Wie teuer ist Studieren wirklich?

Was kostet ein Studium in Deutschland?
Quelle: Pixabay.com

Was kostet die Welt? Nein, darum soll es hier nicht gehen. In diesem Beitrag dreht sich alles rund um die Kosten im und ums Studium, die Möglichkeiten, eure Ausgaben in den Griff zu kriegen und auch einem Plausch aus meinem Nähkästchen. Selbst wenn ein Studium mittlerweile längst nicht mehr als Privileg sogenannter bildungsnaher Familien gilt, spielt der finanzielle Background von Studierenden eine noch immer sehr große Rolle, wenn es um das Thema Studium versus Ausbildung geht. 

Studieren für umme

Zu Beginn meines Erststudiums hatte ich das Pech (oder Glück, wie manche vielleicht meinen), dass in Baden-Württemberg Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester erhoben wurden. Hinzu kamen die Semesterbeiträge, sodass halbjährlich rund 650 Euro fällig waren. Im länderweiten Vergleich zwar noch immer vergleichsweise günstig für ein Studium, aber auch dieses Geld musste irgendwo herkommen, ergo finanziert werden.

Studiengebühren wurden bereits vor ein paar Jahren wieder abgeschafft, also müsste das Studium doch längst für alle erschwinglich sein, könnte man meinen – oder etwa nicht? Leider sieht die Realität anders aus. Studieren ist noch immer sehr häufig ein Privileg für junge Menschen aus Familien mit gutem Einkommen.

Einer von mehreren Faktoren ist der sogenannte sozioökonomische Status, der einen wesentlichen Einfluss darauf hat, ob jemand sich für oder gegen ein Studium entscheidet. Er setzt sich u. a. zusammen aus dem Bildungshintergrund und dem Schul-/bzw. Ausbildungs- und/oder Studienabschluss, dem Beruf und Einkommen, Kulturgütern (i. d. R. Bücher) sowie dem Wohnort und der Kreditwürdigkeit. Was sich daraus ableiten lässt: Geld und Finanzstärke machen einen wesentlichen Faktor hinsichtlich der Entscheidung für die Aufnahme eines Studiums aus. Aber wie teuer ist ein Studium denn nun wirklich? Kann man nur studieren, wenn man ein entsprechend finanzstarkes Elternhaus hat?

Keine Studiengebühren = keine Kosten?

Zahlen, bitte!
Quelle: Pixabay.com

Auch wenn die Studiengebühren wegfallen, erheben die Universitäten und Fachhochschulen Semesterbeiträge, deren Höhe beträchtlich schwanken kann. Diese umfassen i. d. R. Beiträge für die „verfasste Studierendenschaft“, für die „Arbeit des Studentenwerks“, für die „Nutzung eines Semestertickets“ sowie außerdem teilweise für „Einschreibe- und Verwaltungsgebühren“. Sie belaufen sich je nach Bundesland und Universität auf 100 bis 425 Euro und werden (mit Ausnahme der Einschreibegebühr) jedes Semester fällig. Hier kannst Du sehen, welche Gebühren an der Uni Stuttgart fällig werden.

Semesterbeiträge zählen zu den institutionellen Kosten und machen einen nicht unwesentlichen Teil der Gesamtkosten des Studiums aus. Den erheblich größeren Anteil haben jedoch die Lebenshaltungskosten bzw. individuell anfallende Kosten – also im Prinzip beinahe alles, was man zum Leben benötigt.

Lebenshaltungskosten im Studium

Viele Studierende stehen zu Beginn ihres Studiums zum ersten Mal in ihrem Leben vor der Herausforderung, ihren eigenen Unterhalt bestreiten zu müssen. Mit der Freiheit, die daraus resultiert, sind allerdings auch jede Menge finanzielle Verpflichtungen verbunden. Nicht wenige werden dadurch vom Studium abgeschreckt, denn im Gegensatz zu einer staatlichen Ausbildung gibt man während des Studiums Geld aus, statt welches zu erhalten.

