What Would Sokrates Do?

An der Universität Stuttgart gibt es für jeden Studierenden genug Raum, sich zu entfalten. Vom einsamen Sitzen im Hörsaal über die Teilnahme am Hochschul-Badminton und dem Gründen einer studentischen Initiative, kann sich jede und jeder seinen Alltag in und um die Universität gestalten. Bei diesen ganzen Möglichkeiten käme ein Vorbild ganz recht. Eines, das einen an die Hand nimmt und zeigt, wie es gehen kann. Warum nicht diejenigen um Rat bitten, die so weise waren, dass ihr Denken noch heute unsere Sichtweise auf das Leben beeinflusst? Wie würden die griechischen Philosophen heute studieren, wenn sie an unserer Stelle wären? Ein nicht ganz ernst gemeinter Beitrag über die Möglichkeiten unserer Entfaltung.

Schule von Athen

„Die Schule von Athen“ von Raffaello Sanzio.

Der Erstsemester Aristoteles wäre ein sehr eifriger Kommilitone. Sein persönliches Glück sucht er in den Tugenden und im Mittelmaß. Das heißt nicht, dass er nur mittelmäßig gute Klausuren schreiben würde. Ein Leben, das sich ausschließlich Jägermeister und Semester-Opening-, Semester-Closing- und Semester-Midterm-Feiern widmet, würde er definitiv nicht gutheißen. Aber auch die klügsten und fleißigsten Studierenden dürfen sich ab und an ein Feierabendbierchen gönnen und das Champions-League-Finale anschauen. Wichtig sei eben das Mittelmaß. Neben seinem Studienfach (natürlich Philosophie) engagiert er sich im Debattierclub der Universität Stuttgart, weil er schon immer eine Schwäche für Rhetorik hatte. Bei seinen Kumpels fällt er abends im Café Faust besonders oft durch kuriose Überzeugungen auf. Beispielsweise behauptet er, Bisons würden sich gegenüber Feinden mit gezielten Schüssen ihres Kots verteidigen.

Im Café Faust würde er vermutlich auch Platon treffen, der ihn als Tutor in „Geschichte der Philosophie“ unterstützt. Platon ist bekannt dafür, sich regelmäßig mit den Dozierenden anzulegen. Er wirft ihnen vor, lediglich Meinungen zu vertreten. Über Wahrheiten könnten sich überhaupt nichts aussagen, solange sie nicht anfingen, über die Ideenwelt zu sprechen. Klausuren schreibt er zudem nur in Form von Dialogen, weil dies die einzig richtige Weise sei, sich der Wahrheit zu nähern. Platon ist als relativ herrschsüchtig verrufen, weil er ständig vorschlägt, er selbst müsse als Rektor eingesetzt werden, weil nur Philosophen an die Macht sollten. Nach den Vorlesungen geht er von Bodyfit über Bodyflex & Stretch und Bodyworkout in diverse Sportkurse der Universität Stuttgart, um sich sportlich weiterzubilden. Aber auch die Musik ist ihm wichtig, weswegen er sich in der restlichen, knapp bemessenen Freizeit aufopfernd im Hochschulorchester engagiert. Am liebsten wäre es ihm allerdings, nicht nur er, sondern alle Studierenden würden sich dieser mehrfachen Ausbildung unterziehen. Nur dann wäre die Universität auch ein ideales Bildungssystem.

Laptop, Studierende

Moderne Studierende mit Rucksack und Laptop.

Einen Großteil seiner Dialoge schreibt Platon über sein großes Vorbild Sokrates, der einige Semester über ihm studiert und der heimliche Star am Institut für Philosophie ist. Als bekannter und äußerst beliebter Student, lassen es ihm die Professoren und Professorinnen durchgehen, dass er keine einzige Hausarbeit schriftlich verfasst, sondern sein gesamtes Studium mit mündlichen Prüfungen bestreitet, obwohl er den Prüfenden mehr Fragen stellt als umgekehrt. Da die, von ihm entwickelte, Methode der Maieutik allerdings schon mehrfach zu wissenschaftlichen Durchbrüchen bei den Prüfern geführt hat, darf Sokrates inzwischen auch selbst Seminare geben. An der Universität eckt er als Mitglied in der Studierendenvertreterschaft Stuvus an und besucht diverse Vorträge der Universität, stets barfuß laufend. In seiner Freizeit stellt er sich regelmäßig auf den belebten Marktplatz (die Mensa) vor Athen (Stuttgart) und verwickelt die Studierenden in philosophische Gespräche. Da Größe leider immer auch Neider anzieht, wird er jedoch schließlich von einer Gruppierung eigenbrötlerischer Dozierenden beim Rektor gemeldet. Er verführe die Studierenden der technisch orientierten Universität Stuttgart zu geisteswissenschaftlichen Themen. Daraufhin muss er den bitteren Becher der Exmatrikulation trinken.

Was wir daraus lernen können? Vielleicht wird man nicht zum großen Denker, nur weil man beim Hochschulsport mitmacht. Aber schaden kann es zumindest auch nicht.

 

Anna

Ich studiere seit 2014 den abwechslungsreichen Studiengang Philosophie an der Universität Stuttgart und bin dabei sowohl regelmäßig in der Stadtmitte, als auch auf dem Campus Vaihingen unterwegs. Über themenbezogene Kommentare und Fragen zu meinen Artikeln freue ich mich sehr.

One thought on “What Would Sokrates Do?

  1. Maria Hueber sagt:

    Sehr lustiger Beitrag! Gut gemacht!
    Ich dachte immer, dass deutsche Schulsystem ganz gut ist. Doch, vielleicht nicht für Philosophen)
    Gute Idee ist es, über das Leben von Berühmtheiten in unserem Jahrhundert zu berichten. Davon kannst aber nur träumen.
    Viel Glück und viel Inspiration!
    Maria Hueber

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