Unter Fremden: Elektro- und Informationstechnik

In einer fortlaufenden Reihe an Texten mit dem Thema „Unter Fremden“, berichte ich über meine Teilnahme an fachfremden Seminaren und den Gesprächen, die ich anschließend mit Studierenden der jeweiligen Fachrichtung führe. Dieses Mal im Fokus: Elektro- und Informationstechnik.

Strommast

Wie ein Strommast funktioniert, lernen Studierende der Elektrotechnik.

Um an der Vorlesung Automatisierungstechnik II teilzunehmen, muss ich nicht einmal nach Vaihingen an die Universität fahren. Gemeinsam mit Mathias, einem Studenten der Elektro- und Informationstechnik, kann ich die aufgezeichnete Vorlesung an dessen Schreibtisch in der eigenen Wohnung verfolgen. Aber um was geht es bei seinem Studiengang eigentlich genau? „Ich würde sagen, es geht darum, die elektrifizierte Welt zu verstehen. Das reicht von Antworten auf Fragen von Wie kommt der Strom vom Kraftwerk zu meinem Haus bis hin zu Wie ist ein Smartphone aufgebaut und wie funktioniert es im Detail.“, erklärt Mathias.

In der Vorlesung spricht der Professor über die Logik einer Inferenz- beziehungsweise Schlussfolgerungsstrategie und das Belief-Desire-Intention-Agentenmodell. Auch die Studierenden beteiligen sich gelegentlich mit Einwürfen und Fragen. Im Gegensatz zu geisteswissenschaftlichen Studiengängen finden nur Vorlesungen und Übungen, aber keine Seminare statt. Die Studierenden können die jeweilige Theorie also nicht mit dem Professor in kleinen Gruppen diskutieren. Dafür sind verschiedene praktische Arbeiten zu erledigen.

Das Aha-Erlebnis kommt in der Praxis

„In der Regel machen die praktische Arbeiten viel Spaß, da sie oft auf die individuellen Vorlieben zugeschnitten sind. Wenn sich ein Studierender beispielsweise gerne mit Messtechnik, Programmierung, Simulation, Hardwaredesign oder Literaturrecherche befasst, wird er meist schnell fündig, denn zu jedem dieser Themen existieren bei den meisten Instituten Aushänge für Themen einer Bachelor-, Forschungs- oder Masterarbeit. Bei einer solchen praktischen Arbeit merkt man dann überhaupt erst, wofür die ganzen Grundlagen da sind und es ist ein richtiges Aha-Erlebnis, diese in die Praxis umzusetzen.“, erzählt Mathias.

Roboter gegenüber Menschen

Maschinelles Lernen ist auch für die Entwicklung von Robotern wichtig.

In der Vorlesung wird das maschinelle Lernen als ein zukunftsreiches Themengebiet vorgestellt. Mich interessiert, ob auch über zeitgenössische Pioniere der Elektrotechnik, wie Elon Musk, gesprochen wird. „In den Grundlagenfächern eigentlich fast überhaupt nicht. In Grundlagen der Elektrotechnik, Informatik I+II, oder Höhere Mathematik I+II und III werden Grundlagen gelehrt, die teilweise seit mehreren Jahrhunderten bestehen und die man zum Verständnis der Materie zwar braucht, aber auch nur in den seltensten Fällen auf aktuelle Themen bezogen werden. In den Vertiefungsfächern ab dem vierten Bachelorsemester und auch in vielen Mastervorlesungen sieht es dann ganz anders aus. In Vorlesungen wie Induktives Laden, Flachbildschirme oder Automatisierungstechnik II werden nicht nur topaktuelle Themen wie selbstfahrende Autos, Bildschirme mit organischen Leuchtdioden oder dem Internet of Things gelehrt, sondern auch Einblicke in Technologien gegeben, die teilweise etliche Jahre vor der Markteinführung stehen.“, so Mathias.

Formale Logik als gemeinsame Grundlage

Auch ethische Themen werden in manchen Vorlesungen angeschnitten. So spricht der Professor schon mal über die Folgen, die das Ersetzen menschlicher Arbeitskraft durch Roboter mit sich bringt. Aber auch über die Belegung von Schlüsselqualifikationen lernt ein Studierender der Ingenieurwissenschaften die Welt der Geisteswissenschaften kennen. „Ich habe in der Schlüsselqualifikation technikhistorische Wissenschaftsdiskurse viel über gescheiterte und erfolgreiche technische Innovationen in der Geschichte gelernt. Und zwar nicht vom technischen Aspekt her, sondern aus der Perspektive eines Historikers, was eine willkommene Abwechslung für mich war.“, erzählt Mathias. Auch die formale Logik findet sich als Grundlage in Elektrotechnik und Philosophie gleichermaßen wieder. Stoff für fruchtbare Diskussionen zwischen Studierenden ingenieurwissenschaftlicher und Studierenden geisteswissenschaftlicher Fächer gibt es also mit Sicherheit.

Hier kannst Du einen Film zu diesem Studienbereich ansehen:

 

Anna

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