Manchmal erhält man noch zusätzlich eine finanzielle Unterstützung von den Eltern, bezieht Kindergeld und/oder BAFöG. Manchmal bleibt einem allerdings auch nichts anderes übrig, als sich ausschließlich durch Nebenjobs zu finanzieren, die je nach Branche etwas mehr oder weniger Geld in die Kasse spülen. Doch was fällt tatsächlich alles an Kosten an, wenn man ein Studium aufnimmt?

Folgende Posten stehen auf der Ausgabenseite:

Wer zum Studium erstmals auszieht, muss sich oftmals eine Grund- bzw. Erstausstattung zulegen, sofern sie nicht bereits im Wohnheim oder in der WG* zur Verfügung gestellt wird. Dazu zählen die elektronische Ausstattung, da sich der Großteil des Studiums heutzutage online bzw. digital abspielt, Möbel, falls man in eine unmöblierte Wohnung zieht und allgemeiner Hausrat.

(Erst-) Ausstattung, die i. d. R. nur einmal zum Studienbeginn anfällt:

  • Elektronik: PC oder Laptop, Tablet, Drucker (je nach Modell und Ausstattung zwischen 200 und ca. 1000 Euro)
  • Möbel (100 bis 500 Euro)
  • Hausrat (falls man nicht in eine WG zieht, zwischen 0 und 150 Euro)

Papierstudium ade! Digitales Studium ist die Zukunft.
Quelle: Pixabay.com

Hinzu kommen Ausgaben, die meist monatlich oder halbjährlich bzw. semesterweise anfallen. Den größten Kostenfaktor bildet dabei nach wie vor die Miete. Hier gibt es regional massive Unterschiede, sodass insbesondere die Ausgaben für Miete und Nebenkosten ein dickes Loch in die studentische Kasse reißen.

Dazu muss es sich keineswegs um ein so teures Pflaster wie München handeln. Bezahlbarer Wohnraum wird überall knapper und besonders in Universitätsstädten sind Wohnungen und WG-Zimmer gleichermaßen hart umkämpft. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass viele Studierende nach Möglichkeit in einem Studierendenwohnheim unterzukommen versuchen. Aber auch diese Plätze sind begrenzt.

Laufende Kosten, die monatlich und halbjährlich anfallen:

Daheim wohnen war gestern – höchste Zeit für die eigene Bude!
Quelle: Pixabay.com

  • Miete plus Nebenkosten sowie Kaution (Miete: zwischen ca. 250 und 520 Euro plus Kaution)
  • Lebensmittel (130 bis 200 Euro)
  • Kleidung (30 bis 100 Euro)
  • Hygiene und Kosmetik (15 bis 50 Euro)
  • Handy-/Internetflat (ab 10 Euro bis 50 Euro)
  • Semesterbeiträge (100 bis 425 Euro)
  • Materialien fürs Studium (variieren je nach Studiengang sehr stark, 20 bis 50 Euro)
  • Semesterticket (jedes Semester, 55 bis 245 Euro)

Neben den notwendigen Ausgaben fallen aber auch Ausgaben für das Leben abseits der Uni an, denn so wichtig der Fokus aufs Studium auch ist, so benötigen wir alle Zeit und Gelegenheit zum Abschalten, Entspannen und Regenerieren. Natürlich gibt es auch in diesem Bereich erhebliche Schwankungen, die davon abhängig sind, wo, wie häufig und in welcher Preiskategorie Studierende ausgehen oder welchem Sport bzw. Hobby sie nachgehen.

Freizeitausgaben:

  • Sport (Verein, Kurse, 40 bis 100 Euro)
  • Hobbys (20 bis 100 Euro)
  • Kultur (Theater, Museen, etc. – 20 bis 50 Euro)
  • Ausgehen (darunter fallen Kino, Bars, Restaurants etc. – 20 bis 50 Euro)

Ausgehen mit Freundinnen und Freunden.
Quelle: Pixabay.com

Gerade bei den Freizeitaktivitäten liegen teils regional begründete, teils individuelle Gründe für die Höhe der Ausgaben vor. Jemand, der etwa Joggen oder Radfahren als Sportart betreibt, hat u. U. nur einmalige Ausgaben – wenn er oder sie sich die Laufausrüstung zulegt – während ein Fitnessstudio oder Sportkurse laufend Kosten verursachen.

