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Das besondere Bild

Aggregat Architektur


(Foto: K. Dierichs/F. Fleissner/ Y. Liang)

Kristalle, eine neue Kakteenart oder futuristische Wäscheklammern? Falsch geraten. Das Bild zeigt ein Granulatsystem. Entstanden ist es in einer Kombination von Experiment und Simulation an den Instituten für Computerbasiertes Entwerfen (ICD) und für Technische und Numerische Mechanik (ITM) der Uni. Die Wissenschaftler untersuchen mit analogen und digitalen Methoden die Anwendungsmöglichkeiten von Aggregat-Systemen in der Architektur.
Aggregate sind bekannt aus natürlichen Systemen wie Sand oder Schnee. Sie sind definiert als große Mengen individueller Elemente, die miteinander in losem Kontakt stehen. In der Bauindustrie treten sie fast ausschließlich in gebundener Form in Beton auf. In ungebundenem Zustand – man spricht dann von einem Granulat – werden sie in der Architektur dagegen nur selten genutzt und sind dementsprechend wenig erforscht. Sie haben jedoch großes Entwicklungspotential, da granulare Systeme sich fortlaufend an veränderte interne und externe Bedingungen anpassen können.
Architektonische Systeme bilden im Regelfall ein festes Gefüge von Elementen, worin jedes Teil seinen bestimmten Ort hat, der planerisch genau zugeschrieben wird. Die Wissenschaftler des ICD und des ITM dagegen verstehen lose Ansammlungen von Elementen als ein selbständiges architektonisches System, in dem jedes Teil seinen Ort stets neu findet. Die Aufgabe des Gestalters ist es dabei, dieses Verhalten zu beobachten und entsprechend auf das System zu reagieren.
Diese Untersuchungen werden erst möglich durch spezielle Experimente und Simulationsreihen. Die Entwicklung der Computertechnologie eröffnet hier völlig neue Möglichkeiten und macht das Forschungsthema im Rahmen des computerbasierten Entwerfens besonders aktuell. Das am ITM entwickelte Simulationsprogramm Pasimodo erlaubt insbesondere das Modellieren von drei-dimensionalen Polyedern (vielflächigen Körpern), was aufgrund der zahlreichen Kontaktpunkte sehr rechenintensiv ist./uk



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