt eine neue Technologie, um die Bewegung des Lenkrades vollelektronisch auf die Räder zu übertragen.

Bei der sogenannten „Steer-by-Wire“ Technik (Lenkung über Draht) registrieren Sensoren die Drehung des Lenkrades, übersetzen es in ein digitales Signal und leiten es über eine elektrische Leitung zu einem elektronischen Empfangsgerät, welches es wiederum in eine mechanische Drehbewegung der Räder umwandelt. Wollen die Autobauer komplett auf eine mechanische Lenksäule verzichten, muss das elektronische Lenksystem zuverlässig und ausfallsicher funktionieren. Für den Fahrer eines Fahrzeuges wäre der Ausfall der Elektronik der Super-GAU, weil er nicht mehr, wie bei bisherigen Lenkhilfen, auf die mechanische Lenkung zurückgreifen könnte, sondern die Kontrolle über das Fahrzeug komplett verlieren würde. Schon heute statten die Autobauer ihre Autos mit jeder Menge Elektronik aus, etwa um Spiegel ein- und auszuklappen. Bisher waren es immer Anwendungen, die für den Fahrer keine unmittelbare Gefahr darstellen, wenn sie mal ausfallen sollten.


Das Gokart am IAS ist mit einem vollelektronischen Lenksystem ausgestattet. (Foto: Institut)
Das Gokart am IAS ist mit einem vollelektronischen Lenksystem ausgestattet. (Foto: Institut)

Das elektronische Lenksystem des Gokart am IAS ist nicht nur ausfallsicher, die Lenksignale kommen auch rechtzeitig bei den Rädern an – eine notwendige Bedingung im Straßenverkehr. Ein Student des Instituts hatte das Gokart im vergangenen Jahr im Rahmen seiner Diplomarbeit mit der neuesten Elektronik ausgerüstet, dem FlexRay-Bussystem. Es ist das Standard-System für eine Lenkung ohne Lenksäule, auf das sich die Automobilindustrie für den zukünftigen Einsatz im Auto geeinigt hat.

Das Fahrzeug dient nun für nachfolgende Studierende im Fachpraktikum „Automatisierungstechnik“ zu weiteren Experimenten. „Die Studierenden lernen, mit aktuellen Software-Entwicklungswerkzeugen und der neuesten Elektronik in der Automatisierungs-, Automobil- und Luftfahrtindustrie umzugehen“, sagt Institutsmitarbeiter Stephan Pech. Am Tag der Wissenschaft haben Besucher Gelegenheit, mit dem Gokart eine Runde zu drehen.
Helmine Braitmaier



Kontakt

Stephan Pech
Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik
Tel. 0711/685-67305
e-mail: stephan.pech@ias.uni-stuttgart.de


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