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Keine Angst vor Sektorkopplung – Weg frei für den Umstieg auf erneuerbaren Strom

Nr. 107 vom 19. Dezember 2016

Wintererhebung 2016 des Energieeffizienz-Index EEI

Eine gute Nachricht für die Umwelt: Über ein Drittel der befragten deutschen Unternehmen können sich vorstellen, in ihrer Produktion fossile Energieträger vollständig durch Strom zu ersetzen. In den Branchen Maschinenbau und Pharma gilt das sogar für die Hälfte. Dies hat die Wintererhebung des Energieeffizienz-Indexes EEI ergeben. Das Institut für Energieeffizienz in der Produktion EEP der Universität Stuttgart erfragt seit 2013 halbjährlich aktuelle und geplante Aktivitäten der deutschen Industrie zur Energieeffizienz – in Zusammenarbeit unter anderem mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Fraunhofer IPA und dem TÜV Rheinland.

Unternehmen haben keine Angst vor der Elektrifizierung und können sich vorstellen umzusteigen. Werden bestehende Kostennachteile kompensiert, wären sogar 56% der Unternehmen bereit, auf fossile Energieträger zu verzichten (Bild 1). Allerdings sehen weiterhin 40% wegen der Versorgungssicherheit oder aus prozesstechnischen Gründen hier keine Möglichkeit.

Bild 1 – Können Sie sich vor-stellen, die fossilen Energieträger in Ihrem Unternehmen vollständig durch Strom zu ersetzen? (Anzahl der Antworten 823)

„Insgesamt ist aber die Ausgangslage für die im Grünbuch Energieeffizienz der Bundesregierung empfohlene Kopplung von Energiesektoren überraschend positiv“, so Prof. Alexander Sauer, Leiter des EEP, „eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist jedoch eine massive Steigerung der Energieeffizienz.“

Maßnahmenumsetzung meist erfolgreich - Engagement der Mitarbeiter bringt’s doppelt!
Über 60% der Unternehmen sind zufrieden mit dem Ergebnis ihrer zuletzt durchgeführten Energieeffizienzmaßnahmen (Bild 2). Besonders interessant: In Unternehmen, bei denen von Mitarbeitern vorgeschlagene Maßnahmen Berücksichtigung finden, laufen doppelt so viele Effizienzprojekte „besser als gedacht“ als bei denen, die von oben/vom Management kommen: Es lohnt sich also, auf die Mitarb�eiter zu hören und ihr Engagement zu honorieren.

Bild 2 – Das Ergebnis von in meinem Unternehmen zuletzt durchgeführten Energieeffizienzmaßnahmen ist … (Teilnehmer = 833)

 Bild 3 – Kennen Sie mögliche Maßnahmen zur Effizienzsteigerung? (Teilnehmer = 848)

Kommunikation und Information bleiben wichtig
„Deutschland macht’s effizient, die aktuelle Informationskampagne des Bundeswirtschaftsministeriums, ist richtig und bleibt weiterhin enorm wichtig“, so EEP-Leiter Professor Alexander Sauer, „Unwissenheit scheint nämlich immer noch ein großes Hemmnis zu sein.“ Über alle Branchen gerechnet kennen etwa drei Viertel der befragten Unternehmen den Standby-Verbrauch ihrer Produktionsanlagen nicht (Bild 3). Ein Viertel aller befragten Unternehmen kennt so gut wie keine möglichen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und über die Hälfte kennen nicht ausreichend viele. Mit der Erfahrung steigt jedoch auch der Erfolg: Je mehr Maßnahmen ein Unternehmen kennt und durchführt, desto positiver wird deren Ergebnis eingeschätzt.

EEI sinkt weiter und Aussicht bleibt trüb
Seit der letzten Wintererhebung ist der Energieeffizienz-Index (bestehend aus den Teilindices Bedeutung, Investition und Produktivität) zweimal in Folge gesunken (Bild 4). „Während die Weltgemeinschaft in Sachen Energie und Klimaziele eine Fülle von Aktivitäten entwickelt, tritt die deutsche Wirtschaft offenbar eher auf die Bremse“, so Prof. Alexander Sauer, „auch die Erwartungen für die kommenden 12 Monate bleiben hinter der aktuellen Einschätzung zurück.“

 Bild 4 – Der gesamte Energieeffizienz-Index EEI ist von 1,8 auf 1,5 gefallen (Teilnehmer = 473)

Alle Bilder downloadbar unter: www.eep.uni-stuttgart.de
Mehr Informationen zum Energieeffizienz-Index: www.eep.uni-stuttgart.de/eei

Pressekontakt
Dr. Birgit Spaeth, Pressestelle, EEP – Universität Stuttgart, Nobelstr. 12, D-70569 Stuttgart, Tel: +49 (711) 970-1810, birgit.spaeth@eep.uni-stuttgart.de

Fachlicher Kontakt
Dipl.-Wi.-Ing. Diana Wang, Projektleiterin Energieeffizienz-Index, EEP – Universität Stuttgart, Nobelstr. 12, D-70569 Stuttgart, Tel: +49 (711) 970-3839, diana.wang@eep.uni-stuttgart.de

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