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Geisteswissenschaft trifft Informatik

Digital Humanities

Digital Humanities gehören zu den Forschungs-Highlights der Universität Stuttgart. Sie sind ein innovatives Forschungsfeld an den Schnittstellen von Geistes-, Sozial- und Computerwissenschaften, in dem qualitative und quantitative Methoden zusammengebracht werden.

Geist und Maschine

Projekte der DH zielen darauf, komplexe Forschungsergebnisse zugänglicher zu machen und neue geisteswissenschaftliche Forschungsgebiete zu erschließen, die mit bisherigen Methoden schwer erforschbar waren. In enger interdisziplinärer Zusammenarbeit nutzen sie nicht nur statistische Methoden, sondern auch Programmierung und Visualierung, um bislang nur schwer erforschbare Bereiche der Geisteswissenschaften zugänglich zu machen, wobei der Analyse großer Datenmengen gesteigerte Bedeutung zukommt.

In Stuttgart stehen zur Zeit vor allem Methoden der quantitativen Textanalyse sowie deren Reflexion und Evaluation in Bezug auf traditionell qualitative Fragestellungen im Zentrum der Arbeit. Weitere Schwerpunkte bilden innovative digitale Editionsmethoden sowie die geistes- und sozialwissenschaftliche Erforschung digitaler Artefakte.

Durch ihre interdisziplinäre Ausrichtung eignen sich die DH in besonderer Weise zur Verfolgung des strategischen Ziels 'Vernetzte Disziplinen (Stuttgarter Weg)' der Universität Stuttgart, da sich durch die Zusammenarbeit der komplementären Fachdisziplinen in den DH einzigartige Möglichkeiten eröffnen, neue Fragen zu stellen und gemeinsam Antworten zu entwickeln.

 (c) Splitshire

Digital Humanities in Stuttgart

Die Digital Humanities haben an der Universität Stuttgart eine lange Tradition. Davon zeugen nicht zuletzt der seit 1988 eingerichtete SFB 340 „Sprachtheoretische Grundlagen für die Computerlinguistik“ und der SFB 732 "Incremental Specification in Context" (ab 2006). Seit dem Wintersemester 2015/16 wurden nun auch ein eigener Masterstudiengang 'Digital Humanities' sowie eine entsprechende Professur mit zugehöriger Abteilung am Institut für Literaturwissenschaften eingerichtet.

Die Digital Humanities in Stuttgart profitieren von der Kooperation mit zahlreichen standortnahen externen Partnern wie etwa dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und der Universität Tübingen.

Innerhalb der Universität Stuttgart wird die interdisziplinäre Kooperation insbesondere in übergordneten Einrichtungen und Initiativen manifest. So arbeiten etwa im Rahmen des Stuttgart Research Center for Text Studies (SRCTS) die Abteilung Digital Humanities mit dem Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung (IMS), dem Institut für Visualisierung und interaktive Systeme (VIS) sowie verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlich orientierten Einrichtungen zusammen. Im 2016 ins Leben gerufenen Center for Reflected Text Analytics (CRETA) widmen sich Forschende gemeinsam der Reflexion und Kritik technischer und quantitativer Methoden in den Digital Humanities sowie der Erarbeitung entsprechender Standards. Darüber hinaus zeigt sich die Zusammenarbeit der Stuttgarter DH-Forschenden jedoch auch an einer Vielzahl von weiteren formellen und informellen Initiativen in Forschung und Lehre.

Forschung

Die Universität Stuttgart kooperiert im Rahmen zahlreicher Projekte aus dem Bereich der Digital Humanities mit einer Vielzahl an Partnern. Hierzu gehören Projekte aus dem Bereich der digitalen Editionen, die so unterschiedliche Texte wie beispielsweise die Lyrik des deutschen Mittelalters oder Adornos „Ästhetische Theorie“ erschließen. Textanalytische Methoden, die qualitative und quantitative Vorgehensweisen vereinen, kommen in Projekten wie ePoetics zum Einsatz, in dessen Rahmen literaturgeschichtlich einflußreiche Poetiken sowohl algorithmisch als auch hermeneutisch untersucht werden, und dem Projekt TEACaN, das netzwerkanalytische Geodaten mit amerikanischen "Capitivity Narratives" verbindet, in denen weiße Siedler von ihrer (europäisch gerfäbten) Erfahrung in indianischer Gefangenschaft berichten. Einen Beitrag zur wissenschaftgeschichtlichen Perspektivierung der DH bietet das Projekt Quantitative Literaturwissenschaft, das sich mit den Ursprüngen solcher 'literaturmathematischen' Methoden vor dem Computerzeitalter befasst. Projekte zur Einrichtung übergreifender Forschungsinfrastrukturen wie CLARIN-D für die Sozialwissenschaften oder ReplayDH bilden einen weiteren Schwerpunkt der Stuttgarter DH-Forschung.

Studium

Seit dem Wintersemester 2015/2016 kann man an der Universität Stuttgart "Digital Humanities" auch in einem eigenen Masterstudiengang studieren. Studierende der Geisteswissenschaften erlangen hier informatische Fähigkeiten und lernen, wie sie diese mit geisteswissenschaftlichen Fragestellungen verbinden können. Der Masterstudiengang vermittelt projektorientiert Kenntnisse über die praktische Anwendung von Methoden und führt in die Workflows der interdisziplinären Zusammenarbeit ein. Damit bereitet der Studiengang nicht nur auf den Forschungsalltag vor, sondern auch auf Arbeitsprozesse im kulturellen und wirtschaftlichen Bereich. Auch neben dem Masterstudiengang findet in Stuttgart DH-bezogene Lehre statt. So wird etwa für Bachelor-Studierende der Geisteswissenschaften seit Beginn des Lehrprojekts "Das digitale Archiv" (DDA) eine eigene Einführungsveranstaltung in die DH angeboten.

 (c) Stocksnap/Châu Thông Phan

Kontakt

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Prof. Dr.

Gabriel Viehhauser

Abteilungsleiter Digital Humanities

M.A.

Peggy Bockwinkel

Studiengangsmanagerin / Akademische Mitarbeiterin

M.A.

Malte Heckelen

Verantwortlicher Website, Wiss. Mitarbeiter Abteilung Digital Humanities