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Die Plattform „meSchup“ verbindet Geräte – schnell und unkompliziert

Ein Gehirn für das Internet der Dinge

Wie lassen sich viele verschiedene Geräte mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Schnittstellen in ein Netzwerk einbinden, sodass jedes von ihnen die Sensoren und Funktionen der anderen mit nutzen kann? Auf diese Kernfrage des Internets der Dinge hat das System meSchup eine Antwort.
[Foto: Kubitza meSchup]

Schon seit Jahren geistern die abenteuerlichsten Ideen des „Internet of Things“ (IoT) durch die Öffentlichkeit. Dazu zählen Anwendungen wie etwa der Kühlschrank, der selbst Lebensmittel nachbestellt, oder der Tablet-Computer, der Rezepte zu den noch vorhanden Zutaten anzeigt. „Das Smartphone mit seinen vernetzenden Eigenschaften ist hier nur der Anfang“, sagt Thomas Kubitza, Doktorand am Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) der Universität Stuttgart. „Die Vision ist, dass wir Hunderte vernetzte Geräte in der Umgebung haben, die mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet sind. Diese miteinander zu kombinieren, wird uns völlig neue Möglichkeiten erschließen, die das alltägliche Leben neu organisieren.“

Entwicklungszeit verkürzt

Bislang benötigten Entwickler mehrere Wochen, bis sie verschiedenen Apparaten beigebracht hatten, miteinander zu kommunizieren. Darum haben sich Kubitza und seine Gruppe in den vergangenen drei Jahren auf die Entwicklung der Plattform „meSchup“ konzentriert. Mit ihr lassen sich Geräte innerhalb weniger Minuten zusammenschließen. Die Software dazu steckt in einem Gehäuse, das etwas größer ist als eine Getränkedose. Ans Stromnetz angeschlossen, baut dieser Hub, der über alle gängigen Funkund Kabelanschlüsse verfügt, ein eigenes WLAN auf.

Um auf die Benutzeroberfläche zuzugreifen, braucht es lediglich einen Internetbrowser. Der „Smart Things Pool“ zeigt dort alle Geräte an, die das System gefunden hat. Um etwa ein Smartphone ins System einzubinden, wird es einfach kurz auf die Dose gelegt, und schon wird es automatisch erkannt. Die Plattform selbst verwendet die gängige Programmiersprache JavaScript. Kubitza demonstriert, was damit möglich ist: Tippt er sein Handy an, erfasst „meSchup“ die Aktion und beschreibt diese automatisch als Programmierzeile. Anschließend schüttelt der Forscher einen kleinen Würfel, der auf dem Tisch liegt, und verknüpft ihn auf diese Weise mit der Antipp-Funktion des Handys. Der per WLAN verbundene Würfel leuchtet nun bei jedem Tippen auf.

Vier Masterarbeiten und viele Ideen

Das ist aber nur die Vorführfunktion. In der komplexen Vernetzung von Dingen sind dem System praktisch keine Grenzen gesetzt. Denn anders als bei typischen IoT-Anwendungen muss die Software für jeden Gerätetyp nur einmal in „meSchup“ aufgespielt werden. Für IoT-Netze in Büro- und Industrieumgebungen oder auch zu Hause ist das eine enorme Erleichterung, weil in die Geräte vor Ort nicht bei jeder Änderung eingegriffen werden muss. Schließt man den Hub an ein bestehendes Netzwerk an, nutzt er automatisch dessen Infrastruktur. 

Schnell. Smart. Vernetzt: Mit Hilfe der Plattform „meSchup“ lassen sich Geräte innerhalb weniger Minuten über WLAN zusammenschließen. (c) Kubitza meSchup
Schnell. Smart. Vernetzt: Mit Hilfe der Plattform „meSchup“ lassen sich Geräte innerhalb weniger Minuten über WLAN zusammenschließen.

Neben Kubitzas eigenen Ideen stecken vier Masterarbeiten in „meSchup“. Eine große Zahl von studentischen Hilfskräften trug ebenso zu dieser Plattform bei. So zum Beispiel Kubitzas Kollege Norman Pohl, der die mobile Sensor-Hardware mitentwickelte. In seiner eigenen Dissertation geht Kubitza der Frage nach, wie man es Endnutzern, die keine Programmiererfahrung haben, ermöglichen kann, IoT-Anwendungen zu realisieren. Am VIS ist der junge Wissenschaftler seit 2013 für den Stuttgarter Anteil im EU-Projekt „Material EncounterS with digital Cultural Heritage“ (meSch) zuständig. Er war nach dem Masterabschluss seinem Doktorvater, dem Institutsleiter Prof. Albrecht Schmidt von der Uni Duisburg-Essen, in die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg gefolgt.

Alltagstauglichkeit bewiesen

In „meSch“ entwickelten wissenschaftliche Institute und Museen aus sechs europäischen Ländern interaktive Techniken für Ausstellungen. Das VIS sollte die Soft- und Hardware liefern. Seine Alltagstauglichkeit bewies „meSchup“ im populärwissenschaftlichen Museum „Museon“ in Den Haag: Bei der dortigen Schau zum Atlantikwall wählten die Besucher je nach gewünschter Perspektive ein smartes, also mit digitaler Technologie ausgestattetes Objekt, über das sie ihr individuelles interaktives Besichtigungsprogramm starteten.

Ende Januar 2017 lief „meSch“ aus. Nun befindet sich Kubitza im Gründungsprozess, um „meSchup“ in eine GmbH zu überführen. Der erste größere Kunde steht schon bereit. Das Internet der Dinge ist damit nur noch wenige Klicks entfernt. Daniel Völpel

Termininfo: Das Startup „meSchup“ präsentiert sich vom 20. bis 25. März 2017 bei der CeBIT in Hannover auf dem Stand der Universität. Mehr dazu in der Presseinformation zur CeBIT-Preview.

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