Wann Prokrastination sinnvoll ist

Unter dem Semester müssen wir unseren Stundenplan erstellen, die Vorlesungen besuchen, uns auf Klausuren vorbereiten und Hausarbeiten schreiben. Wer nicht eigenverantwortlich studiert, verliert. Während uns das Schulrektorat die Zeiteinteilung noch abgenommen hat, müssen wir uns jetzt bestmöglich selbst durchschlagen. Und das heißt vor allem: selbst organisieren.

Mann schaut auf die Uhr

Der Blick auf die Uhr: Deadlines können uns schon mal in Panik versetzen.

Wer gerne mit Deadlines kuschelt, macht irgendetwas falsch, so die gängige Meinung. Bestenfalls fehle nur die nötige Disziplin. Viele kämen zwar damit durch, unter erheblichem Zeitdruck könne man allerdings keine herausragenden Ergebnisse erwarten und gute Noten seien daher unter „Aufschiebern“, wie sie liebevoll genannt werden, rar gesät. Diese Meinung scheint auf zuverlässiger Erfahrung zu beruhen. Aber kann es wirklich sein, dass nur durchstrukturierte Menschen erfolgreich studieren? Oder begehen wir schon einen Fehler, uns in solche Kategorien einzuteilen?

Erfolgreiche Menschen fangen früh mit der Arbeit an, aber beenden sie spät

Adam Grant, Professor an der Universität Pennsylvania, war stolz darauf, seine Magisterarbeit vier Monate vor der Abgabefrist beendet zu haben. Das änderte sich erst, als er auf den Hinweis einer Studentin, sie sei am kreativsten, wenn sie aufschiebe, eine Studie zu diesem Thema durchführte. Das Ergebnis: Arbeiter, die alles so früh wie möglich erledigen, sind weniger kreativ als ihre Kollegen, die regelmäßig aufschieben. Allerdings gilt dies nur, wenn sie nicht bereits in Torschlusspanik sind. Wer sehr knapp vor der Deadline arbeitet, gilt nicht als besonders kreativ. Erfolgreiche kreative Menschen, so Grant, fangen früh mit der Arbeit an, beenden sie aber spät. Die Zeit dazwischen nutzen sie, um nachzudenken und neue Ideen zu entwickeln.

Prinzipiell sind alle gefährdet, wichtige Aufgaben aufzuschieben

Sprintenter Mann mit Aktenkoffer

Der Sprint ins Ziel muss nicht unvorbereitet sein.

Das Beste daran ist: Jeder kann von dieser Erkenntnis profitieren. Laut Tim Urban, Blogger von Wait But Why, sind wir alle Aufschieber, manche mehr, manche weniger. Während einige unserer Ziele Deadlines haben (zum Beispiel die Abgabe unserer Hausarbeit), haben andere Ziele dies nicht (zum Beispiel die private Lektüre über ein Seminarthema). Während regelmäßigen Aufschiebern kurz vor der Deadline, und anderen Menschen eben schon früher, die Panik überfällt, was sie die Aufgabe dann zügig abschließen lässt, entwickelt sich bei Aufgaben ohne Deadline keine Panik. So seien prinzipiell alle gefährdet, wichtige Aufgaben aufzuschieben.

Als Studierende scheint es also sinnvoll, seine Aufgaben in zwei Kategorien einzuteilen: Mit Deadline und ohne. Aufgaben letzterer Kategorie gebühren besonderer Aufmerksamkeit, da sie nicht durch das Aufkommen von Panik hervor gehoben werden. Um an allen Aufgaben möglichst kreativ beziehungsweise originell zu arbeiten, bietet sich Grants Methode an: Früh anfangen, spät beenden. Ausprobieren kann man es ja mal.

Schiebt es nicht auf, die erhellenden und amüsanten Vorträge von Grant und Urban anzuschauen:

Anna

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