Berufseinstieg: Womit kann man punkten?

 

Ayse holt ihr Zeugnis ab.

Anschreiben, Lebenslauf, Arbeitsproben und dann hoffentlich das Vorstellungsgespräch: Nach dem Studienabschluss kommt der Berufseinstieg. Ist der einer Absolventin oder einem Absolventen immer garantiert? Wie läuft das im Idealfall? Ich habe mit einer Master-Absolventen gesprochen, die den Berufseinstieg erfolgreich geschafft hat.

Wenn wir den Medien glauben, braucht das Land gut qualifizierte Hochschulabsolventen. Aber so ganz nahtlos vom Hörsaal hinter den Büroschreibtisch verläuft der Weg selten. Die Einstiegschancen sind von unterschiedlichen Dingen abhängig: Studienfach, Noten, Praxiserfahrung, besondere Qualifikationen, Kontakte und eine Prise Glück. Ich habe mit Ayse, einer Hochschulabsolventen der Uni Hohenheim gesprochen, die nach ihrem Masterabschluss Ende 2016 seit ein paar Monaten bei Bosch in Stuttgart ihren Berufseinstieg erfolgreich geschafft hat. Sie hat Wirtschaftsinformatik studiert und erzählt uns von ihren bisherigen Erfahrungen – als Studentin und als Berufseinsteigerin.

 

Wieso hast du dich für einen Master-Studium entschieden? 

Bereits zu Beginn des Bachelors war mir klar, dass ich den Master machen will. Erstmal um einfach einen tieferen Einblick zu bekommen und dann natürlich auch, weil ich denke, dass man mit einem Master bessere Berufschancen hat. Ich glaube, die Möglichkeiten sind mit einem Master breiter gefächert, also ich kann leichter einen Job finden, der zu mir passt. Und eventuell später einmal in einer Führungsposition tätig sein.

Stand Dein Berufswunsch auch von Anfang an fest?

Durch viele Praktika und Werkstudententätigkeiten in diversen Unternehmen, konnte ich meine Berufsziel ziemlich gut eingrenzen. Die praktische Erfahrungen führte mich in den Bereich Information- und Kommunikationssysteme und den Prozessen dahinter. Also wusste ich, dass ich im Bereich IT arbeiten möchte.

Hattest du viele Bewerbungsgespräche?

Ich habe wenige Bewerbungen geschrieben, weil ich genau wusste, in welchem Bereich ich arbeiten möchte und vor allem auch, für welche Unternehmen ich arbeiten wollte. Also das war sehr spezifisch ausgewählt und nicht wahllos.

In diese Bewerbungen habe ich dafür dann auch viel Energie gesteckt. Dann hatte ich zwei Vorstellungsgespräche. Das war großes Glück – gleich zwei auf einmal. Und es kam noch dicker: Ich erhielt bei beiden eine Zusage.

 

Wie lief dein Bewerbungsverfahren konkret ab?

Also erst hab ich mich online auf die offene Stelle beworben. Kurz daraufhin wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch mit der Fachabteilung eingeladen. Anschließend gab es ein zweites Vorstellungsgespräch mit der Personalabteilung. Nach zwei Monaten ziemlich nerviger Wartezeit bekam ich dann noch eine Zusage und konnte gleich zu Beginn des nächsten Monats anfangen.

Wie ist es zu arbeiten? Eine große Umstellung?

Naja, da ich vorher schon Werkstudentin war, erstmal nicht. Aber ich merke mit der Zeit, dass das Arbeitsleben anstrengender ist, als das Studium, weil es weniger Pausen gibt. Und es ist herausfordernd sich an den neuen Lebensrhythmus zu gewöhnen. Für mich war es wichtig, unbedingt einen Ausgleich zum 8-Stunden-Sitzen zu Finden. Das war neu.

Kannst du die Inhalte deines Studium mit deiner aktuellen Stelle verbinden?

Das Wissen aus dem Studium kommt bei mir immer wieder zum Tragen. Ich kann tatsächlich viel Theorie in der Praxis anwenden. Einiges, was bisher abstrakt war, wird nun konkret. Trotzdem muss man in der „realen“ Welt – also im Unternehmen – vieles, fast alles, neu lernen. Es kommt Neues dazu – jeden Tag.

Wo siehst du dich in den nächsten 5 Jahren?

Das ist eine typische Frage für ein Vorstellungsgespräche (lacht). Ich sehe mich in 5 Jahren als Fachexpertin in meinem Bereich. Das ist das einzige, was ich mir in meinem Job als Ziel gesetzt habe und wofür ich in den nächsten 5 Jahren arbeiten werde. Ich sehe bei meinen Kolleginnen und Kollegen, wie wichtig es ist, in seinem Arbeitsbereich richtig gut zu sein.

Welche Tipps kannst du Berufseinsteigern geben? 

Der wichtigste Ratschlag, den ich geben kann, ist an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Das geschieht natürlich auch ein Stück weit „automatisch“, wenn man einen neuen Lebensabschnitt beginnt, aber man sollte das aktiv in den eigenen Fokus stellen. Und dann ist es natürlich hilfreich – gerade wenn etwas endet und etwas neues beginnt – eine Idee davon zu haben, wo es hingehen soll. Also ein Ziel. Ich hab als Jugendliche mal gelesen:

Wenn man das Ziel nicht kennt, ist kein Weg der Richtige

Also sich selbst ein Berufsziel setzen, das ist wichtig – sonst kommt man nie an. Allgemein find ich es entscheidend, sich nicht zu verstellen, nur um einen Job zu bekommen. Seid ehrlich im Vorstellungsgespräch und stellt Fragen. Habt im Hinterkopf, dass nicht nur das Unternehmen euch kennen lernen möchte, sondern auch ihr das Unternehmen. Nicht nur ihr sollt zu der Stelle passen, sondern auch das Unternehmen zu euch. Wenn ihr dann mal ein Vorstellungsgespräch habt, dann ist eine gute Vorbereitung das A&O. Dort zu sitzen und nicht zu wissen, was man antworten soll ist wie wenn ein schlecht geschossener Elfmeter: Hätte echt nicht sein müssen, denn so nah dran an den Erfolg, kommt man nicht so oft.

Wie hast du dich gefühlt, als die Unizeit vorbei war? Vermisst du sie?

Für mich wurde es gegen Ende des Studiums immer mehr Zeit, in die „wirkliche“ Welt aufzubrechen. Nachdem man den Bachelor- und den Masterstudium hintereinander ohne Pausen absolviert hat, hat man meiner Meinung nach genug vom Studieren (lacht). Außerdem möchte man auch das in der Theorie erlernte in der Praxis anwenden und auch mal „richtiges“ Geld verdienen. Heute vermisse ich die Uni hauptsächlich wegen meinen Freunden, da sie nun alle verstreut sind. Viele haben einen Job im Norden gefunden und somit ist der persönliche Kontakt nicht mehr so intensiv wie in der Unizeit.

Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg noch!

Ayse hat den Berufseinstieg erfolgreich gemeistert, aber leider ist das nicht der Alltag. Es herrscht hohe Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, wenn Du frisch von der Uni an die Tür eines Unternehmens klopfst. Auch wer nach unzähligen Bewerbungen noch immer nicht den richtigen Einstieg geschafft hat, sollte den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern sich beraten lassen. Selbst wenn ihr keine Vorzeige-Noten habt, könnt ihr mit einer guten Bewerbung punkten. Wenn ihr dann ein Vorstellunsgespräch habt, heißt es „nur noch“ überzeugen. Ich wünsche Euch dabei viel Erfolg!

Feven

 

studiert an der Uni Stuttgart.

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