Keine Angst vor der mündlichen Prüfung

Mündliche Prüfungen - der Albtraum vieler Studierender. Quelle: pixabay.com

Mündliche Prüfungen – der Albtraum vieler Studierender. Quelle: pixabay.com

Für viele Studierende ist sie der Horror schlechthin: Sie ruft schlaflose Nächte, schweißnasse Hände und temporäre Amnesien hervor. Assoziationen wie Blackout, Blamage, Willkür und/oder Sprachlosigkeit werden wachgerufen. Der Körper arbeitet auf Hochtouren, der Verstand ist wie benebelt, die Gedanken rasen oder stehen still. Man will nur noch schnellstmöglich weg. Und am besten nie wiederkommen. Die Rede ist von mündlichen Prüfungen.

Wie immer liegen ganz unterschiedliche Gründe für Prüfungsängste vor. In einem anderen Artikel habe ich euch 5 Strategien gegen Prüfungsangst vorgestellt, bei mündlichen Prüfungen sind die Ängste allerdings zum Teil etwas anders gelagert, weshalb ich ihnen einen eigenen Beitrag widmen möchte.

Einige Ängste im Zusammenhang mit Prüfungen jeglicher Art beruhen auf realen Erfahrungen, die so katastrophal verlaufen sind, dass man diese Erfahrung auf keinen Fall wiederholen will. Manche Studierende antizipieren das Versagen auf ganzer Linie, einen totalen Blackout und die damit einhergehende Blamage – von der schlechten Note gar nicht erst zu reden. Andere wiederum stehen vielleicht zum ersten Mal in ihrer Universitätslaufbahn vor einer mündlichen Prüfung und wissen nicht so recht, was sie eigentlich erwartet, was durchaus zu Ängsten und/oder Unsicherheit führen kann.

Was könnt ihr ganz konkret gegen diese aufkommenden Ängste unternehmen? In diesem Artikel möchte ich einige konkrete Tipps geben, um mit der Angst besser umzugehen.

Mündliche Prüfung vs. schriftliche Prüfung

Schriftliche oder lieber mündliche Prüfung? Quelle: pixabay.com

Schriftliche oder lieber mündliche Prüfung? Quelle: pixabay.com

Mündliche Prüfungen erfordern, dass ihr euch treffend ausdrücken und Fragestellungen auf den Punkt beantworten könnt, wobei die Antwort unmittelbar erwartet wird und euch in aller Regel nur wenig Bedenkzeit bleibt. Eine der größten Herausforderungen besteht deshalb darin, euch mit dem Gedanken anzufreunden, unter Umständen mit Fragen konfrontiert zu werden, die euch beim ersten Hören womöglich überrumpeln. In schriftlichen Prüfungen könnt ihr Fragen, die ihr nicht auf Anhieb beantworten könnt, in der Regel zunächst einmal zurückstellen und später auf sie zurückkommen. In mündlichen Prüfungen dagegen ist das nur beschränkt möglich.

Ein weiterer Aspekt – insbesondere in großen Studiengängen – ist der simple Fakt, dass ihr eure Dozentin oder euren Dozenten ausschließlich aus der Vorlesung kennt und folglich überhaupt nicht einschätzen könnt, worauf es ihr oder ihm in einer Prüfung ankommt. Und auch wenn es wünschenswert wäre, dass mündliche Prüfungen standardisiert ablaufen, hängen sie sehr stark von zwischenmenschlicher Interaktion ab, d. h. unter anderem welchen Eindruck der Prüfer oder die Prüferin von euch gewinnt. Das hat nicht nur Nachteile, sondern kann im Gegenteil von Vorteil sein, wenn ihr euch dieses Wissen zunutze macht.

Mit guter Vorbereitung gegen die Angst ankommen

Jetzt bloß nicht in Panik geraten! Quelle: pixabay.com

Jetzt bloß nicht in Panik geraten! Quelle: pixabay.com

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen ihr eure Ängste regulieren könnt. Doch eines vorab: Moderate Nervosität ist völlig in Ordnung und sogar notwendig für eine gute bis sehr gute Leistung! Erst wenn eure Nervosität überhand nimmt und zu Blackouts, Konzentrationsschwierigkeiten oder anderen beeinträchtigenden physischen Reaktionen führt, solltet ihr euch Gedanken darüber machen, was diese Reaktionen (und die oftmals dahinterstehenden Ängste) verursacht.

Das Schwierige bzw. als schwierig Erlebte ist oftmals der unmittelbare Kontakt zum Dozenten oder zur Dozentin, denen man unter Umständen bis auf kurze Sprechstundentermine oder in überfüllten Vorlesungssälen niemals persönlich begegnet ist.

