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In memoriam

Edgar Muschelknautz

Untersuchungen und Berechnungen zum Verhalten von Ein- und Mehrphasenströmungen in der Verfahrenstechnik gehörten zu den verschiedenen Interessensgebieten und Leidenschaften des herausragenden Wissenschaftlers Edgar Muschelknautz, der im Dezember 2010 nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Geboren 1928 in St. Ulrich im Schwarzwald entwickelte Muschelknautz schon früh ein Interesse für die Zusammenhänge von Natur und Technik und begann ein Ingenieurstudium an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Nach dem Diplomexamen begann dort seine wissenschaftliche Karriere am Lehrstuhl für Aerodynamik und Strömungsmechanik von Prof. Walter Barth, wo er auch promovierte. Aus der nachhaltigen Zusammenarbeit ging die bekannte Zyklontheorie von Barth und Muschelknautz hervor, die auch heute noch eine Grundlage für die Auslegung von Zentrifugal-Staubabscheidern bildet. Nach seiner Promotion trat er 1959 in die Bayer AG ein und führte dort grundlegende und für die Praxis wichtige Arbeiten auf den Gebieten der Ein- und Mehrphasenströmung und Schüttguttechnik, der pneumatischen Förderung und Mischtechnik, der Zerkleinerung, der Staubabscheidung und der Partikelmesstechnik durch. Für die experimentell und theoretisch gelungenen Einblicke in den pneumatischen Partikeltransport erhielt Muschelknautz 1966 den Arnold Eucken Preis. Diese Grundlagenuntersuchungen mündeten schließlich 1983 in Versuchen im Schwerelosefeld auf einer Experimentierplattform, die erfolgreich bei den Spaceshuttleflügen STS 7 und 9 durchgeführt wurden. Bereits Anfang der 1970er Jahre wurde Prof. Muschelknautz Direktor des Entwicklungsbereichs bei der Bayer AG in Dormagen. Dort erarbeitete er wichtige Grundlagen zur Handhabung von Polymerschmelzen über den Spinnvorgang bis zur Faser. Als Mitglied in diversen Fachgremien, wie im VDI, in der DECHEMA und in der Deutschen Rheologischen Gesellschaft trieb er die Förderung der Zusammenarbeit von Hochschule und Industrie energisch voran.1983 nahm er den Ruf als Professor für Mechanische Verfahrenstechnik an die Universität Stuttgart an. Dort trieb er beispielsweise die Arbeiten zur Auslegung von Hohlkegeldüsen sowie die Auslegungsgrundlagen für hochbeladene Zyklonabscheider voran. Mit Edgar Muschelknautz verliert die internationale Fachwelt einen herausragenden Ingenieur und Wissenschaftler, der das Gebiet der mechanischen Verfahrenstechnik entscheidend geprägt hat.
Sebastian Muschelknautz



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