Von Peking nach Stuttgart

Yonghe-Tempel Dach in Peking Bild: Lichtkreis / photocase.de

Yonghe-Tempel Dach in Peking
Bild: Lichtkreis / photocase.de

Die Welt entdecken, neue Kulturen kennen lernen, fachspezifisches Wissen erwerben: ein Studium im Ausland ist attraktiv. Jedes Jahr reisen Studierende aus Stuttgart in andere Länder und sogar auf andere Kontinente, manchmal nur für ein Semester, manchmal für ein ganzes Jahr. Gleichzeitig kommen Studierende aus anderen Ländern nach Stuttgart, um mit uns den Hörsaal, das Wohnheim, die Freunde zu teilen. Wie es ihr als Studierende aus dem Ausland geht, erzählt Jianxuan Liu, Studentin der Wissenskulturen und geboren in Peking.

Rund jeder fünfte Studierende in Stuttgart sei Ausländer, so Universitätsrektor Wolfram Ressel. Die SÖS/Linke plus kritisierte seine Aussagen bezüglich einer „Ghettobildung“ und einem „Masseproblem“. Wir finden: Um die Situation der Studierenden aus dem Ausland zu verstehen, spricht man am besten persönlich mit ihnen. Jianxuan Liu kommt ursprünglich aus China und lebt bereits seit ungefähr zwei Jahren in Deutschland. Im folgenden Interview spricht sie über ihre Situation als Studierende aus dem Ausland an der Universität Stuttgart.

Das Mentoringprogramm hilft dabei, deutsche Studierende kennenzulernen

USUS: Was hat dir geholfen, dich in Deutschland und insbesondere Stuttgart zurecht zu finden?

Studierende vor Universtätsgebäude

Die Universität ist ein Ort, an dem alle lernen dürfen.

Jianxuan: Ich denke, ehrlich gesagt, dass den meisten Chinesen an der Uni Stuttgart in erster Linie von anderen chinesischen Studierenden geholfen wird. Die meisten Erstis wissen noch nichts über das Mentoringprogramm der Universität, wenn sie in Stuttgart ankommen. Die chinesischen Studierenden haben eine Gruppe bei QQ, das ist eine App wie MSN. Alle chinesischen Erstis in Stuttgart können dieser Gruppe beitreten. Dort können sie unter anderem Fragen zur Anmeldung im Rathaus und der Immatrikulation stellen. Ein so großer Kreis an Chinesen ist eine schöne Sache. Aber natürlich gibt es auch Schattenseiten. Wir bleiben immer unter uns. Wir wollen das nicht, aber es gibt wirklich nicht so viele Chancen für uns, Deutsche kennen zu lernen. Normalerweise ist die Uni schon eine große Belastung für uns. Wir haben keine Zeit, an anderen gesellschaftlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Wir wissen auch nicht, was deutsche Studierende normalerweise nach der Uni machen. Das Mentoringprogramm hat uns in dieser Hinsicht sehr geholfen. Durch dieses Programm können wir viele deutsche Studierende kennen lernen. Wir können auch etwas mit lokalen Leuten unternehmen.

USUS: Wie hast du Deutsch gelernt und was würdest du anderen Studierenden aus dem Ausland empfehlen, die Deutsch lernen wollen?

TV

Fernsehschauen empfohlen: Deutsche Sender sehen, um deutsch zu lernen.

Jianxuan: Ich habe den A1 Kurs am Goethe-Institut besucht und daheim mithilfe von Büchern gelernt. Um Deutsch zu lernen, habe ich Englisch aufgegeben. Ich habe mir selbst verboten, englische Bücher zu lesen und englische Fernsehserien zu schauen. Als ich nach Deutschland gegangen bin, habe ich einen Sprachkurs besucht und mit den anderen dort auf Deutsch gesprochen. Nach dem Kurs habe ich daheim viele Stunden Fernsehen geschaut, das ist sehr hilfreich. Ich würde anderen Studierenden also deutsche Fernsehsendungen empfehlen. Zuerst KiKa, danach vielleicht Phönix. Die Grammatik ist auch sehr wichtig. Die muss man von Anfang an auswendig lernen.

 

„Ich fände es schön, wenn man die Vorlesungen aufnehmen könnte.“

USUS: Was könnte man für Studierende aus dem Ausland verbessern?

Jianxuan: Ich fände es schön, wenn man die Vorlesungen aufnehmen könnte. Dann könnten wir sie daheim abermals anschauen.

USUS: Die baden-württembergische Landesregierung will zum Wintersemester 2017/2018 Studiengebühren für Studierende aus dem Ausland einführen. Wie findest du das?

Jianxuan: Naja, ich finde es richtig, die Gebühren zu erhöhen, um die Situation der Studierenden aus dem Ausland zu verbessern. Ich habe gelesen, dass die Studiengebühren als Einnahmequelle gebraucht werden. Aber warum werden sie dann nur für Studierende aus dem Ausland eingeführt? Das führt zu Ungleichheit. Und das wird viele Studierende aus dem Ausland zu anderen Bundesländern ziehen.

Anna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*