Wer schreibt, der bleibt: Abschlussarbeit im Unternehmen

Zuversichtlich in die Zukunft.
Bild: FemmeCurieuse / photocase.de

Das Finale eines Bachelor- oder Masterstudiums ist die Abschlussarbeit. Der klassische Weg wäre, diese an der Uni zu schreiben. Wer es praxisbezogen mag, der hat auch die Möglichkeit seine Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu verfassen. Doch aus Unsicherheit, entscheiden sich nur wenige für diese Option.

Der traditionelle Weg: Monatelang an der Abschlussarbeit schreiben, dann liest und bewertet sie ein Prof und hinterher liegt das Ergebnis in einer Schublade. Was wäre aber, wenn deine Abschlussarbeit nicht nur das Studium beendet, sondern auch einen Berufseinstieg öffnet?

Die Unternehmen wünschen sich Studierende, die bereits während des Studiums Erfahrung gesammelt haben. Sei es in einem Praxissemester durch einen Praktikum oder einer Werkstudententätigkeit. Aber es gibt noch eine dritte Option: Die Abschlussarbeit im Unternehmen. Eine erfolgreiche praktische Abschlussarbeit kann euch die Türen zu einem einfacheren Berufseinstieg öffnen.

Das Unternehmen hat auch was davon: Der künftige Absolvent investiert viel Arbeit in ein Projekt, die ein vorhandener Mitarbeiter oft in dieser Detailtreue gar nicht aufwänden könnte. Daher schreiben immer mehr Konzerne öffentlich Stellenausschreibungen für Abschlussarbeiten aus.

Wieso überhaupt? Die Vorteile:

  1. Netzwerk: Schon früh Kontakte in einem Unternehmen zu knüpfen, ist für Studierende vorteilhaft. Daher eignet sich eine praktische Arbeit bestens, ein Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen. Nebenbei bekommst Du auch wichtige Kontakte, die für den Berufseinstieg eine große Rolle spielen können.

    Abschlussarbeit im Unternehmen. Quelle: Unsplash

  2.  Lebenslauf: Eine praktische wissenschaftliche Arbeit ist ein großer Pluspunkt im Lebenslauf. Studierende, die mehr als reines Theorie-Wissen aus der Uni mitbringen, sind für jeden Arbeitgeber attraktiv. Durch eine praktische Arbeit sieht das Unternehmen, dass ihr auch außerhalb der Uni Erfahrungen gesammelt habt.
  3. Lohn: Für deine Abschlussarbeit bezahlt werden? Wieso auch nicht? Die meisten Unternehmen zahlen ein Praktikantengehalt. So kannst Du sichergehen, dass eure praxisorientorientierte Arbeit sich doppelt auszahlt. 
  4. Projekt: Durch deine Abschlussarbeit kannst Du ein Projekt übernehmen und bekommst so Verantwortung übertragen. Und Du weißt, dass deine wissenschaftliche Arbeit einen praktischen Nutzen und somit einen Mehrwert hat.

Wie geht’s? Recherchiere lange im Voraus

Im Internet findest du zahlreiche Stellenbörsen, die auf Abschlussarbeiten spezialisiert sind. Achtung: Meistens sind die Stellen auch gleichzeitig für Praktikanten oder Werkstudenten ausgeschrieben. Auch in der Stellenbörse der Universität Stuttgart finden sich einige Angebote für eine Abschlussarbeit im Unternehmen. Wenn du Glück hast, sind an dem Lehrstuhl, an dem du deine Arbeit schreiben willst, Themen für Abschlussarbeiten in Unternehmen am Schwarzen Brett ausgeschrieben.

Studierende am Arbeiten

Arbeiten in der Universitätsbibliothek.
(Copyright: Universität Stuttgart)

Wenn du selbst suchen musst, frag bei Profs oder Absolventen nach, wer eventuell infrage kommt. Firmen, die bereits Abschlussarbeiten betreut haben, sind sicherlich von Vorteil. Viele schreiben ihre Abschlussarbeit in einem Unternehmen, in dem sie vorher als Werkstudent oder Praktikant gearbeitet haben. Wenn du Glück hast, bekommst du ein Angebot. Auf jeden Fall solltest du dich vorher schlau machen und deinen Vorgesetzten fragen, ob du die Chance hättest, deine Stelle mit einer Abschlussarbeit zu verlängern.

Allgemein ist es wichtig, sich rechtzeitig zu bewerben. Denn die Suche nach einer Firma, die zur eigenen Fachrichtung und zum Wunsch-Thema passt, kann zeitaufwändig sein.

