Krankenversicherung als Studierender

….bis der Arzt kommt. Copyright: Markus Mainka/Fotolia

Früher war das Aufgabe der Eltern, jetzt müssen wir uns selbst darum kümmern: Die Krankenversicherung. Welche Möglichkeiten hat man als Studierender? Und was genau ist die gesetzliche Studentenkranken- und pflegeversicherung?

Bis zum 25. Lebensjahr haben wir durch die Eltern die kostenlose Familienversicherung. Aber danach sieht es leider anders aus. Zum Glück gibt es zur normalen gesetzlichen Krankenversicherung,  die Studierendenversicherung. Natürlich gibt es Ausnahmen, an denen auch diese Versicherung ihre Grenzen hat.

  1. Wenn wir einen Nebenjob mit mehr als 20 Stunden in der Woche haben
  2. Wenn wir seit über 14 Semester studieren
  3. Wenn wir  30 Jahre alt sind

Gesundheit ist as A und O. Quelle: Pixabay.de

Grundsätzlich haben wir die Wahl zwischen einer privaten- oder gesetzlichen Versicherung. In diesem Artikel konzentriere ich mich auf die gesetzliche. Fast 100 Euro monatlich müssen wir dafür zahlen. Für Bafög-Empfänger gibt es gute Neuigkeiten. Das Bafögamt kann sich am Beitrag  für die Kranken-und Pflegeversicherung beteiligen. Hierzu muss eure Krankenkasse mit einem Bafög-Formular eure Versicherung bestätigen. Wenn alles klappt, bekommt ihr einen Zuschuss. Die AOK bietet beispielsweise Kranken-und Pflegeversicherungen für Studierende an. Madeleine Thill ist die Leiterin im Bereich Studentenkrankenversicherung der AOK in Stuttgart. Sie hat sich Zeit genommen, um mir wichtige Grundfragen zu diesem Thema zu beantworten.

Ab wann brauchen Studierende eine Studentenversicherung?

In Deutschland besteht für alle Studierenden eine grundsätzliche Krankenversicherungspflicht. Das heißt, sie müssen für die Immatrikulation an einer Hochschule die Versicherungsbescheinigung einer Krankenkasse vorlegen, um sich einschreiben zu können. Während des Studiums gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, krankenversichert zu sein:

  1. Über die Familienversicherung bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres
  2. Über die studentische Krankenversicherung ab Beginn des Studiums, sofern keine anderweitige Vorrangversicherung besteht oder nach Beendigung der Familienversicherung
  3. Über eine freiwillige Krankenversicherung für Studierende ab dem 30.Lebensjahr bzw. nach Vollendung des 14. Fachsemesters

 Was deckt die Studentenversicherung alles ab?

 Die Studentenversicherung deckt alle Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ab.

Wie hoch sind die Beiträge einer Studierendenversicherung – in Ihrem Fall bei der AOK?

Der monatliche Beitrag liegt in der Krankenversicherung bei 72,82 EUR und zur Pflegeversicherung bis zum 23.Lebensjahr bei 16,55 EUR und ab dem 23. Lebensjahr bei 18,17 EUR.

Gilt diese Versicherung auch im Ausland? 

Im EU-Ausland, sowie Abkommenstaaten können sofort notwendige Leistungen mit der sogenannten European Health Insurance Card bzw. mit einem Behandlungsschein in Anspruch genommen werden. In Nicht- EU Ländern greift die Studentenversicherung nicht.

Gibt es Unterschiede bei Hochschulen und Fachhochschulen? 

Die Studentenversicherung beginnt grundsätzlich immer mit Semesterbeginn. Das heißt bei Universitäten ist es der 01.04./01.10 und bei Fachhochschulen der 01.03/01.09.. Sollte sich die Studentin oder der Student nach Beginn des Semesters einschreiben, beginnt die Studentenversicherung mit dem Tag der tatsächlichen Immatrikulation. Ansonsten gibt es keine Unterschiede.

Müssen die Studierenden etwas beachten, wenn sie einen Nebenjob haben? 

Keine Sorge – Für jeden gibt es die richtige Krankenversicherung. Quelle: Unsplash/Tim Gouw

Egal, wie viel Geld Sie verdienen und wie viele Stunden Sie in der Woche arbeiten, Sie sind als Arbeitnehmer in Sachen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei und brauchen keine Beiträge zahlen, wenn der Job auf die vorlesungsfreie Zeit (max. drei Monate) befristet ist. Ihre Krankenversicherung als Studierender (studentische oder freiwillige Krankenversicherung) bleibt davon unberührt bestehen. Wenn Sie familienversichert sind, darf das regelmäßige monatliche Einkommen nicht höher als 425 Euro sein. Sofern Sie eine so genannte geringfügige Beschäftigung ausüben, verschiebt sich die Einkommensgrenze auf 450 Euro/Monat.  Wer nur in den Semesterferien und nicht länger als drei Monate im Jahr jobbt, darf auch mehr als 425 Euro bzw. 450 Euro verdienen, solange das erzielte Einkommen nicht regelmäßig ist. Sobald sich Ihr Ferienjob aber verlängert und Sie dadurch Ihrer kurzfristigen Tätigkeit mehr als drei Monate bzw. 70 Arbeitstage im Jahr nachgehen, müssen ab dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens der Überschreitung Beiträge in die Rentenkasse gezahlt werden. Das gilt auch, wenn der Ferienjob mehr als 450,- Euro monatlich einbringt. Bei einem Verdienst zwischen 450,- und 850,- Euro gilt in beiden Fällen die Gleitzonenregelung: Die Beiträge werden zugunsten des Nettoeinkommens niedriger berechnet.

Üben Sie während der Vorlesungszeit eine Beschäftigung von mehr als 20 Stunden wöchentlich aus, werden vom Gehalt Sozialversicherungsbeiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung fällig. Ausnahmen: Der Job ist von vorneherein auf maximal drei Monate befristet oder so konzipiert, dass die Arbeit überwiegend an Wochenenden oder in den Abend- bzw. Nachtstunden geleistet wird. Haben Sie im Laufe eines Zeitjahres (365 Tage am Stück) mehrere Jobs mit einer Arbeitszeit von jeweils mehr als 20 Wochenstunden und sind Sie insgesamt mehr als 26 Wochen beschäftigt, sind Sie versicherungsrechtlich zum Arbeitnehmer geworden. Der Studentenstatus entfällt sozusagen und es gilt Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung. Wer bereits Arbeitnehmer ist, aber anfängt zu studieren und deshalb das bestehende Beschäftigungsverhältnis den Erfordernissen seines Studiums anpasst, (Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf nicht mehr als 20 Stunden), muss mit Aufnahme des Studiums keine Beiträge mehr als Arbeitnehmer in die Kranken-, Pflege und Arbeitslosenversicherung zahlen. Übersteigt der Verdienst aber 450,- Euro monatlich, bleibt die Rentenversicherungspflicht bestehen. Wer sich vom Arbeitgeber für die Dauer eines Studiums unter Fortzahlung von Arbeitsentgelt beurlauben lässt und dabei mehr als 450,- Euro verdient, bleibt in allen Bereichen versicherungspflichtig.

Sind die Studierenden auch versichert, wenn das Studium abgebrochen wird? 

Bei Abbruch des Studiums besteht grundsätzlich bis zum Ende des laufenden Semesters noch ein Versicherungsschutz über die Studentenversicherung. Danach muss eine Weiterversicherung geprüft werden.

 Vielen Dank, Frau Thill für das Interview

 Feven

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