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Jahresfeier der Universität Stuttgart

„Feuerwerk einer lebendigen Universität“

Wo sieht sich die Universität Stuttgart und wohin steuert sie? Die Jahresfeier 2010 bot den vielen Gästen aus Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie Mitarbeitern und Alumni die Möglichkeit zu einem regen Gedankenaustausch über diese Frage und weit mehr. Musikalisch umrahmte den Festakt der Akademische Chor der Universität Stuttgart. Unter der Leitung von Veronika Stoertzenbach begeisterten die Sängerinnen und Sänger mit Gioachino Rossinis „La passeggiata“ sowie einer grandiosen Inszenierung der „Chorschule“ aus Albert Lortzings Oper „Zar und Zimmermann“.

Redner als interessierte Zuhörer: Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel (links mit Gattin), Uni-Rats-Vorsitzender Dr. Siegfried Dais.             (Fotos: Hass)
Redner als interessierte Zuhörer: Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel (links mit Gattin), Uni-Rats-Vorsitzender Dr. Siegfried Dais. (Fotos: Hass)

Als wichtigsten Teil des zurückliegenden Akademischen Jahres sprach Uni-Rektor Wolfram Ressel in seiner Rede die Initiativen der Uni rund um die Exzellenzinitiative an. In einer von beeindruckenden Bildern untermauerten Präsentation zeigte der Rektor, dass die Wissenschaftler der Universität über die Landesgrenzen hinaus Furore gemacht haben: Der Exzellenzcluster Simulation Technology (SimTech) mit Arbeiten zur CO2-Speicherung im Boden, zur Druckbelastung der Bandscheiben oder zu tropfendynamischen Prozessen, mittels derer neue Formen der Wettervorhersage möglich werden. Gar „weltweit für Aufsehen“ gesorgt haben SOFIA, die einzige fliegende Sternwarte, die Erfolge der zwei studentischen Rennteams und nicht zuletzt die Uni-Beiträge zur EXPO in Schanghai – das Membrandach und das Riesenpendel im Deutschen Pavillon. Letzteres hat sogar die Bundesministerin für Bildung und Forschung in Schwung gebracht. „Ich habe das Frau Schavan gezeigt“, erinnerte sich Ressel, „und da gingen die Hüften hin und her – war das eine Stimmung.“ Viele Programme, viel Renommee und viele Preise kann die Uni vorweisen – „ein Indikator dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betonte der Rektor, und hob die 22 neu berufenen Professoren hervor, „das wichtigste Gut für die Uni“. Auch wirtschaftlich stehe die Universität gut da: Trotz der Finanzkrise gab es bei den Drittmitteln, die bei rund 150 Millionen Euro liegen, keinen Einbruch und die Erstzulassungen gehen in Richtung 5.000 Studienanfänger.

„Diese Uni lebt!“, sagte der Vorsitzende des Universitätsrats, Dr. Siegfried Dais, und ergänzte das Grußwort des Rektors: „Ein Feuerwerk einer lebendigen Universität“. Doch er legte auch die Finger auf die Wunde der Mittelkürzungen durch das Land. „Die fehlenden Gelder bleiben nicht ohne Folgen für Lehre und Forschung, und die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Fachgebiete macht es zudem schwer, übergreifende Ziele anzugehen.“ Mit Blick auf die Exzellenzinitiative betonte er, dass „Kraft und Schwung“ in die Uni gekommen seien. Auch Dr. Dieter Leicht, der Vertreter des Akademischen Mittelbaus, sprach von den Exzellenzanträgen als einem „schlüssigen Konzept“. Die Master- und Bachelor-Studiengänge gelte es aber noch auf Schwachstellen abzuklopfen. „Das Selbstverständnis der Studierenden hat sich geändert“, sagte der Studierendenvertreter Christoph Gmoser. Nach den Protesten Ende 2009 sehen sie sich nicht mehr als Konsumenten, sondern als Handelnde und sind seit Oktober 2010 mit mehr Stimmen im Senat vertreten. „Bildung und Forschung ohne Wettbewerb“ und einen konstruktiven Diskurs – „nicht gegeneinander, sondern miteinander“ – nannte Gmoser als Ziele.


Festredner Prof. Eicke R. Weber vom Fraunhofer ISE.
Festredner Prof. Eicke R. Weber vom Fraunhofer ISE.

In seinem Festvortrag sprach Prof. Eicke R. Weber – passend zum Wissenschaftsjahr der Energie – über „Das neue Ziel der Klimapolitik im Jahr der Energie: 100 Prozent regenerativ“. Nicht weniger stehe an, als die Sicherung der Zukunft des Planeten, betonte der Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Sein Mittel für erfolgreiche Klimaverhandlungen: Statt von CO2-Begrenzung von der Einführung regenerativer Energie reden. „Mit positiven Zielen ist es sogar möglich, in den USA Wahlen zu gewinnen, wenn diese wichtig für die Wirtschaft sind“, betonte Weber. Die einzige unendliche Energiequelle – die Sonne – stelle alle benötigte Energie zur Verfügung, und bald werde man wohl darüber diskutieren müssen, was man mit der von den Kernkraftwerken gelieferten Energie mache, wenn die regenerative Energie weiterhin ein so starkes Wachstum erfahre. „100 Prozent erneuerbare Energie sind technisch möglich“, gab Eicke Weber als Ziel für 2050 vor. Die Kosten seien zwar hoch, „aber was sind 100 Milliarden Euro, die in eine globale Maßnahme gesteckt werden?“


Begeisternd: Die „Chorschule“ aus der Oper „Zar und Zimmermann“.
Begeisternd: Die „Chorschule“ aus der Oper „Zar und Zimmermann“.

 

 

Die Jahresfeier der Universität bildete auch den richtigen Rahmen, um drei engagierte Persönlichkeiten auszuzeichnen. 

 

 


 

Für seine Verdienste um die Wissenschaft und die Umsetzung moderner Produktionsmethoden wurde Michael Mach, Produktionsvorstand von Volkswagen und zuvor Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, die Ehrendoktorwürde der Uni Stuttgart verliehen. Viele Kooperationen zwischen der Universität und Porsche sind auf sein Engagement zurückzuführen. Ehrenmedaillen nahmen entgegen Prof. Haybatolah Khakzar für sein Engagement als Lehrbeauftragter für Elektrotechnik und Informationstechnik an der Universität Stuttgart und die Förderung des internationalen Austauschs sowie Dr. Claus Dieter Hoffmann, der ehrenamtlich über viele Jahre Vorsitzender der Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart war.*)
Julia Alber

 

*) Die Geehrten stellte der unikurier in der Ausgabe 2/2010  vor.



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