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Symposium zu Ehren von Schew-Ram Mehra – Neues Promotionskolleg

Lehmhütte oder Glasfassade?

„Lehmhütte oder Glasfassade? Die Herausforderung klimagerechten Bauens“ war der Titel eines Symposiums, zu dem am 6. April der Lehrstuhl für Bauphysik der Universität Stuttgart in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik geladen hatte. Abgehalten wurde es zum 60. Geburtstag von Prof. Schew-Ram Mehra, dem stellvertretenden Leiter des Lehrstuhls für Bauphysik und Leiter des Studiengangs „Master Online Bauphysik“. Erstmals wurde im Rahmen des Symposiums das Promotionskolleg „Climate – Culture – Building“ offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt.

Überall auf der Welt wird umwelt- und klimagerechtes Bauen immer wichtiger. Die bauphysikalischen Konzepte können aber nicht einfach von einer Klimazone auf die andere übertragen werden – unbehagliches Raumklima, hoher Energieverbrauch oder gar Bauschäden wären die Folgen. Prof. Klaus Sedlbauer, Inhaber des Lehrstuhls für Bauphysik an der Uni und Leiter des gleichnamigen Fraunhofer-Instituts nannte das klimagerechte Bauen daher auch „ein hoch spannendes Thema“ und „eine Herausforderung für das Bauwesen“. Miriam Hohfeld vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung stellte die Initiativen des Bundes zu nachhaltigem und innovativem Bauen vor. Sabine Djahanschah von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt erklärte, dass man aus den über Jahrhunderte erprobten passiven Klimatisierungsstrategien lernen kann, um mit heutigen technischen Möglichkeiten optimierte Lösungen zu entwickeln. Markus Zwerger von der Firma Sto wies unter anderem am Beispiel von Fassadendämmungen darauf hin, dass weltweit betrachtet der Schutz vor Wärme schwerer wiegt als der Schutz vor Kälte.


Ein Exkursionsziel des Lehrstuhls für Bauphysik: Die Festung Hisn Tamah in der Oase Bahla, seit 1987 Weltkulturerbe der UNESCO.         (Foto: LfP)
Ein Exkursionsziel des Lehrstuhls für Bauphysik: Die Festung Hisn Tamah in der Oase Bahla, seit 1987 Weltkulturerbe der UNESCO. (Foto: LfP)
Prof. Shew-Ram Mehra vor der thermographischen Aufnahme einer Wohnhausfassade.  (Foto: Fraunhofer/Bernd Mueller)
Prof. Shew-Ram Mehra vor der thermographischen Aufnahme einer Wohnhausfassade. (Foto: Fraunhofer/Bernd Mueller)

Promotionskolleg „Climate – Culture – Building“
Die moderne Architektur hat die von der traditionellen Architektur weltweit hervorgebrachten regionalspezifischen Bauten und Bauweisen zunehmend ignoriert. Heute nun fehlen Fachleute – Architekten, Bauingenieure –, die um die vielen Einflussparameter wissen, denen das klimagerechte sowie umwelt- und ressourcenschonende Bauen gerecht werden muss. Hilfe verspricht das „Promotionskolleg Climate – Culture – Building“, das im Oktober 2010 ins Leben gerufen wurde. Das europa- und weltweit einmalige Projekt ermöglicht es bis zu zwölf Doktoranden aus aller Welt, die Grundlagen des klimagerechten Bauens und deren Übertragbarkeit auf moderne Bauten zu erforschen. „Die erfolgreichen Absolventen werden bald selbst einen Beitrag für ihr Land leisten können, indem sie die Grundlagen des klimagerechten Bauens dort in die Praxis umsetzen“, erklärte Klaus Sedlbauer. Um die wissenschaftliche Koordination des Kollegs wie auch dessen inhaltlichen Schwerpunkte kümmert sich Schew-Ram Mehra, der betonte: „Wir müssen die traditionelle Architektur besser studieren, um daraus für das klimagerechte Bauen der Zukunft zu lernen, und es müssen insbesondere die Prinzipien des klimaangepassten Bauens in der Architektur und Bauingenieurausbildung verankert werden.“

„Führungskraft und Mentor“
Schew-Ram Mehra kam als 20-Jähriger aus Afghanistan nach Deutschland. An der RWTH Aachen studierte er Elektrotechnik, beschäftigte sich dann aber mit der Bauphysik –zuerst an der Universität in Essen, schließlich am heutigen Lehrstuhl für Bauphysik der Uni Stuttgart, den er stellvertretend leitet. Seit 2002 ist Mehra zudem Honorarprofessor an der Uni und Leiter des Studiengangs „Master Online Bauphysik“ (MOB). „Schew-Ram Mehra hat maßgeblich zum guten Ruf der Fakultät beigetragen“, hob Prof. Dr. Martin Kranert, der Dekan der Fakultät 2, hervor. Mehra, der „engagierte Kümmerer“ mit „kollegialer Art“ habe den neuartigen, berufsbegleitenden Studiengang durch die Tiefen der Bürokratie manövriert, zu dessen Erfolg beigetragen, und mit seiner Forschung um den mobilen Lärmschutz große Aufmerksamkeit erzielt. Seit 2008 ist die erste aufblasbare Lärmschutzwand für Baustellen kommerziell erhältlich, die, wie auch der Studiengang MOB, mit dem Preis „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde. „Öffentliches Lob ist nicht seine Stärke“, verriet Klaus Sedlbauer zu Beginn seiner Laudatio, fuhr aber dennoch fort: „Schew-Ram Mehra hat für die Bauphysik viel bewegt“, er bringe als Dozent die Dinge auf den Punkt, sei kein leichter, aber ein gerechter und unbestechlicher Prüfer, ein Praktiker durch und durch, engagiere sich in vielen Gremien und offenbare bei größeren Veranstaltungen sein Talent als Event-Manager: „Als ‚Führungskraft und Mentor’ hat Schew-Ram Mehra den Lehrstuhl begleitet und maßgeblich (mit)vorangebracht.“  Julia Alber



Kontakt

Prof. Shew-Ram Mehra
Lehrstuhl für Bauphysik
Tel. 0711/685-66232
e-mail: mehra@lbp.uni-stuttgart.de


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