Schon alleine deshalb ist es sinnvoll, euch einen ersten Eindruck von eurer Prüferin bzw. eurem Prüfer zu verschaffen. Hört euch bei euren Kommilitoninnen und Kommilitonen um – dabei könnt ihr vor allem von den Erfahrungen höherer Semester profitieren. Ebenso könnt ihr euch über die Publikationen eurer Prüferinnen und Prüfer informieren, ihre Forschungsschwerpunkte und -interessen in Erfahrung bringen. So könnt ihr zum Abbau der Angst vor dem Unbekannten beitragen: Dozentinnen und Dozenten sind auch „nur“ Menschen.

Und schließlich: In der Regel erhaltet ihr eine Literatur- und/oder Themenliste, die sehr konkrete Hinweise auf den Schwerpunkt eures Themas enthält. Für Fragen solltet ihr auf jeden Fall die Sprechstunde eurer Dozentin bzw. eures Dozenten nutzen, um direkt nachzufragen und mögliche Unklarheiten zu beseitigen.

Mit Erwartungen umgehen – nicht nur den eigenen

Noch Fragen offen? Quelle: pixabay.com

Noch Fragen offen? Quelle: pixabay.com

Erwartungen liegen auf beiden Seiten vor. Ihr befindet euch augenscheinlich auf der unangenehmeren Seite, immerhin seid ihr die- oder derjenige, der in die Mangel genommen und zu einem bestimmten Thema befragt wird. Versucht es doch einmal mit einem Perspektivenwechsel: Was glaubt ihr, was die Dozentin oder der Dozent in einer Prüfung von euch erwarten?

Im besten Fall ein fachliches Gespräch bzw. eine fachliche Diskussion, die zeigt, dass ihr euch intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt habt. Das heißt, dass ihr eine Leistung zeigt, die sie mit einer entsprechend guten Note honorieren können. Im schlimmsten Fall: Dass ihr keine Ahnung habt, die gesamte Zeit über eine unangenehme Stille im Raum herrscht, obwohl sie grundsätzlich durchaus bereit sind, euch zu helfen, indem sie euch mit bestimmten Fragestellungen entgegenkommen, wenn sie merken, dass ihr Schwierigkeiten habt.

Ihr tut euch folglich selbst einen großen Gefallen, wenn ihr euch in eure Dozentin bzw. euren Dozenten versetzt und euch fragt, welche Fragen ihr an ihrer bzw. seiner Stelle stellen würdet, um das Wissen der Studierenden zu einem bestimmten Thema zu prüfen. Außerdem könnt ihr andere Studierende ins Boot holen, um gemeinsam den Erwartungshorizont eurer Prüferinnen und Prüfer zu erarbeiten.

Lernen? Lernen!

Ums Lernen und Vorbereiten kommt ihr nicht herum. Euch aus Unwissenheit herauszureden wird in den seltensten Fällen funktionieren, deshalb solltet ihr euch auf jeden Fall ein breites Wissen eures Fach- bzw. Themengebiets aneignen. Was das breite Wissen umfasst, unterscheidet sich von Studiengang zu Studiengang und natürlich auch von Prüfung zu Prüfung.

Wichtig ist es, dass ihr euch neben einem groben Überblick zur Einordnung des jeweiligen Prüfungsthemas auch über kontroverse wissenschaftliche Standpunkte, aktuelle Theorien und/oder Modelle bzw. Verfahren informiert. Dazu zählt auch, den wissenschaftlichen Standpunkt eures Dozenten oder eurer Dozentin zu kennen. Auch hier bietet es sich an, sich mit anderen Studierenden zusammenzuschließen und das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. So zeigen sich bestehende Wissenslücken, umstrittene Standpunkte und ihr könnt euch darüber hinaus das Gelernte im Austausch mit anderen unter Umständen umso besser einprägen.

Notizen machen

Mit Notizen den Überblick behalten. Quelle: pixabay.com

Mit Notizen den Überblick behalten. Quelle: pixabay.com

Richtig gelesen! Auch bei bzw. vor einer mündlichen Prüfung ist es sinnvoll, euch einen schriftlichen Überblick über das zu verschaffen, was ihr in der Prüfung vortragen wollt. Natürlich geht es dabei keineswegs um stumpfes Auswendiglernen einer Wort für Wort vorab ausformulierten Rede, sondern es geht vielmehr darum, dass ihr eure Gedanken schriftlich fixiert, um sie im nächsten Schritt in einem simulierten Prüfungsgespräch zu verbalisieren.

