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Von der Humboldt-Stiftung ausgezeichnete Forscher zu Gast an der Uni

Von Strömung bis Umwelt

Jedes Jahr ermöglicht die Alexander von Humboldt-Stiftung herausragenden Forschern aus der ganzen Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. An die Universität Stuttgart hat es gleich zwei Humboldt-Forschungspreisträger gezogen. Drei Gastwissenschaftler an der Uni fördert die Humboldt-Stiftung mit je einem ihrer zahlreichen Stipendienangeboten.

Den mit 60.000 Euro dotierten Forschungspreis erhalten jährlich höchstens 100 international anerkannte Wissenschaftler. Mit dem Humboldt-Forschungsstipendium finanziert die Humboldt-Stiftung überdurchschnittlich qualifizierten Forschern aus dem Ausland mit eigenständig wissenschaftlichem Profil einen bis zu 18 Monate dauernden Forschungsaufenthalt. Die Bundeskanzlerstipendien ermöglichen jährlich zehn künftigen Führungskräften aus den USA, der Russischen Föderation und China einen einjährigen Forschungsaufenthalt. Die Mittel hierfür stammen vom Auswärtigen Amt. Erstmals 2010 hat die Stiftung die Klimaschutzstipendien aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums vergeben. Bis zu zwanzig Nachwuchsführungskräfte aus außereuropäischen Schwellen- und Entwicklungsländern können ein Jahr lang ein Projekt im Bereich Klima- und Ressourcenschutz in Kooperation mit einem deutschen Gastinstitut durchführen.

Die Humboldt-Forschungspreisträger


Dan S. Henningson
Dan S. Henningson

Prof. Dan S. Henningson von der Königlich Technischen Hochschule Stockholm ist international renommiert für seine herausragende Forschung zum Umschlag laminarer in turbulente Strömung. Dafür würdigte ihn die Alexander von Humboldt-Stiftung mit dem Humboldt-Forschungspreis. Der Maschinenbau-Ingenieur und sein Team entwickelten zum Beispiel Methoden, mit denen sie am Computer komplexe Strömungen in Flüssigkeiten simulieren konnten. Durch die numerischen Modelle verstehen Ingenieure nun besser, wo und wodurch Wirbel und Turbulenzen in der Strömung entstehen und wie sie beeinflusst werden können. Im April war der Schwede Gast des Instituts für Aerodynamik und Gasdynamik der Universität Stuttgart, wo er einen Teil seines Preisgeldes nutzte, um Strömungen in der Luftfahrt zu untersuchen. Die Erkenntnisse können Flugzeugbauer nutzen, um bei Flugzeugen den Widerstand der Tragflügel gegenüber den hohen Strömungsgeschwindigkeiten zu verringern.

KONTAKT

Apl. Prof. Ulrich Rist
Institut für Aero- und Gasdynamik
Tel. 0711/685-63432
e-mail: rist@iag.uni-stuttgart.de


Seyed Majid Hassanizadeh
Seyed Majid Hassanizadeh

Er gilt als Pionier in der Erforschung poröser Medien: Prof. Seyed Majid Hassanizadeh von der Universität Utrecht entwickelte grundlegende Methoden, um Mehrphasenströmungen und Transportprozesse in porösen Medien zu beschreiben. Poröse Materialien kommen zum Beispiel als dünne Schichten oder Übergangszonen in Brennstoffzellen vor, zwischen Atmosphäre und Untergrund oder grenzen die Blutbahn vom umliegenden Gewebe ab. Bereits 2008 hat die Universität dem gebürtigen Iraner die Ehrendoktorwürde verliehen. Von Mitte Februar bis Ende des Jahres ist der jetzige Humboldt-Forschungspreisträger zu Gast an den Instituten für Wasserbau und Mechanik (Bauwesen), die beide am Exzellenzcluster SimTech beteiligt sind. Dort entwickelt Hassanizadeh neue Ansätze, die es erlauben, die Strömungs- und Transportprozesse in den dünnen porösen Schichten nach den Gesetzen der Kontinuumsmechanik zu betrachten.

