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„Das Beste aus zwei Hochschulwelten“

Mehrsprachigkeit und verschiedene Lernkulturen ebneten Hanna Petri den Berufsweg ins EU-Umfeld
[Foto: Universität Stuttgart/ Uwe Noelke]

Ein bilinguales Studium der Sozialwissenschaften in Stuttgart und Bordeaux verschaffte Hanna Petri das Entrée zur Europäischen Kommission in Brüssel. Das breit angelegte Studienprogramm und der interkulturelle Austausch legten den Grundstein für ihre berufliche Laufbahn in der Entwicklungszusammenarbeit.

Hanna Petri erlebte ihre Studienzeit ebenso herausfordernd wie aufregend. Nach dem Abitur mit anschließendem Freiwilligenjahr in Bolivien ging es weiter nach Bordeaux, um dort das erste Semester des Bachelor-Master-Studiums „Filière intègrée franco-allemande“ – kurz: FIFA – anzutreten. Fünf Jahre lang wechselte sie fortan regelmäßig zwischen der baden-württembergischen Landeshauptstadt und der im Südwesten Frankreichs gelegenen Universitätsstadt. Den Standortwechsel empfand sie vor allem zu Beginn auch als anstrengend: „Ich war gefühlt kaum zurück in Deutschland, als ich auch schon wieder los musste nach Bordeaux“, erinnert sich Petri an den neuen Lebensabschnitt. „Es fiel mir anfangs schwer, mich an der Universität und die in Frankreich übliche Arbeitsweise einzufinden.“

Doch die Tatsache, dass sie durch den dualen Aufbau des Studiums neben der französischen Sprache und Kultur verschiedene wissenschaftliche Arbeitsweisen kennenlernte, empfand sie zunehmend als Vorteil: „Die beiden völlig unterschiedlichen Arten zu denken und zu lernen, haben mich wesentlich geprägt.“ Während das Institut in Bordeaux, das zum französischen Elitehochschulsystem der Grandes Écoles gehört, inhaltlich sehr breit aufgestellt ist, lernte die junge Studentin in Stuttgart viel über methodische Arbeitsweisen und Methoden der empirischen Sozialforschung. „Die thematische Vielfalt auf der einen und die methodische Ausbildung auf der anderen Seite verbinden für mich das Beste aus zwei Hochschulwelten“, sagt Petri.

 

Ein Studium wie maßgeschneidert

Seit 20 Jahren besteht mit dem Studiengang Sozial­wissenschaften eine erfolgreiche Kooperation zwischen der Universität Stuttgart und dem Institut Sciences Po in Bordeaux. Leistungskurs Französisch, Teilnahme am Schüleraustausch des Voltaire-Programms – die junge Hessin brachte hierfür beste Voraussetzungen mit und sah umge- kehrt ihre Chance in der Vielseitigkeit: „Ich wollte meine Französischkenntnisse nicht durch ein reines Sprachstudium vertiefen“, sagt die 29-Jährige, „sondern möglichst in der Kombination mit einer anderen Fachrichtung.“ Da kam ihr das Programm der FIFA sehr entgegen, das neben Politik- und Wirtschaftswissenschaft auch Recht und die Vermittlung der ‚culture générale‘ einschließlich Sprachen und Geschichte umfasst.

Nach der Grundausbildung bot ihr das Masterprogramm zahlreiche Spezialisierungsmöglichkeiten. Petri, deren große Leidenschaft für Lateinamerika durch eine chilenische Nachbarin geweckt wurde, stellte hier die Weichen für die Zukunft: „Entwicklungszusammenarbeit war schon früh ein Arbeitsfeld, das ich mir gut vorstellen konnte. Darum habe ich mich für den sehr spezifischen Master ‚Risikomanagement in den Ländern des Südens‘ entschieden.“ Darin befasste sie sich mit den Besonderheiten deutscher parteinaher Stiftungen als Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit.

Interessengeleitet im besten Sinne

Mit einem deutschen und einem französischen Abschluss sowie einem Zertifikat für Doppeldiplomierte in der Tasche fand sich der Einstieg ins Berufsleben schnell. „Allein die Zweisprachigkeit war ein großer Vorteil, um im EU-nahen Umfeld eine Anstellung zu bekommen. Es war aber sicherlich auch mein Master, der mich für den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit bestens vorbereitet hat“, ist Petri überzeugt.

Auf ein Traineeship bei der Europäischen Kommission folgten Anstellungen bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Generaldirektion für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (GD DEVCO) in Brüssel. Diese Generaldirektion der Europäischen Kommission verwaltet die Außenhilfeprogramme der Europäischen Union und gewährleistet weltweit die Bereitstellung der europäischen Entwicklungshilfe. Als Projektmanagerin unterstützte sie hier von der EU finanzierte Projekte im Bereich Umwelt und Klima.

Dazu gehörten das Bearbeiten von Projektberichten und das Prüfen allgemeiner entwicklungspolitischer Abstimmungen der von der EU geförderten Projekte. Zusätzlich betreute sie redaktionell den Newsletter „Green Development News“. Somit bot ihre Arbeit nicht nur inhaltlich ein spannendes Aufgabengebiet, allein durch die Internationalität war das Arbeitsumfeld sehr abwechslungsreich. „Meine Kolleginnen und Kollegen waren aus ganz Europa und hatten sehr unterschiedliche berufliche Hintergründe. Vom Juristen und Politikwissenschaftler bis hin zum Biologen und Kulturwissenschaftler war alles dabei.“ Multikulturell, vielfältig – und sehr anspruchsvoll, denn im täglichen Doing musste Petri nun zwischen drei Fremdsprachen hin- und herwechseln. „Die dynamische Atmosphäre machte zwar viel Spaß“, so Hanna Petri, „aber es war durchaus auch Konkurrenzdruck zu spüren, da in Brüssel sehr viele Hochqualifizierte tätig sind.“

Profession und Leidenschaft vereint

Ihrer Herzensangelegenheit ist sie indes treu geblieben: Aktuell befasst sie sich im EU-Verbindungsbüro der GIZ mit Klima- und Umweltschutz in Lateinamerika. Dafür berät sie zum Beispiel im Ausland tätige Kolleginnen und Kollegen zu den Abläufen von EU-Kofinanzierungsverfahren, erklärt die Prozesse, Vertragsformate und beantwortete allerlei Fragen zur EU. Wohin es sie in Zukunft verschlagen wird – Petri ist für alles offen. Die Vergangenheit hat ihr gezeigt, dass sich vieles auch zufällig ergibt. „Ich könnte mir gut vorstellen, als GIZ-Mitarbeiterin oder als Mitarbeiterin einer EU-Delegation wieder nach Lateinamerika zu gehen“, sagt Petri. „Aber im Moment drängt mich nichts, und ich lasse es auf mich zukommen.“

Constanze Trojan

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Andrea Mayer-Grenu

Wissenschaftsreferentin; Forschungspublikationen