Die Geheimsprache im Arbeitszeugnis

Eine Zeugnisnote ist jedenfalls eindeutiger.    Bild: zettberlin / photocase.de

Eine Zeugnisnote ist jedenfalls eindeutiger.
Bild: zettberlin / photocase.de

Im Laufe des Studiums absolvieren die meisten Studierenden Praktika oder Nebenjobs. Außer persönlicher und beruflicher Erfahrung ist am Ende insbesondere das Arbeitszeugnis relevant. Hier wird unter anderem der Aufgabenbereich dargestellt sowie die Leistung und das Auftreten der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers beurteilt. Dabei geben die Arbeitszeugnisse Rätsel auf: Auf den ersten Blick liest sich das Ganze meist gut. Doch bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die wahre Bedeutung vieler Begriffe oft weniger positiv ist. Um insbesondere bei Berufsanfängerinnen und -anfängern Klarheit zu schaffen, erkläre ich, was hinter den gebräuchlichsten Formulierungen im Arbeitszeugnis steckt.

 

Bewerbungen um eine neue Arbeitsstelle enthalten üblicherweise qualifizierte Arbeitszeugnisse als Nachweis für geleistete Tätigkeiten. Diese beinhalten zunächst Angaben über Arbeiternehmerin oder Arbeitnehmer, den Beschäftigungszeitraum und Arbeitgeberin oder Arbeitgeber. Anschließend folgt die Aufgabenbeschreibung, also die Art der Beschäftigung und Berufsbezeichnung sowie Tätigkeit, Position, Kompetenzen und Verantwortungsbereich der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers. Der dritte Teil des Arbeitszeugnisses bildet die Leistungsbeurteilung, welche unter anderem Auskunft über Motivation, Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Fachwissen, Arbeitsweise und Arbeitserfolg gibt. Weiterer Bestandteil ist eine Verhaltensbeurteilung in der Angaben zu Sozialverhalten und persönlichen Eigenschaften im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis gemacht werden. Das Zeugnis wird häufig mit Dankes-Formulierungen und Zukunftswünschen abgeschlossen.

Was steht wirklich drin?

Die wahre Botschaft hinter den Begriffen im Arbeitszeugnis erschließt sich ungeübten Leserinnen und Lesern meist nicht sofort. Im folgenden Überblick werden deshalb einige positiv- und Negativformulierungen erläutert.

Foto: pixabay.com

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Sehr gut: stets zur vollsten Zufriedenheit; stets sehr gut; volle Anerkennung; Erwartungen auf allerbeste Weise erfüllt

Gut: stets zur vollen Zufriedenheit; voll und ganz zufrieden stellend; Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen

Durchschnittlich: zur vollen Zufriedenheit; Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen

Ausreichend: zur Zufriedenheit; hat unseren Erwartungen entsprochen

Mangelhaft: im Großen und Ganzen; insgesamt zufrieden stellende Leistungen; Erwartungen größtenteils erfüllt

Ungenügend: hat sich bemüht; Verhalten gab kein Anlass zur Beanstandung; zeigte Verständnis und Interesse für Arbeit; setzte sich im Rahmen ihrer/seiner Möglichkeiten ein

Foto: pixabay.com

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Versteckte Kritik 

Außerdem können inhaltliche Schwerpunkte Aufschluss über die eigentlichen Aussagen im Arbeitszeugnis geben. Ein möglicher Hinweis auf eher mittelmäßige Leistung ist eine sehr ausführliche Beschreibung der Tätigkeit, wobei die Beurteilung der Leistung gleichzeitig äußert knapp ausfällt. Ebenso wirft es kein allzu positives Licht auf die Zeugnisempfängerin oder den Zeugnisempfänger, wenn Selbstverständlichkeiten wie Ehrlichkeit oder Pünktlichkeit stark betont werden. Es sei denn, die Eigenschaften sind für das Berufsbild typisch, wie etwa Ehrlichkeit für eine Kassiererin oder einen Kassier. Als eher negative Bewertung kann in diesem Zusammenhang das Fehlen von berufstypischen Merkmalen oder Informationen verstanden werden.

Wird beispielswiese bei Ingenieurinnen und Ingenieuren nicht auf herausragendes technisches Verständnis hingewiesen. Weiterhin können räumliche oder zeitliche Beschränkungen auf eher geringe Leistungen hinweisen. Wird etwa nur die erfolgreiche Realisierung eines bestimmten Projekts zu einem bestimmten Zeitpunkt gelobt, kann dies darauf hindeuten, dass die übrige Zeit eher wenig geleistet wurde.

 

Dein Weg ins Berufsleben

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Mehr als „Alles Gute für die Zukunft“

Anspielungen auf eine insgesamt eher mangelhafte Leistung der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers können auch im Schlussteil von Arbeitszeugnissen auftauchen. So deutet die Formulierung „hat das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlasen“ ohne weitere Erläuterungen auf eine eher negative Beurteilung hin. Auf durchschnittliche Leistung ist zu schließen, wenn anschließend Bedauern über das Ausscheiden sowie Zukunftswünsche formuliert werden. Von einer sehr guten Beurteilung ist auszugehen, wenn in der Schlussformel erläutert wird, warum die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt, z.B. um sich neuen Aufgaben zu widmen, die Leistung nochmal abschließend hervorgehoben wird und sowohl Bedauern als auch Zukunftswünsche formuliert werden.

 

Janey

One thought on “Die Geheimsprache im Arbeitszeugnis

  1. Friedrich sagt:

    Spannend hier eine App Stuttgarter Entwickler: https://www.arbeitszeugnis.io/

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