Dabei gilt es folgendes zu beachten: Zum einen das Was und zum anderen das Wie. Das Was umfasst das Wissen, das ihr euch im Laufe der Vorbereitung aneignet, während das Wie sich auf eure Ausdrucksweise bezieht, um ein gewisses fachliches Niveau zu erreichen, wenn ihr den Inhalt eines bestimmten Themas wiedergebt. Dazu gehören selbstverständlich auch Fachtermini, die nicht nur benannt, sondern auch mit Inhalt versehen sein sollten.

Kein Quizduell?

In der Regel handelt es sich bei mündlichen Prüfungen nicht um Frage-Antwort-Spiele zwischen Dozierenden und Studierenden, sondern um einen fachlichen Austausch auf Augenhöhe. Dieser wird jedoch nicht stattfinden, wenn ihr – wie vielleicht in Grundschulzeiten noch üblich – brav die Antworten vorbetet. Vielmehr muss es euch gelingen, ein Thema, eine Theorie oder Fragestellung aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, Vergleiche anzustellen, an Besprochenes aus dem Kurs anzuknüpfen und/oder sich kritisch mit den jeweiligen Inhalten auseinanderzusetzen.

Kein Quizduell? Quelle: pixabay.com

Kein Quizduell? Quelle: pixabay.com

Das setzt voraus, dass ihr im Thema sattelfest seid und die Hinweise aufgreifen könnt, die eure Dozentinnen und Dozenten euch in der Regel während der Prüfung zukommen lassen. In den seltensten Fällen ist es ihrem Interesse, euch durch die Prüfung rasseln zu lassen. Aber im Gegenzug erwarten sie von euch, dass ihr euch angemessen auf die Prüfung vorbereitet und zeigen könnt, dass ihr euch intensiv mit dem Thema beschäftigt habt. Und dazu gehört selbstverständlich auch, euer Wissen in entsprechender Weise präsentieren und es in einen Kontext setzen zu können.

Hilfsangebote der Uni: Lernberatung

Keine Sorge, ihr seid mit diesem Thema keineswegs allein und werdet auch nicht alleine gelassen. Vonseiten der Universität Stuttgart wird euch Hilfe geboten. Die richtige Anlaufstelle dafür ist die Lernberatung in der Zentralen Studienberatung. Dort könnt ihr in Gesprächen beraten werden oder an Workshops teilnehmen, die euch auf anstehende schriftliche und mündliche Prüfungssituationen vorbereiten.

Und wenn gar nichts hilft?

Hilfe gesucht! Quelle: pixabay.com

Hilfe gesucht! Quelle: pixabay.com

Wenn ihr den Eindruck habt, trotz guter Vorbereitung nach wie vor an denselben Ängsten zu leiden und am liebsten buchstäblich die Flucht ergreifen wollt, dann ist es Zeit für einen Termin bei der psychologischen Beratungsstelle der Universität Stuttgart. Falls ihr bislang noch nie von ihr gehört oder gelesen habt, schaut hier vorbei: In diesem Artikel habe ich über die psychologische Beratung berichtet.

Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen: Komplett angstfrei werdet ihr vermutlich nie in eine Prüfung gehen, deshalb sollte es euch auch nicht darum gehen, eure Angst bestmöglich zu betäuben oder zu unterdrücken. Moderate Angst bzw. Nervosität trägt dazu bei, dass ihr die Herausforderung mithilfe eines erhöhten Erregungsniveaus meistert. Wenn euch aber Ängste im Denken und Handeln blockieren, solltet ihr auf jeden Fall etwas unternehmen.

Alles Gute für eure anstehenden Prüfungen!

Romy

PS: Ihr kennt noch mehr gute Tipps zur Vorbereitung auf mündliche Prüfungen? Immer her damit!

Ich bin Romy, 29 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Zuhause bin ich vor allem in der Prosa, betreibe gelegentlich Lyrik und blogge außerdem seit einigen Jahren zu literarischen und psychologischen Themen. Mein Erststudium habe ich in Deutscher Literatur und Slavistik (BA) und anschließend Literaturwissenschaft: Germanistik (MA) abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

2 thoughts on “Keine Angst vor der mündlichen Prüfung

  1. Josefine Loimeier sagt:

    Ein wichtiger Beitrag!
    Ergänzend ist zu sagen, dass die erwähnte Beratungsstelle nicht die der Universität Stuttgart, sondern des Studierendenwerk Stuttgart ist, und neben Studierenden der Uni Stuttgart auch allen Studierenden der anderen Hochschulen in Stuttgart, Esslingen, Göppingen und Ludwigsburg offensteht.

    1. Romy sagt:

      Herzlichen Dank für die Ergänzung bzw. Richtigstellung, Frau Loimeier – die Beratungsstelle des Studierendenwerks Stuttgart steht selbstverständlich ebenso Studierenden der oben genannten Hochschulen zu.

      Freundliche Grüße,
      Romy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*