Staatsexamen ade!

In gut fünf Jahren verlassen die letzten Kandidaten und Kandidatinnen für ein Staatsexamen die Universität Stuttgart. Schon heute gibt es keine Möglichkeit für mehr, sich an unserer Universität für einen Studiengang mit Abschluss eines Staatsexamens einzuschreiben. Diese Entwicklung folgt der Idee einer gemeinschaftlichen Erklärung in Bologna, die 1999 von neunundzwanzig europäischen Bildungsministern unterzeichnetet wurde: Europäische Studienabschlüsse sollen international vergleichbar sein. 

Student vor dem Whiteboard

Praxisphasen für den Studierenden auf Lehramt sind sowohl beim Masterstudiengang, als auch beim Staatsexamen eingeplant.

Bis spätestens Herbst 2022 müssen alle Studierende des Lehramts nach der GymPO I an der Universität Stuttgart ihre Staatsprüfung abgelegt haben, denn bis dahin läuft ihre Prüfungsordnung aus. Aber was genau unterscheidet den Aufbau eines Studiengangs mit Staatsexamen von dem Aufbau eines Bachelor- oder Master-Studiengangs? Und was bedeutet es konkret für die Studienanfänger in Stuttgart, statt auf ein Staatsexamen, auf einen Bachelor- und Masterabschluss hinzuarbeiten?

Ein Bachelorstudiengang dauert in der Regel sechs Semester, ein Masterstudiengang vier. Die Studienzeit kann aber individuell verlängert werden. Laut einem ZEIT-Artikel schafften 2014 mit 40 % nicht einmal die Hälfte aller Studierenden ihren Abschluss in der Regelstudienzeit. Wer verlängert, überzieht jedoch meist nicht unverhältnismäßig: Vier von fünf Studierenden verlängern ihren Abschluss um nur maximal zwei Semester.

Das Zahlenspiel mit den Leistungspunkten

Innerhalb eines Semesters soll der Studierende 30 Leistungspunkte (LP) beziehungsweise Credit Points (CP) erlangen, aus denen sich die benötigten Arbeitsstunden berechnen lassen. Dabei steht ein CP für 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand pro Semester. Innerhalb eines Semester sollen also 900 Arbeitsstunden erbracht werden. Auf die Regelstudienzeit angerechnet ergibt das 5400 Stunden.

Ein Bachelorstudiengang kann sich zudem in Haupt- und Nebenfach gliedern. So kann an der Universität Stuttgart beispielsweise Germanistik im Hauptfach mit Volkswirtschaftslehre im Nebenfach oder Kunstgeschichte im Hauptfach mit Maschinenwesen im Nebenfach studiert werden. Eine solche Fächerkombination wird auch als Zwei-Fach-Bachelor (im Gegensatz zum Ein-Fach-Bachelor) bezeichnet.

deutschland

Beim Staatsexamen prüft der Staat den Studierenden.

Beim Staatsexamen legt der Studierende seine Prüfung nicht bei der Universität Stuttgart, sondern beim Staat ab. Ursprünglich wurde die Staatsprüfung wohl eingeführt, weil ein gesellschaftliches Interesse an der Qualitätserhaltung der jeweiligen Berufsgruppen besteht. So kann beispielsweise nur ein Jurist mit abgelegtem Staatsexamen den staatlich regulierten Beruf des Richters ergreifen.

In Bayern als Lehrer oder Lehrerin arbeiten?

Das auslaufende Lehramtsstudium mit Staatsprüfung an der Universität Stuttgart endet mit der Ablegung der Ersten Staatsprüfung. Anschließend findet ein, in der Regel zweijähriges, Referendariat statt, bei welchem die praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten vertieft werden, um schließlich in die Beamtenlaufbahn des höheren Dienstes beim deutschen Staat einzusteigen. Der Inhalt der Ausbildung richtet sich nach der jeweiligen Landesverwaltung, sie endet mit dem Bestehen der Zweiten Staatsprüfung. Beim Masterstudiengang des Lehramts absolvieren die Studierenden die praktische Ausbildung während des Schulpraxissemester.

Wer an der Universität Stuttgart sein Lehramtsstudiengang bis spätestens 2022 noch mit Staatsexamen abschließt, genießt den Vorteil, auch in Bayern als Lehrer beziehungsweise Lehrerin arbeiten zu dürfen. Dort werden bislang keine Lehrer oder Lehrerinnen eingestellt, die lediglich einen Masterabschluss vorweisen können.

Stift und Block

Die Lernstrategie sollte der eigenen Prüfungsordnung angepasst sein.

Dafür müssen sich Studierende im Bachelor- und Mastersystem nicht bereits zu Beginn für eine Schulform entscheiden, in der sie später unterrichten wollen. Erst bei der Wahl des Masterstudiengangs ist es wichtig, ob sie sich später eher in einer Grundschule oder in einem Gymnasium sehen. Die Aufteilung in zwei Abschlüsse führt allerdings wiederum zu einem erneuten Bewerbungsprozess: Auf den Masterstudiengang müssen sich die Studierenden mit den Noten des Bachelorabschlusses bewerben. Bei einem sehr schlechten Bachelorabschluss besteht daher die Gefahr, keinen Masterplatz zu erhalten. Zudem ist jede Prüfung während des Studiums, so auch bereits die erste, für die spätere Abschlussnote relevant.

Beim Bachelorstudium auf die Zwischenergebnisse aufbauen

Wie kann also der individuelle Lernplan an das jeweilige System angepasst werden? Während man bei einem Bachelorstudiengang jeder Kurs mit einer zeugnisrelevanten Prüfung beendet, besteht bei einem Staatsexamensstudiengang die Gefahr, sich lediglich auf das Bestehen der Prüfungen zu konzentrieren und dadurch gen Ende des Studiums einen immens großen Berg an ausstehender Arbeit anzusammeln. Der Bachelorstudierende kann dagegen zwar auf seinen Zwischenergebnissen aufbauen, sollte daher aber auch von Beginn motiviert lernen und Prüfungen mit guten Noten bestehen, um nicht später nur noch Schadensbegrenzung betreiben zu können.

Das eigene Studiensystem zu verstehen, ist für jeden Studiengang die Grundlage für die Erstellung eines effektiven Lernplans. Eine Übersicht über alle Prüfungsordnungen an der Universität Stuttgart findet ihr hier.

 

Anna

Ich studiere seit 2014 den abwechslungsreichen Studiengang Philosophie an der Universität Stuttgart und bin dabei sowohl regelmäßig in der Stadtmitte, als auch auf dem Campus Vaihingen unterwegs. Über themenbezogene Kommentare und Fragen zu meinen Artikeln freue ich mich sehr.

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