Parklets Stuttgart. Raum der Begegnung polarisiert.

 

Parkte in der Gutbrotstraße im Stuttgarter Westen

Parklet in der Gutbrodstraße im Stuttgarter Westen

Parklets sind Erweiterung des Bürgersteigs mit dem Zweck, Parkplätze in Raum für alle Menschen umzuwandeln. Seit dem 11. Juni 2016 sind in den Innenstadtbezirken Stuttgarts elf Parklets für die Dauer von drei Monaten installiert und erregen großes Aufsehen unter der Bevölkerung. Das Projekt wurde vom Reallabor für nachhaltige Mobilität der Uni Stuttgart geplant und durchgeführt. Am 13. Juli 2016 fand im Foyer des Kollegiengebäudes 1 (Kepplerstraße 11) eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema statt.

 

 

In Stuttgart werden Parkplätze erstmals beim Parking Day 2012 umgewandelt

Die ersten Parkplätze wurden in Stuttgart im Jahr 2012 anlässlich des Parking Days, der seither immer am dritten Freitag im September stattfindet, neu gestaltet. Im vergangenen Jahr wurden in Stuttgart an 20 Standorten Parkplätze für einen Nachmittag in Begegnungsstätten, Platz für Kunst und Gestaltung oder Erholungsraum umgewandelt. Zweck dieser aus San Francisco stammenden Aktion ist es, den für Fahrzeuge vorgesehenen Parkraum für alle Menschen kreativ zu öffnen und alternativ nutzbar zu machen.

Die elf Parktlets in Stuttgart werden vom Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur der Uni Stuttgart in Kooperation mit den Verantwortlichen des Parking Days, Studierenden und Patinnen und Paten organisiert. Studierende am Städtebau Institut der Fakultät für Architektur und Stadtplanung gestalten den Parkraum gemeinsam mit einer Patin oder einem Paten pro Parklet um. Außer den Parklets führt das Reallabor weitere fünf Realexperimente, wie das freie Lastenrad oder die Bürger-Rikscha durch. Ziel ist es, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern neue Lösungsansätze für zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen, wie nachhaltige Mobilität und neue Lebensqualität in der Stadt, zu entwickeln

Die öffentliche Podiumsdiskussion am 13. Juli 2016

Die öffentliche Podiumsdiskussion am 13. Juli 2016

Gewachsenes Bedürfnis nach der Nutzung des öffentlichen Raums

Dass die Idee der Parklets die Gemüter erhitzt und die Meinungen zum Projekt auseinander gehen, wurde bei der Podiumsdiskussion im Uni-Gebäude K1 deutlich. Die Umgestaltung der Parkplätze sei sinnvoll, da so öffentlicher Raum für alle nutzbar werde und nicht nur für Personen mit Fahrzeug. Es wurde anderseits darauf hingewiesen, dass Begegnungsstätten im öffentlichen Raum zwar wichtig und sinnvoll seien; das ohnehin schon knappe Gut der Parkplätze dafür allerdings nicht ideal wäre. Es gebe viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter, die nicht auf ihr Auto verzichten wollten oder könnten. Ein Teilnehmer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass weniger Pkws und die damit verbundene geringere Feinstaubelastung die Lebensqualität in Stuttgart steigern würden. Man müsse deshalb eine geeignete Infrastruktur schaffen, um die Anzahl der Autos im Innenstadtbereich langfristig zu reduzieren. Im Gespräch wurde auf ein gestiegenes Bedürfnis unter der Bevölkerung, öffentlichen Raum zu nutzen, hingewiesen. Deshalb sei es sinnvoll, konkrete Projekte gemeinsam mit den Stadtbezirken zu realisieren. Allerdings müssten Anwohnerinnen und Anwohner noch besser darüber informiert werden, dass die neu geschaffenen Begegnungsstätten für jede und jeden nutzbar seien. Die Verantwortlichen der Parklets weisen im Rahmen der Diskussion darauf hin, dass Feedback über die Aktion gerne an sie gerichtet werden kann und wichtig für den Forschungsprozess des Reallabors sei. Man wolle zusammen mit der Bevölkerung neue Konzepte entwickeln, um die Stadt gemeinsam neu zu gestalten. Wer sich über die Entstehung und die Realisierung der Parklets informieren möchte, kann die Ausstellung der studentischen Parklet-Entwürfe noch bis zum 17. Juli 2016 im Foyer des Kollegiengebäudes 1 (Kepplerstraße 11) besuchen.

