Treffen sich ein Ingenieur und ein Philosoph

Über autonome Autos spricht derzeit die ganze Welt. Aber wie soll ein vollautomatisiertes Auto reagieren, wenn die Bremsen ausfallen und es zwischen verschiedenen Menschenleben abwägen muss? Diese und andere Fragen diskutieren engagierte Studierende der Universität Stuttgart.

Studierende der Universität Stuttgart diskutieren interdisziplinär.

Die eingangs beschriebene Situation wird von philosophischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen als moralisches Dilemma bezeichnet. Ein moralisches Dilemma zeichnet sich durch das Vorhandensein zweier Handlungsmöglichkeiten aus, die beide moralisch falsch zu sein scheinen. Bei der Entwicklung vollautomatisierter Kraftfahrzeuge muss vor dem Einsatz entschieden werden, wie sich das jeweilige Automobil in einer solchen Situation verhalten soll. Zwar besteht die Chance, dass der Einsatz vollautomatisierter Fahrzeuge die Anzahl der Unfälle in ihrer Gesamtheit verringert, allerdings befreit uns dieser Umstand nicht von der Verantwortung für die Konsequenzen, überfährt ein automatisiertes Auto tatsächlich einen Fußgänger, weil es keinen anderen Ausweg gibt. Um solche konkreten Situationen zu lösen, befassen sich einige Studierende der Universität Stuttgart jede Woche freitags mit Begriffsarbeit, dem Diskutieren von wissenschaftlichen Texten und dem Sammeln von historischen und aktuellen Fakten zu diesem Thema.

Wie soll unsere Zukunft mit vollautomatisierten Autos ausssehen?

Hier kann jeder mitdiskutieren, egal mit welchem fachlichen Hintergrund. Mit dabei sind neben Studierenden der Informations- und Elektrotechnik, der Luft- und Raumfahrttechnik und der Philosophie, auch Studierende der Germanistik, Kunstgeschichte und Informatik. Zum Anfang jeder Diskussionsrunde stellt einer der Teilnehmenden kurz ein Thema vor, welches ihn bezüglich ethischen Problemen in den Ingenieurwissenschaften besonders interessiert. Anschließend sprechen alle gemeinsam über die spezifischen Konflikte, Erkenntnisse und mögliche Lösungsvorschläge. Zudem wird jedes Treffen protokolliert, sodass auch interessierte Studierende, die nicht regelmäßig an den Treffen teilnehmen können, auf dem aktuellsten Stand bleiben. Das Vorwissen der Teilnehmenden wird zudem durch wissenschaftliches Material, welches über eine eigens eingerichtete ILIAS-Gruppe zur Verfügung gestellt wird, fundiert ergänzt.

Konkrete Probleme werden diskutiert

Als besonders interessant gestalten sich die zusätzlichen Diskursrunden, bei denen ein eingeladener Vertreter beziehungsweise eine eingeladene Vertreterin aus Forschung oder Wirtschaft über das eigene Arbeitsfeld mit Blick auf entstehende Konfliktsituationen zwischen ethischen und technischen Ansprüchen berichtet. Nach einer kurzen Darlegung der persönlichen Erfahrungen seitens des Gastes diskutieren die Studierenden gemeinsam mit jenem über konkrete Probleme und Lösungen in der Forschung beziehungsweise Wirtschaft.

Thesenpapier

Gemeinsam wird über Probleme und Lösungen nachgedacht.

Auch gemeinsame Filmabende im Ökumenischen Zentrum (ÖZ) sind geplant. Hier befassen sich die Studierenden in gemütlicher Atmosphäre mit der Thematik, erhalten noch einmal einen anderen Blick auf mögliche Probleme, sammeln neue Ideen und lassen den Tag entspannt zusammen ausklingen. Die ethischen Probleme in den Ingenieurwissenschaften sind aktuell und ihre Lösung wird zunehmend wichtiger. Gerade die Interdisziplinarität der Gruppe führt dazu, dass nicht nur eine Perspektive berücksichtigt, sondern Meinungsvielfalt gefördert wird.  Demnach freuen sich die Studierenden der Hochschulgruppe über jeden interessierten Studenten und jede interessierte Studentin der Universität Stuttgart, die bei dem Projekt mitmachen will. Wer an mehr Details interessiert ist oder einfach mal vorbeikommen will, kann sich an Mathias (mathiasjaksch1191@gmail.com) oder Anna (anna.t.huebner@gmail.com) wenden.

 

 

Anna

One thought on “Treffen sich ein Ingenieur und ein Philosoph

  1. StudHilfe sagt:

    Liebe Anna, vielen Dank für so einen faszinierenden Artikel. Ich bin keine Philosophin, trotzdem finde ich dieses Thema ganz interessant und zweideutig. Wirklich, der Epoche der vollautomatisierten Autos bringt nicht nur Bequemlichkeiten, sondern auch Probleme, die Sie genannt haben. Jedenfalls, sollte das Thema für öffentliche Überprüfung vorgelegt werden.

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