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Senatsmitglied Tobias Haas studiert Mathematik und Physik

Vom Hörsaal ins blaue Nilpferd und zurück

Sein Handy hat er meist ausgeschaltet – zu oft störte es während Besprechungen. Gut erreichbar ist Tobias Haas trotzdem, hält er sich doch meist in der Nähe eines Computers auf, von dem aus er seine E-Mails abruft. Dieser viel Beschäftigte ist kein Manager, hat aber viel zu managen, nämlich zwei Diplomstudiengänge, Engagement in der Fachschaft Physik und als Senatsmitglied der FachschaftsVertreterInnenVersammlung (FaVeVe).

Vor neun Semestern hat alles „ganz harmlos“ angefangen. Tobias Haas hatte sein Abitur in der Tasche und die klare Vorstellung: Ein Physikstudium soll folgen. Informationen über mögliche Studienorte wurden eingeholt, Tage der offenen Tür genutzt und schließlich fiel die Entscheidung auf Stuttgart, da „diese Uni zu den größeren zählt und man zumindest ein wenig Stadtflair vorfindet“. Sich über ein Studium informieren ist das eine, es selbst erleben, etwas anderes – das erste Semester hat Tobias Haas geschockt: „Von morgens bis abends hatte ich an der Uni zu tun“, erinnert er sich, und „zum ersten Mal in meinem Leben musste ich richtig lernen“. Sowohl in der Quantität als auch in der Qualität war das Lernpensum nicht vergleichbar mit dem der Schule. „Ein wenig hatte ich daran aber auch selbst Schuld“, merkt Haas an, hatte er doch das Chemiepraktikum vorgezogen und besuchte Vorlesungen der Mathematiker. Im zweiten Semester war es dann zeitlich schon nicht mehr so eng – und kurzerhand belegte er einen Chinesisch-Kurs.

Menschen an der Universität
Tobias Haas ist zusammen mit drei Geschwistern in der Gemeinde Wurmlingen am Rande des Donautals aufgewachsen. Mathe und Physik sind ihm schon in der Schule leicht gefallen, Physik wählte er als Profilfach im Abitur. Seit dem ersten Semester an der Uni Stuttgart hat er eine Wohnung in Vaihingen. Der Wohnheim- oder WG-Typ sei er nicht, sein Arbeitsrhythmus stehe dem entgegen, meint Tobias Haas, der am E-Piano super entspannen kann. In seiner Freizeit geht er gerne joggen, schaut Filme am Computer an – einen Fernseher hat er nicht, liest Dante oder Nietzsche ebenso wie aktuelle Autoren und vertieft sich – im Original – mal in englisch-, mal in französischsprachige Bücher des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.
Ja


Zwei Studiengänge – zwei Diplome
Relativ früh entschied sich Tobias Haas, neben der Physik auch Mathematik auf Diplom zu studieren. Eine, wie er findet, logische Folge, denn „Mathe gehört einfach dazu“, und dies gelte umso mehr, da es ihm die Theoretische Physik angetan hat. Zu den heutigen Bachelor-Studiengängen könne er als „aussterbender Diplomdinosaurier“ nichts wirklich Qualifiziertes sagen, meint Haas. Mehr Mobilität, die Anerkennung von Studienleistungen zwischen den Hochschulen – die Ziele der Bologna-Reform kann er verstehen, teilweise scheint es ihm aber, als würde das Studium zur „staatlichen Berufsausbildung“, und „dies ist sicherlich nicht das, was ich in meinem Studium erlebt habe und was den Reiz des wissenschaftlichen Bildungsbereichs ausmacht“, betont Haas, der mit dem, was er angetroffen hat, ganz zufrieden ist: ein gutes Betreuungsverhältnis, ein breites Fächerangebot.
Aktuell bereitet er sich auf seine Abschlüsse vor. Zuerst wird er in der Physik Diplomprüfung und -arbeit in Angriff nehmen, anschließend in der Mathematik. „Vielleicht“, überlegt er, „könnte ich mein Diplomthema in der Physik so wählen, dass ich es in Teilen auch für die Mathematik nutzen kann?“. Sich 100 Prozent dem Studium widmen, wäre nun eigentlich angesagt, tatsächlich aber hat Tobias Hass sehr viel in der Fachschaft Physik wie auch in der FaVeVe zu tun. Das kam Schritt für Schritt: die EDV betreuen, sich um Wahlwerbung kümmern, bei den Rektorgesprächen mit dabei sein, von einem der hinteren Plätze auf der Senatswahl-Liste der FaVeVe auf einen vorderen rücken – und prompt saß er im Senat.
 



Im Senat sind seit dem Wintersemester 2010/2011 sieben Studentische Vertreter, darunter Tobias Haas

Aus der Fachschaft in den Senat

Allen Studierenden rät Haas, doch einfach mal bei ihrer Fachschaft vorbeizuschauen, sich und ihre Ideen einzubringen. „Die verschiedenen Demonstrationen haben viel Aufmerksamkeit erzielt, einiges bewirkt, und mit der Erinnerung daran lässt sich in der Zukunft sicherlich manches leichter erreichen“, sagt er. Etwas bewegen können, das begeistert ihn, sehen, was an der Uni weniger gut läuft und dann versuchen, es zu ändern. Aufpassen, was mit den Studiengebühren passiert, ist beispielsweise so ein Punkt. Nach der Neuregelung der Geschwisterregelung muss Tobias Haas diese zwar nicht mehr bezahlen, lehnt sie aber aus Prinzip ab. In der vorlesungsfreien Zeit Geld verdienen, das hat er schon zur Genüge praktiziert, und aus seinem Abiturjahrgang kennt er einige, die aufgrund der finanziellen Belastung auf ein Studium verzichtet haben.
Gut zwei Semester hat Haas sein Einsatz für die Studierenden der Uni Stuttgart bislang „gekostet“. Oft ist er im Hellblauen Nilpferd, dem Fachschaftsbüro auf dem Campus in Vaihingen anzutreffen. In rund vier Semestern wird er seine Diplome in Physik und Mathematik in der Tasche haben. Ob bei Bewerbungen seine längere Studienzeit negativ bewertet werden wird, ist ihm „eigentlich egal“. „Ich habe sehr viel durch mein Engagement in Fachschaft und FaVeVe gelernt“, konstatiert Haas und verweist etwa auf die allseits gefragten Soft Skills. Und dann ist da ja auch noch die Frage, ob es ihn überhaupt in ein Wirtschaftsunternehmen zieht oder ob er nicht vielleicht doch lieber in der Forschung bleiben will. Den Diplomen soll auf jeden Fall eine Promotion folgen, und seine ersten Versuche in der „Lehre“ – als HiWi bei den Mathe-Vorkursen – sind keineswegs negativ ausgefallen.
Julia Alber



Kontakt

Tobias Haas
Fachschaftsbüro Hellblaues Nilpferd
Tel. 0711/685-62003
e-mail: info@faveve.uni-stuttgart.de
 


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