Institutionelle Kosten, Lebenshaltungskosten und Freizeitkosten – die Liste der Ausgaben ist nicht gerade kurz. Laut studis-online kostet ein Studium monatlich zwischen 596 und ca. 1.250 Euro. Eine Summe, die die Wenigsten einfach so mal eben aus dem Ärmel schütteln können. Und trotzdem nehmen die Studierendenzahlen von Jahr zu Jahr weiter zu. Wie aber finanzieren angehende Studierende sich? Neben BAföG, Kindergeld, Nebenjobs und Stipendien, die Geld einbringen, könnt ihr auch selbst dafür sorgen, dass eure Ausgaben nicht ganz so hoch ausfallen.

Ein paar Tipps und Tricks, um Kosten zu senken

Schluss mit leeren Taschen!
Quelle: Pixabay.com

Die gängigsten Möglichkeiten, um am Ende des Monats finanziell nicht in den roten Bereich zu rutschen, lauten daher: Entweder die Kosten bzw. Ausgaben senken oder die Einnahmen erhöhen. Gerade Letzeres unterliegt allerdings Einschränkungen, die mit der Steuerpflicht, dem BAföG-Bezug und eurer Krankenversicherung zusammenhängen.

Im Rahmen von 450 Euro-Jobs – sogenannten Mini-Jobs – zahlt ihr keine Steuern. Verdient ihr monatlich mehr als 405 Euro außerhalb eines Mini-Jobs und seid familienversichert, führt dies zu Problemen mit der Krankenkasse. Macht euch daher vorher schlau, wie viel ihr neben dem Studium verdienen dürft. Weitere Infos hierzu findet ihr auf folgenden Seiten: mystipendium.de und www.steuerklassen.com.

So könnt ihr bares Geld sparen

  • Gebrauchte Geräte (Waschmaschinen, Kühlschränke u. a.) statt neuer Geräte anschaffen (oftmals auch gratis)
  • Verträge kontrollieren und häufiger wechseln
  • Flatrates abschließen und in WGs die Kosten aufteilen
  • Studierendentarife und -vergünstigungen nutzen
  • Öffentliche Verkehrsmittel statt Pkw nutzen
  • Familienversichert bleiben (i. d. R. bis 25 Jahre)
  • Gebührenfreies Girokonto anlegen
  • Sportangebot der Uni nutzen
  • Ins Wohnheim oder in eine WG ziehen (oder zu Hause wohnen)
  • Steuerklärung machen
  • Grundsätzlich: Preise vergleichen, statt spontane Einkäufe zu tätigen

Wenn ihr einige dieser Tipps befolgt, könnt ihr eure Kosten auf ein überschaubares Maß reduzieren!

Fazit: Studieren ist teuer, aber nicht unbezahlbar

Unterm Strich: Teuer, aber nicht unmöglich.
Quelle: Pixabay.com

Ihr seht also, das Studium kostet eine ganze Menge Geld. Verglichen mit anderen Ländern ist das Studium in Deutschland zwar durchaus bezahlbar(er), aber je nach Lebenssituation erfordert es oftmals, den Gürtel eng zu schnallen, nebenher zu jobben und/oder bereits vor Studienbeginn ein finanzielles Polster aufzubauen – etwa durch Ferienjobs und/oder (bezahlten) Ausbildungen.

Welche Tipps und Tricks kennt ihr, um eure laufenden Ausgaben im Studium zu senken? Teilt sie uns gerne mit!

Romy

*WG = Wohngemeinschaft

Quellen: faz.net, studentenwerke.de, www.zeit.de, www.presseportal.de, www.destatis.de, www.studis-online

Ich bin Romy, 30 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Mein Erststudium habe ich mit dem Master in "Literaturwissenschaft: Germanistik" abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*