KONTAKT

Prof. Rainer Helmig
Institut für Wasserbau
Tel. 0711/685-64741
e-mail: Rainer.Helmig@iws.uni-stuttgart.de

Prof. Wolfgang Ehlers
Institut für Mechanik (Bauwesen)
Tel. 0711/685-66345
e-mail: ehlers@mechbau.uni-stuttgart.de


Die Humboldt-Stipendiaten


Piotr Sniady
Piotr Sniady

Im Leben von Piotr Sniady dreht sich im Moment alles um abstrakte Symmetrien und seinen acht Monate alten Sohn. Der Mathematikprofessor an der Universität Breslau und an der Polnischen Akademie der Wissenschaften weilt von Februar 2011 bis August 2012 als Humboldt-Forschungsstipendiat für erfahrene Wissenschaftler unter anderem am Institut für Algebra und Zahlentheorie der Uni. Sein Interesse gilt der asymptotischen Darstellungstheorie. Damit untersuchen Mathematiker Systeme mit unendlich vielen abstrakten Symmetrien und deren konkrete Formen als Symmetrien geometrischer oder kombinatorischer Strukturen. Sniady erforschte bisher, wie die Darstellungstheorie mit der Theorie der Zufallsmatrizen zusammenhängt, die das Verhalten mehrerer verschiedener Objekte korrekt vorherzusagen scheint. Zusammen mit den Stuttgarter Kollegen will der Mathematiker sogenannte Jack-Polynome mit anscheinend idealen Symmetrien erforschen.

KONTAKT

Prof. Steffen König
Institut für Algebra und Zahlentheorie
Tel. 0711/685-65297
e-mail: steffen.koenig@mathematik.uni-stuttgart.de


Bing-Wan
Bing-Wan

Bereits seit September 2010 befindet sich mit Bing Wan ein ausgezeichneter Nachwuchsforscher am Lehrstuhl für Hydromechanik und Hydrosystemmodellierung des Instituts für Wasserbau. Der 31-jährige Chinese erhielt eines der zehn vergebenen Bundeskanzler-Stipendien. Noch bis Ende August analysiert der Betriebswirt an der Universität Stuttgart und bei der Siemens AG in München die chinesisch-deutschen Geschäftsmöglichkeiten im Bereich der Umwelttechnologien. Er untersucht bereits existierende Bewertungsverfahren für die Emission von CO2 in Deutschland – ein Gebiet, auf dem der Lehrstuhl für Hydromechanik und Hydrosystemmodellierung über eine langjährige Expertise verfügt. Diese Verfahren passt er an die Bedingungen in China an, um sie dort lokalen Interessenten näher zu bringen.

 

KONTAKT

Prof. Rainer Helmig
Institut für Wasserbau
Tel. 0711/685-64741
e-mail: Rainer.Helmig@iws.uni-stuttgart.de


Kristy Pena Munoz
Kristy Pena Munoz

Die Mexikanerin Kristy Peña Muñoz hat eines der 20 neu geschaffenen Internationalen Klimaschutzstipendien bekommen. Die Absolventin des internationalen Masterprogramms WASTE ist im Oktober 2010 an die Universität Stuttgart zurückgekehrt und forscht seither als Stipendiatin am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft. Noch bis September untersucht die Umweltingenieurin am Lehrstuhl von Prof. Heidrun Steinmetz, wie Bakterien organische Stoffe in Abwasser und Klärschlamm noch effizienter zu Bio-Wasserstoff vergären können – ein Thema, das schon seit Jahren am Lehrstuhl verankert ist. Im Labor nimmt Peña Muñoz den zweistufigen Abbauprozess durch Wasserstoff- und später Methan-produzierende Bakterien unter die Lupe. Dadurch wird nicht nur das Klima geschont, weil weniger Treibhausgase frei werden. Zusätzlich können Wasserstoff und andere Biogase energetisch genutzt werden.

KONTAKT

Prof. Heidrun Steinmetz
Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft
Tel. 0711/685-63723
e-mail: heidrun.steinmetz@iswa.uni-stuttgart.de



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