 

Das musst Du auf jeden Fall bedenken:

  1. Plötzlich Arbeitnehmer: Als Studentin oder Student arbeitest du für das Unternehmen und schreibst gleichzeitig an deiner Abschlussarbeit – bei zwei wichtigen Dingen auf einmal, kann eine zu kurz kommen. Daher ist es wichtig, dass du dir euch das richtige Unternehmen aussucht. Es muss zu eurem Gebiet passen und es muss auch zu dir passen.

    Bild: complize / photocase.de

  2. Diener zweier Herren: Deine Arbeit muss die Erwartungen deiner Profs und die der betreuenden Person im Unternehmen erfüllen. Sowohl das Konzept der Arbeit, die Herangehensweise als auch jede Änderung des Fokus im Verlauf musst du mit beiden Seiten besprechen. In der Regel ist das Unternehmen in erster Linie am Ergebnis deiner Bachelorarbeit bzw. Masterarbeit interessiert, wobei für deinen Professor eine wissenschaftliche Arbeitsweise von größerer Bedeutung ist. Und das vergessen viele: Das Unternehmen offiziell keinen Einfluss auf das Thema und den Inhalt der Arbeit, der prüfungsrechtliche Anspruch liegt allein bei der Uni, die auch über wissenschaftliche Kriterien und Formalien entscheidet. Auch wenn du deine Abschlussarbeit in einem Unternehmen schreibst, vergesst nicht, dass die Benotung durch den Professor erfolgt.
  3. Geheime Daten:  Du hast durch deine Arbeit häufig Einblicke in sensible Daten, die nicht veröffentlicht werden dürfen. Eine Firma möchte daher die Forschungsergebnisse meistens geheim halten, während die Uni da anders agiert. Im Arbeitsvertrag wird geregelt, ob du nur beschränkten Zugang zu Daten bekommst oder bestimmte Dinge in der Arbeit nicht verwenden darfst. Wichtig ist, diesen Punkt vorher zu klären, damit beide Betreuer mit dem Thema und den Voraussetzungen einverstanden sind.
  4. Das dauert und dauert: Es kann viel zeitaufwändiger sein, die Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben. Das Unternehmen kann viel verlangen – zum Beispiel eine Reihe von Tätigkeiten, die gar nichts mit deiner Abschlussarbeit zu tun haben. Und bevor du richtig loslegen kannst, musst du auch erst die Strukturen des Unternehmens kennenlernen. Plane dafür ordentlich Puffer ein.
  5. Thema: Interesse am Thema ist die beste Motivation, schließlich beschäftigt man sich eine lange Zeit intensiv damit. Im Unternehmen ist die selbstständige Wahl meist gar nicht möglich, denn das Thema wird vorgegeben. Oft bieten Unternehmen Themen an, die sich im Sinne der Prüfungsordnung gar nicht wirklich bearbeiten lassen. Das solltest Du vorher mit deinem Betreuer an der Uni gut abgeklärt haben.
  6. Money Money: Egal wie viel oder wenig Geld dir das Unternehmen bezahlt: Eine Abschlussarbeit im Unternehmen gilt beim Amt für Ausbildungsförderung als Ausbildungsvergütung. Das heißt, dass der Bafög-Betrag gekürzt wird. Klär in der Sprechstunde deines BAföG-Amts, wie sich das Gehalt auf deinen Beitrag auswirkt.

 

Fazit

Beides hat Vor-und Nachteile. Schaut euch euren Arbeitsvertrag genau an, damit ihr euch über die Voraussetzungen im Klaren seid. Alle Parteien – der Absolvent, die Uni und das Unternehmen – profitieren meist von der Zusammenarbeit. Aber auch nur dann, wenn es wirklich gewollt ist. Und wie geht es nach eurer Abschlussarbeit weiter? Hier bekommt ihr ein wenig Inspiration.

 

Feven

One thought on “Wer schreibt, der bleibt: Abschlussarbeit im Unternehmen

  1. Duran sagt:

    Da ich bereits Erfahrungen von beiden Seiten sammeln konnte würde ich noch zwei Kleinigkeiten ergänzen: Zunächst sollte man früh bei den potentiellen Betreuern abklären was die Rahmenbedingungen sind unter denen eine praktische Abschlussarbeit geschrieben werden kann. Bei uns war das immer eine vollständige Datenfreigabe durch das Unternehmen. Als Unternehmen würde ich Studenten immer raten vor der eigentlichen Abschlussarbeit ein Praktikum zu legen. Nur so kann man sich sicher sein, dass es auch menschlich zueinander passt.

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