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Lernfabrik für advanced Industrial Engineering > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > >

Virtuell, real und ganz flexibel

Am 11. Juni fiel in der Versuchshalle des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) in der Nobelstraße 12 der große schwarze Vorhang für ein neues, „einmaliges Stück“ – die Lernfabrik für advanced Industrial Engineering (aIE), der Grundbaustein eines exzellenten nachuniversitären Aus- und Weiterbildungskonzepts für Manager, Planer und Gestalter von Produktionsprozessen.

Roboterarme hinter Sichtschutzfenstern und Förderbänder, auf denen Schritt für Schritt die nierenförmige Grundplatte eines Schreibtischaccessoires bestückt wird mit Uhr, Leselampe und Becher. Groß ist die Modellfabrik nicht, die sich den rund 150 Gästen der Eröffnungsveranstaltung präsentierte, und das Angebot ist überschaubar. Doch darauf kommt es auch gar nicht an. Entscheidend ist die Flexibilität, mit der hier auf Kundenwünsche reagiert werden kann, und entscheidend ist der „virtuelle Zwilling“ der Modellfabrik, der hinter dieser reibungslosen Wandlungsfähigkeit seines physischen Doppels steht.

Turbulenzen gekonnt begegnen

Die Idee zur Lernfabrik wurde an der Uni Stuttgart im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Wandlungsfähige Unternehmensstrukturen für die variantenreiche Serienproduktion“ in Zusammenarbeit mit der Uni Mannheim geboren. Neben dem IFF waren Institute der Betriebswirtschaftslehre, der Informatik und weitere Institute des Maschinenbaus beteiligt. „Für die Existenzsicherung und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ist es unerlässlich, dass die Produktionsplaner und Fabrikorganisatoren lernen, wie Turbulenzen auf dem Markt schnell ausgeglichen werden können, ohne die Produktion zu behindern“, erklärte Prof. Engelbert Westkämper, Leiter des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb der Uni Stuttgart. Werden die Arbeits- und Prozessplanung mit Werkzeugen der digitalen Fabrik sowie mit modularen Produktionssystemen verknüpft, so macht dies Unternehmen wandlungsfähig – und genau dies bietet die Lernfabrik für advanced Industrial Engineering.

Die Lernfabrik ist ein Zwilling. Da gibt es den realen, physischen Teil, die Modellfabrik und den virtuellen Teil mit seinen Lerninseln. Methoden und Instrumente können so zunächst in Teamarbeit im digitalen Lernumfeld simuliert werden, bevor deren reale Umsetzung in der Modellfabrik erfolgt. Für die Planer bedeutet dies: Mehr Effektivität, mehr Effizienz, mehr Sicherheit und zudem Reproduzierbarkeit, da die einmal erfassten Daten eines Planungsschrittes durchgängig weitergeleitet und wiederverwendet werden können.
 
 

ein Detail der Lernfabrik

 
Prof. Wolfram Ressel (rechts) gratuliert dem neuen Ehrendoktor Reint de Boer

Die Lernfabrik – hier ein Detail – ist in der deutschen Forschungslandschaft einzig-artig.                                                       (Foto: IFF)

Von der Grundlagenforschung direkt in die Praxis

Angesichts der Tatsache, dass mit der Lernfabrik – bislang einzigartig in der deutschen Forschungslandschaft – ein Transfer direkt von der Grundlagenforschung in die Praxis erfolgt, sprach Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel von einem „außerordentlichen Weiterbildungskonzept“, das er zugleich auch als einen „weiteren Baustein im Exzellenzkonzept“ der Hochschule sieht. Dieser Baustein ist inzwischen genehmigt. Am 19. Oktober wurde bekanntgegeben, dass die Uni Stuttgart bei der bundesweiten Exzellenzinitiative mit ihrem Antrag einer Graduiertenschule zu intelligenten Produktions- und Fertigungstechniken (Advanced Manufacturing Engineering) erfolgreich*) war und diese nun für fünf Jahre gefördert wird. Die 1,5 Millionen zur Finanzierung der Lernfabrik haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Land, die Wirtschaft und die Uni selbst aufgebracht. Projektpartner sind die MTM-Bundesvereinigung, der REFA Bundesverband und die Festo Didactic GmbH & Co. KG. Weitere Kooperationspartner wie Delmia, PTC Parametric Technology GmbH, PSI AG und die Siemens AG unterstützen die Lernfabrik, indem sie Systeme und Produkte zu besonderen Konditionen zur Verfügung stellen.

The European Institute of Technology

Es sei von großer Bedeutung, Forschungsergebnisse rasch umzusetzen, betonte Dietrich Birk, Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, und lobte die Uni Stuttgart als darin „einzigartig“, Ergebnisse voranzutreiben, die sich aus der Synergie zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ergeben. Im Oktober wird eine Pilotgruppe mit zwölf Teilnehmern das didaktische Modell der Lernfabrik testen, die professionelle Vermarktung der Kurse soll in einem Jahr starten. Das Interesse von Seiten der Unternehmen ist groß, sind doch die bisherigen Weiterbildungsmaßnahmen für die Anforderungen aus der Praxis nicht mehr ausreichend. Die Lernfabrik wird auch zu einer Forschungsplattform für die wissenschaftlichen Mitarbeiter am IFF werden und in die Ausbildung der Studierenden eingebunden. Langfristig ist geplant, die Lernfabrik in ein europäisches Gesamtkonzept, „The European Institute of Technology“, zu integrieren.

Neben Demonstrationen an den digitalen Lerninseln und in der realen Modellfabrik gab es für die Gäste am Tag der Einweihung auch Vorträge von Projekt- und Kooperationspartnern des IFF. So sprach unter anderen Prof. Francesco Jovane aus Mailand über die „European Manufuture Initiative“, Dr. Theodor Niehaus von der Festo Didactic GmbH berichtete von „iTRAME – praxisorientierte Lernplattform für advanced Industrial Engineering“ und Prof. Erich Zahn vom Betriebswirtschaftlichen Institut der Uni Stuttgart ging ein auf das „Strategische Lernen – Herausforderung für fortschrittliche Produktionsunternehmen“.

Julia Alber

 

*) Mehr zur Exzellenzinitiative, bei der die Universität Stuttgart mit zwei Projekten erfolgreich war, finden Sie auf Seite 8.

 

 

KONTAKT

 
                                                                      
Prof. Engelbert Westkämper
Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF)
Nobelstraße 12
Tel. 0711/970-1100
Fax 0711/970-1220
 > > > www.iff.uni-stuttgart.de
 > > > www.lernfabrik-aie.de

 
 
last change:20.12.2007/ yj
Pressestelle der Universität Stuttgart