 

Hier sind die Parklets bis Mitte September in Stuttgart zu finden:

  • Gutbrodstr. 7
  • Schwabstr. 71
  • Schwabstr. 65
  • Gutenbergstr. 77
  • Reinsburgstr. 66
  • Sophienstr. 19
  • Tübingerstr. 90
  • Lehenstr. 13
  • Schützenplatz
  • Kronenstr. 22
  • Lange Str. 6

2 thoughts on “Parklets Stuttgart. Raum der Begegnung polarisiert.

  1. Johannes Kl sagt:

    Ärger, Anfeindung und sogar Hass in dieser Welt? Sprechen wir hier etwa noch über die Parklets oder sind wir schon wieder bei einem ganz anderen Thema?
    Die Verschönerungsaktionen die du hier aufzählst sind sicherlich in manchen Bereichen Stuttgarts notwendig, nur ist das bestimmt nicht die Aufgabe eines Architektur-Student der sich mit dieser Arbeit im Rahmen des reallabors eine ganz andere Aufgabe gestellt hat.
    Dieses Projekt ist für einen kurzen Zeitraum angedacht und soll auch genau das bezwecken dass sich die „wutbürger“ zu Worte melden. Denn in einem Labor kommt es ja ab und an, wie man weiß, zu positiven wie negativen Ergebnissen.
    Also meine Meinung lautet weniger Meckern, offen sein für neues und wenn nötig mit dem Fahrrad oder der Bahn fahren (das Auto mal außerhalb parken).

  2. Moritz Thoma sagt:

    Hallo ihr Parklet Bauer,
    ich lebe nun seit 30 Jahren in Stuttgart. Soweit ich mich erinnern kann, gab es schon immer ein Parkplatzproblem. Ich bin auch nicht begeistert von den teilweise riesigen, sinnlosen Autos auf der Straße – aber sie werden nun mal hier gebaut und verkauft. Somit brauchen wir uns nicht wundern wenn sie auch in Stuttgart auf der Straße stehen. Ich pendele nun seit 11 Jahren jeden Tag 60km hin und her und ja ich bin auch schon mal für kurze Zeit weggezogen. Aber ich habe meine geliebte Heimatstadt Stuttgart vermisst und bin zurückgekommen. Nun möchte ich hier wohnen bleiben.
    Schön wenn ihr Stuttgart aufhübschen wollt. Das freut mich. Für dieses Projekt gibt es unzählige Möglichkeiten. Wie wäre es wenn ihr bei den Plätzen, auf denen man nicht parken darf, anfangt. Davon gibt es schließlich genug. Dies findet ihr spätestens bei der nächsten Parkplatzsuche heraus. Da sind die Grünanlangen die immer weiter vermüllen und die Beete die nur noch karger Rasen sind. Mit Verschönerungsaktionen an diesen Stellen wäre allen Stuttgartern geholfen.
    Ich kenne das Parkplatzproblem unter anderem von der Liststraße. Dort wird jeden Tag schon in zweiter Reihe geparkt, ohne das sich ein sogenanntes Parklet dort befindet. Gegen die etlichen Baustellen kann man leider nichts machen. Und Behindertenparkplätze in Ehren, aber auch diese werden nur von Falschparkern benutzt. Das Gleiche gilt für die Feuerwehreinfarten – welche ebenfalls regelmäßig zugeparkt werden. Wo sollen die Anwohner auch hin mit ihren Autos wenn es keine regulären Parkplätze gibt!? Bitte überdenkt eure Aktion nochmal. Mit Parklets verbreitet ihr mehr Ärger, Anfeindungen und sogar Hass in dieser Welt als Freude und Entspannung.
    Dankeschön. Viele Grüße
    Moritz Thoma

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