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Studierende engagieren sich in Krisengebieten

Mit Bildung die Welt verändern

Ganze Landstriche liegen nach einem Krieg in Ruinen, an ein Studium ist kaum zu denken. Oft fehlt es nach Jahren des Terrors an qualifizierten Lehrkräften, der notwendigen Ausstattung an Bibliotheken, Computern und Unterrichtsmaterialien oder schlicht an den finanziellen Mitteln. Der gemeinnützige Verein „Studieren ohne Grenzen“ hilft jenen, die gewöhnlich durch das Raster großer Entwicklungsorganisationen fallen: bedürftige und talentierte junge Menschen, denen ein Studium sonst verwährt bleiben würde. Auch an der Universität Stuttgart ist der Verein mit einer Gruppe vertreten.

„Bildung ist die mächtigste Waffe, die wir nutzen können, um die Welt zu verändern“, soll Nelson Mandela mal gesagt haben. Es ist zugleich das Motto der über 600 meist studentischen Vereinsmitglieder an derzeit 14 Hochschulstandorten. In den kongolesischen Städten Kindu und Mweso ermöglicht „Studieren ohne Grenzen“ derzeit 70 Schulabgängern mit Hilfe eines Stipendiums ein Studium – ein Privileg, das normalerweise nur der Macht- und Geldelite vorbehalten ist. Für die jungen Menschen und Studierenden in Kindu will der Verein einen Computerraum und eine Bibliothek einrichten. Die zweite Region, auf die sich der Verein konzentriert, ist Tschetschenien. Seit der Gründung des Vereins im Jahr 2006 haben drei Studierende mit finanzieller Unterstützung von „Studieren ohne Grenzen“ ein Studium in Deutschland begonnen. Dafür arbeitet der Verein mit Nicht-Regierungs-Organisationen vor Ort zusammen.


Die Stipendiatin Gracia aus Kindu gibt jungen Müttern Lese- und Schreibunterricht. (Foto: Felix Weth)
Die Stipendiatin Gracia aus Kindu gibt jungen Müttern Lese- und Schreibunterricht. (Foto: Felix Weth)

Schon vor dem Studium machen sich die Stipendiaten Gedanken darüber, wie sie helfen können, die zerstörten Strukturen in ihrem Land wieder aufzubauen, indem sie ihr Wissen weitergeben. Für das Stipendium bewerben sie sich bereits mit einem konkreten Projekt. Die Stipendiaten geben beispielsweise Schülern Nachhilfeunterricht, bringen Analphabeten Lesen und Schreiben bei oder zeigen den Bauern, wie Mais und Maniok effektiver angebaut werden kann. Für ihr soziales Engagement erhielten die Vereinsmitglieder im Oktober 2010 den mit 2.500 Euro dotierten Studentenwerkspreis „Studierende für Studierende“.
„Es sind Menschen, die wie wir auch studieren und denen wir direkt helfen können, anstatt an eine anonyme Entwicklungshilfeorganisation zu spenden“, sagt Isabel Schestak, die im vierten Semester Technische Biologie an der Uni Stuttgart studiert. Besonders schätzt die Lokalkoordinatorin der Stuttgarter Gruppe den persönlichen Kontakt zu den Stipendiaten: „Wir erleben, wie hochmotiviert die Bewerber sind, die Situation in ihrem Land zu ändern, und erfahren sofort, wenn Gelder mal nicht ankommen sollten“. Während der Vorlesungszeit treffen sich die 18 Mitglieder der Stuttgarter Gruppe, von denen 16 an der Uni Stuttgart studieren, immer montags um 19 Uhr im Kollegiengebäude II. Sie organisieren Podiumsdiskussionen, Wanderausstellungen, Spendenläufe oder auch mal ein Benefizkonzert, um auf die Krisenregionen aufmerksam zu machen. Mit den Spenden soll die Vision von „Studieren ohne Grenzen“ Wirklichkeit werden: „Durch Bildung Frieden und Entwicklung fördern“.
Helmine Braitmaier



Kontakt

Isabel Schestak
Studieren ohne Grenzen e.V.
e-mail: isabel.schestak@studieren-ohne-grenzen.org
http://www.studieren-ohne-grenzen.org


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