Bewerber im Stresstest: das Assessmentcenter

Bild: go2 / photocase.de

Bewerbung, Vorstellungsgespräch, Job? Das war mal. Heutzutage werden bei der Auswahl der Bewerber häufig schwerere Geschütze aufgefahren. Es bleibt nicht nur bei einem Vorstellungsgespräch, manchmal gibt es mehrere Runden gibt. Und es gibt ab und an spezielle Auswahlverfahren, häufig Assessmentcenter (AC) genannt. Das bringt Dich schon beim Gedanken daran in’s Schwitzen? Muss nicht sein!

Nach dem Studium geht es für die meisten so weiter: Für viele Jobs bewerben und hoffen, einen Traumjob zu bekommen. Aber bisweilen sind noch ein paar kleinere oder größere Hürden dazwischen. Unternehmen lassen sich verschiedene Auswahlverfahren einfallen, um die geeigneten Kandidaten auszusuchen. Meist sind die nach einem speziellen Schema organisiert, um die Jobanwärterinnen und -anwärter gut miteinander vergleichen zu können.

Was ist ein AC und woher kommt es?

Ein AC ist ein Personalauswahl- und Personalbewertungsverfahren. „Assessment“ ist Englisch und heißt „Bewertung“, „Einschätzung“ oder „Feststellung“. Genau das sollen die manchmal sogar mehrere Tage dauernden Tests leisten. Hier gehen Arbeitgeber über das „normale“ Bewerbungsgespräch hinaus und wollen die Bewerber besser kennen lernen. Interessanterweise ist das, was so neu wirkt, eigentlich schon uralt: In den 1920ern suchte nämlich das deutsche Militär mit solchen Intensivauswahlverfahren seinen Offiziersnachwuchs aus. Dann geriet das Ganze in Vergessenheit und erlebte in den 1950er-Jahren – natürlich in den USA – ein Comeback. Mittlerweile nutzen das AC auch viele, vor allem größere Firmen in Deutschland .

Wie läuft das ab?

Es gibt verschiedene AC-Modelle. Sie können ein- oder mehrtägig sein und sind daher kosten- und zeitaufwendig. Das AC kann sogar außerhalb des Unternehmens stattfinden. Es gibt einige Verfahren, die ihr alleine oder als Gruppe bewältigen müsst, um euren potentiellen neuen Arbeitgeber überzeugen zu können. Die bekanntesten 4 sind:

  • Rollenspielen: Hier schlüpft ihr in arbeitsbezogene Rollen und dürft beispielsweise einen Manager spielen. Wie geht ihr als Manager um, wenn es Probleme gibt? Wie würdet ihr den Gewinn steigern?
  • Gruppendiskussionen: Hier müsst ihr zu einem vorgegebenen Thema mit anderen Konkurrenten heiß dikutieren. Die Personaler wollen sehen, wie überzeugend und konfliktresistent ihr seid. Das Wichtige bei Gruppendiskussionen ist, sich auch, außerhalb der Tests seinen Mitkonkurrenten gegenüber sozial zu verhalten und alle ausreden zu lassen.

    Im Bewerbungsgespräch: Nicht nur Fähigkeiten anpreisen, sondern auch Fragen stellen!
    Quellenangabe: sol-b / photocase.de

  • Fallstudien(Case studies) : Sogenannte Case studies dienen, um anhand von potentiellen Probleme eure Logik zu testen. Wie reagiert ihr, wenn das Unternehmen Verluste erleidet? Wie geht ihr damit um? Welche Lösungen oder Ideen habt ihr? In den meisten Fallen müsst ihr eure Ergenbisse als Präsentation vorstellen. Macht euch am besten Notizen, wenn euch alles erklärt wird, damit ihr nicht nachfragen müsst.
  • Online-Assessmentcenter: Bei einem Online-AC wird euer fachliches Wissen sowie soziale Kompetenzen online geprüft. Wenn ihr online an einem AC teilnehmen müsst, dann solltet ihr alles daheim vorbereiten. Perfekter Internet-Empfang, Ruhe, was zum Schreiben und Trinken.

Wie besteht man ein AC?

