Zum Seitenanfang

In memoriam

Herbert Gassert

Am 17. Februar 2011 verstarb in Weinheim/Bergstraße
Dr.-Ing. Herbert Gassert, Ehrensenator der Universitäten Stuttgart, Heidelberg und Mannheim sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse. Der Sohn eines Bäckermeisters studierte von 1949 bis 1955 Maschinenbau an der Technischen Hochschule Stuttgart. Während dieser Zeit war er zwei Jahre lang Vorsitzender des Verbandes Deutscher Studentenschaften – sein Interesse für vieles außerhalb der Tagesarbeit kennzeichnet seinen Berufsweg.
Anfang 1956 wurde Gassert Wissenschaftlicher Assistent bei Ulrich Senger, seit 1948 Ordinarius für Thermische Strömungsmaschinen und Dampfkraftanlagen und Direktor des Maschinenlaboratoriums in der Fakultät Maschinenwesen, Abteilung Maschinenbau. Senger war 1940 bis 1948 Direktor bei Brown, Boveri & Cie (BBC) Mannheim und arbeite mit an der Herbitus-Anlage in München, des weltweit ersten Höhenprüfstandes für Turboflugtriebwerke. So war er die treibende Kraft, die Luftfahrt an der TH Stuttgart zu beleben: 1955 wurde die Abteilung Luftfahrttechnik wiedergegründet. Sengers Institut für Turboflugtriebwerke war eines der ersten der neuen Abteilung. Flugtriebwerke waren für die Nachkriegsgeneration der Ingenieure ein völlig unbekanntes Terrain. Gassert arbeitete sich in das Thema ein und verfasste das Manuskript zu Sengers Vorlesung „Grundlagen der Turboflugtriebwerke“ - wohl das erste seiner Art an einer deutschen Hochschule. Mit der Landesregierung war Senger einig geworden, an der TH einen Höhenprüfstand für Turboflugtriebwerke zu etablieren. Eine Planungsgruppe wurde eingerichtet, an der Gassert, neben seinen Verpflichtungen in der Lehre - Maschinenlabor als Pflichtfach für alle Maschinenbauer - mitarbeitete.
Sein Beitrag zur Forschung: Versuche an einer kleinen Dampfturbine des Instituts. Daraus entstand seine Dissertation „Betriebsverhalten einer Turbinenstufe bei veränderlichen Drehzahlen und Volumenströmen bis zu negativen Werten“. Dieses Thema war interessant für das Unternehmen BBC, wo er 1963 als Versuchsingenieur anfing. Gassert stieg schnell auf: 1967 Leiter der Abteilung Gasturbinen, 1970 Direktor des Geschäftsbereiches Thermische Maschinen und Turbogruppen, 1974 Generalbevollmächtigter, 1976 stellvertretendes, 1979 ordentliches Mitglied im Vorstand, Mitte 1980 dessen Vorsitzender. Nach der Fusion mit dem schwedischen Asea-Konzern schied Gassert 1987 aus dem Unternehmen aus und wechselte bis 1995 in den Aufsichtsrat.
Herbert Brandl



Zum Seitenanfang