Raus aus der Forschung, rein in die Selbstständigkeit: Diesen Weg verfolgen derzeit zwei Nachwuchswissenschaftler der Universität Stuttgart. Seit dem 1. Februar 2011 werden Johannes Eckstein und Dr. Daniela de Oliveira Maionchi aus Mitteln des EXIST-Gründerstipendiums gefördert. Ihre Geschäftsidee klingt vielversprechend, gerade weil sie damit auf dem deutschen Markt Vorreiter sind. So wollen sie Simulationen von Mehrkörpersystemen (das sind komplexe mechanische Systeme) mit partikeldynamischen Simulationen koppeln und dies Kunden aus der Industrie als Dienstleistung anbieten. Entscheidende Impulse für eine erfolgreiche Unternehmensgründung erhalten die beiden durch ihre Zusammenarbeit mit dem „Stuttgart Research Centre for Simulation Technology“ (SRC SimTech) und dem Institut für Technische und Numerische Mechanik (ITM)." />

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Gekoppelte Simulationen als Geschäftsidee

Nr. 15 vom 17. Februar 2011

Stuttgarter Forscher erhalten Gründerstipendium

Raus aus der Forschung, rein in die Selbstständigkeit: Diesen Weg verfolgen derzeit zwei Nachwuchswissenschaftler der Universität Stuttgart. Seit dem 1. Februar 2011 werden Johannes Eckstein und Dr. Daniela de Oliveira Maionchi aus Mitteln des EXIST-Gründerstipendiums gefördert. Ihre Geschäftsidee klingt vielversprechend, gerade weil sie damit auf dem deutschen Markt Vorreiter sind. So wollen sie Simulationen von Mehrkörpersystemen (das sind komplexe mechanische Systeme) mit partikeldynamischen Simulationen koppeln und dies Kunden aus der Industrie als Dienstleistung anbieten. Entscheidende Impulse für eine erfolgreiche Unternehmensgründung erhalten die beiden durch ihre Zusammenarbeit mit dem „Stuttgart Research Centre for Simulation Technology“ (SRC SimTech) und dem Institut für Technische und Numerische Mechanik (ITM).
Johannes Eckstein und Daniela de Oliveira Maionchi
Was passiert, wenn man Flüssigkeiten in Verpackungen abfüllt? Wie interagieren Räder von Kraftfahrzeugen mit dem von ihnen befahrenen Weg? So einfach diese Fragestellungen erscheinen, so komplex und rechenintensiv sind die Anforderungen an eine Computersimulation, um hierauf zuverlässige Antworten zu geben. Aus Zeit- und Kostengründen, aber auch aufgrund des fehlenden Know-hows werden in der industriellen Praxis zur Lösung solcher Problemen häufig Modelle und Verfahren eingesetzt, mit denen man keine zufriedenstellenden Ergebnisse erhält. Hier setzen Johannes Eckstein und Daniela de Oliveira Maionchi an. „Wir koppeln Mehrkörpersimulationen mit Partikelsimulationen“, erklärt der 29-jährige Ingenieur den Dienstleistungsansatz des Gründungsvorhabens und ergänzt: „Die von uns errechneten Simulationen liefern sehr viel realistischere Ergebnisse als heute in der Industrie üblich.“
 
Dafür verwenden sie zwei Softwaretools, deren Berechnungen sie mithilfe eines von ihnen entwickelten Moduls in einer gemeinsamen Simulation zusammenführen. Neben der kommerziellen Software Simpack, deren Nutzung ihnen von der gleichnamigen Betreiberfirma während der Gründungsphase kostenlos zur Verfügung gestellt wird, setzen Eckstein und seine Partnerin das Programm Pasimodo ein. Entwickelt wurde die Partikelsimulationssoftware an dem von SimTech-Forschungsleiter Prof. Peter Eberhard geleiteten ITM. Überhaupt sind die beiden Existenzgründer am ITM und im SRC SimTech fest verankert. Die gebürtige Brasilianerin de Oliveira Maionchi kam vor vier Jahren im Rahmen eines Gastaufenthaltszum ITM, Eckstein arbeitete bereits seit 2006 als Student am Institut. Vom ITM kommen mit Prof. Eberhard und Prof. Peter Meinke auch ihre beiden Mentoren. Mit dem SRC SimTech schließlich besteht eine intensive Kooperation, die auf dem interdisziplinären Austausch mit den zahlreichen Fachleuten des in das Forschungszentrum eingegliederten Exzellenzclusters fußt.
Die Erfolgsaussichten für eine Unternehmensgründung in knapp neun Monaten stehen gut. Besetzen Eckstein und de Oliveira Maionchi doch ein Geschäftsfeld, in dem sie derzeit auf dem deutschen Markt noch konkurrenzlos sind. Ein Grund hierfür sind die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Rechenleistungen. „Die Durchführung von solch gekoppelten Simulationen, wie wir sie anbieten wollen, ist erst seit kurzem wirtschaftlich sinnvoll realisierbar“, sagt die promovierte Physikerin, die zuletzt als Projektleiterin am „Automotive Simulation Center Stuttgart“ tätig war.
 
Ein weiterer Faktor für einen erfolgreichen Markteintritt Ende 2011 könnten die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der von ihnen angebotenen Simulationen sein. So können potenzielle Kunden genauso aus der Automobil- oder Eisenbahnindustrie kommen wie aus der Verfahrenstechnik oder der Luft- und Raumfahrt. Gute Kontakte zu Vertretern der Wirtschaft versprechen sich die Gründer indes von ihrer Zusammenarbeit mit dem an das SRC SimTech angebundene Industrial Consortium SimTech e.V. In diesem vernetzen sich führende Simulationsforscher und -entwickler der Region Stuttgart mit den Anwendern der entsprechenden Software, um Erfahrungen auszutauschen und Entwicklungstrends anzustoßen.
 
Weitere Informationen und Interviewanfragen bei Felix Jansen (SRC SimTech), Tel. 0711/685-60097, E-Mail: felix.jansen@simtech.uni-stuttgart.de, www.simtech.uni-stuttgart.de
 
Über SimTech:
Die Universität Stuttgart war mit dem Exzellenzcluster „Simulation Technology“ (SimTech) im November 2007 beim Wettbewerb der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder erfolgreich, die auf Bundesebene von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) betreut wird.
 
Der Exzellenzcluster SimTech ist zentraler Kern des „Stuttgart Research Centre for Simulation Technology“ (SRC SimTech), das die Universität Stuttgart bereits im April 2007 mit hochschuleigenen Mitteln eingerichtet hat. Der SRC SimTech ist ein Querschnittszentrum und damit ein verbindendes Element zwischen den Fakultäten. Im Cluster werden die vielfältigen Expertisen der Universität Stuttgart auf dem Gebiet der Simulationstechnologien gebündelt und weiterentwickelt. Damit soll Stuttgart nachhaltig als international führender Standort auf diesem Gebiet positioniert werden.
 
Neben der breit angelegten Grundlagenforschung, dem Lehrbetrieb mit eigenen Studiengängen und einer Graduiertenschule mit mehr als 80 Doktoranden wird auch der Transfer in die industrielle Anwendung gefördert. Namhafte Firmen, darunter Daimler und Bosch, unterstützen SimTech ideell und finanziell.
 

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