Deutsch für Studierende

Wenn Forschende ihre Ergebnisse verständlich präsentieren, hilft das nicht nur den Studierenden als lesende Laien. Es fördert auch den interdisziplinären Austausch von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen verschiedener Fachrichtungen. Beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten steht also nichts weniger als die Forschung selbst auf dem Spiel.

„Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.“ – Karl Popper

„Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“ – Schopenhauer

Farbige Hände beim Schreiben

Die Kunst, sich nicht zu verkünsteln.

In der ersten Hausarbeit bemüht sich der Erstsemester und seine Kommilitonin meist um eine ausführliche Literaturrecherche, ein hübsches Format, korrekt eingebaute Zitate und ein langes Inhaltsverzeichnis. Sie schmücken ihre Sätze zur vermeintlichen Professionalität, beeindruckt von den neuen, exotischen Wörtern, die sie in wissenschaftlichen Arbeiten lesen. Dabei ist die Schriftsprache ein Werkzeug zur Verständigung und, zumindest bei wissenschaftlichen Arbeiten, nicht für ästhetische Zwecken zu missbrauchen. Wer heutzutage professionell schreibt, schreibt auch verständlich. Dass es möglich ist, komplizierte Theorien einfach auszudrücken, demonstrieren zeitgenössische Wissenschaftler wie Joshua Greene, Jonathan Haidt und Ronald Dworkin. Im Folgenden erkläre ich fünf ausgewählte Aspekte zum Schreibprozess, die sich an Wolf Schneiders „Deutsch für Kenner“ (1988) orientieren.

Unsere Gegenwart ist ein drei-Sekunden-Paket

Erstens: Wörter eng beieinander halten

Man liest auf Verben hin. Im Deutschen kann das Verb allerdings bis zum Satzende hinausgezögert werden. Wer zu viele unnötige Informationen in einen Satz packt und dadurch das Verb nach hinten verschiebt, verschlechtert die Lesbarkeit. Auch zwischen einzelnen Wortteilen wie „auf“ und „lösen“, sollte so wenig Inhalt wie möglich stehen. Also besser: „Sie löste den Vertrag auf, der ihr schon lange Kopfschmerzen bereitete“ als „Sie löste den Vertrag, der ihr schon lange Kopfschmerzen bereitete, auf.“

Zweitens: Nebensätze als Girlanden

Um einen Satz nicht mit möglichst vielen Informationen zu bepacken, reduziert man die Nebensätze. Dabei gilt: Ein Nebensatz soll keinen Hauptsatz ersetzen, sondern ihn elegant um zusätzliche Informationen bereichern. Man kann sich Nebensätze wie Girlanden vorstellen, die am Ende von Hauptsätzen oder zwischen ihnen hängen. Zu viele Girlanden machen die Vorstellung kompliziert und den Text unverständlich.

Clown

Humor ist auch beim wissenschaftlichen Schreiben erlaubt – in gewissen Maßen.

Drittens: Die drei-Sekunden-Regel

Unsere Gegenwart ist ein drei-Sekunden-Paket. Reize, die länger als drei Sekunden andauern, können wir nicht korrekt wiedergeben. Was wir an Reizen innerhalb drei Sekunden wahrnehmen, ergibt für uns einen Gesamteindruck. Auch in der mündlichen Sprache legen wir alle drei Sekunden eine kleine Pause ein.  Demensprechend können wir einen Text verständlicher machen, indem unsere Nebensätze nicht länger sind, als es brauchen würde, sie in drei Sekunden zu lesen.

 

Der Witz ist die Königsdisziplin beim wissenschaftlichen Schreiben

Viertens: Sätze entschlacken

In einer wissenschaftlichen Arbeit kann und darf der Schreibende verneinen. Allerdings ist eine negierte Aussage schwerer verständlich als ihr positiv formuliertes Äquivalent. In der Regel gilt also: Wer auf die Negation verzichten kann, sollte das auch. Der Text sollte zudem keine unnötigen Füllwörter enthalten. Wer vom Passiv ins Aktiv wechselt, spart sich außerdem das schwerfällige „werden“ zusammen mit der Vorsilbe „ge“.

Fünftens: Der Witz

Die Königsdisziplin des wissenschaftlichen Schreibens. Findet der Schreibende einen vertretbaren Ton zwischen banal und unverständlich, kann er durch bedacht gewählte, humoristische Passagen für seinen Text werben. Ist die Arbeit sehr gut, glänzt der Schreibende. Ist sie es nicht, wirkt er schnell unprofessionell. Wer sich unsicher ist, sollte also lieber die seriöse Variante wählen.

Anna

 

P.S.: An der Universität Stuttgart gibt die Schreibwerkstatt gezielte Hilfe und Beratung zu allen Fragen rund um das wissenschaftliche Schreiben. Nutzt dieses Angebot! In diesem Video erfahrt ihr wie die Schreibwerkstatt arbeitet:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*