Wichtig ist – wie bei so vielem: Ruhe bewahren! Vorbereitung ist alles. Vorbereitung besteht zunächst aus dem ausführlichen Studium der Homepage und der Social Media-Seiten des Unternehmens. Einige Konzerne schicken Unterlagen, zur Vorbereitung. Damit ihr auf den neuesten Stand der Unternehmen seid, solltet ihr euch auch die aktuellen Pressemitteilungen anschauen. Einige Unternehmen führen ihr AC übrigens auf englisch, daher sollt ihr euer Business Englisch auffrischen. Im Allgemeinen testen die Unternehmen, wie ihr auf bestimmte reale Arbeitssituationen reagiert. Also geht es nicht nur um fachliche Kompetenzen, sondern vor allem auch um die persönlichen Eigenschaften. Deshalb sollte man sich nicht nur mit Fakten über das Unternehmen vorbereiten, sondern auch seine Soft Skills bereithalten. Empathie, Problemlösungkompetenzen, Teamfähigkeit und Organisationstalent zählen meist genauso viel wie Fach- und Allgemeinwissen.

 

Interview mit Khaled

Khaled hat seinen Bachelor erfolgreich gemeistert und sucht einen Job. Während seiner Jobsuche hat er einige Assessmentcenter durchlaufen. Ich habe mit ihm ein Interview geführt, um Eindrücke aus erster Hand zu bekommen!

Wie viele AC hast du schon gemacht?

Seitdem ich mein Studium abgeschlossen habe, habe ich an 4 Acs teilgenommen.

Warst du nervös?

Ja, eine gewisse Nervosität ist immer da. Aber bei meinem letzten AC war ich kaum nervös. Das lag wohl daran, dass wir nur 4 Teilnehmer waren. Bei einem anderen AC waren wir zu zehnt. Die Teilnehmerzahl, also die Zahl meiner Konkurrenten hat mich eher nervös gemacht als das AC selbst.

Wie hast du dich vorbereitet?

Ich habe oft mehrere Stunden Übungen aus Vorbereitungs-Büchern gemacht und mir Fragen durchgelesen, um vorbereitet zu sein. Aber: Man kann sich nicht auf alles vorbereiten. Letztlich muss man auch authentisch sein und nicht nur auswendig gelerntes Zeug vortragen.

Wie sahen deine ACs aus?

Ubnterschiedlich und ähnlich. Bei jedem AC gab es zu Beginn eine Selbstpräsentation, gefolgt von Fallstudien. Ansonsten gab es Gruppenarbeiten, Postkorbübungen (da muss man zeigen, dass man Prioritäten setzen kann) und Szenarien, wie Mitarbeitergespräche. Die AC dauerten im Schnitt bis zu fünf Stunden. Mein letzter AC dauerte aber zehn Stunden.

Denkst du eine Vorauswahl durch ein AC ist sinnvoll?

Ein AC bringt sicherlich Vorteile mit sich, vor allem wenn es darum geht Soft Skills zu testen oder ob ein Bewerber in ein Team passt. Vorteile auf Bewerberseite sind vor allem dann gegegeben, wenn man eher introvertiert ist. In einem normalen Bewerbungsgespräch kann man sich da nicht so gut präsentieren. Im AC kann man dann einfacher zeigen, was in einem steckt. Andererseits finde ich es sehr aufwändig, sowohl für ein Unternehmen als auch für einen Bewerber, vor allem wenn er dann nach dem ganzen Stress eine Absage bekommt.

Be prepared like a boss! Quelle: Unplash

 

Hast du Tipps, die du weitergeben kannst?

Ich finde eine gute Vorbereitung wichtig. Noch wichtiger finde ich allerdings seine Soft Skills zum Ausdruck zu bringen und dabei authentisch zu bleiben. Es soll ja festgestellt werden, dass man gut zum Unternehmen passt. Und man kann sich während eines AC auch wirklich selbst ein gutes Bild vom Unternehmen machen. Viel besser, als in einem halbstündigen Gespräch mit einem Personaler.  Und falls es beim ersten Mal nicht klappt, nicht aufgeben, seht es als Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Danke für deine Zeit.

 

 

Feven

studiert an der Uni Stuttgart.

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