Schreiben, was dich interessiert

Hand schreibt "Mein Plan:"

Erst die Struktur, dann die Ausarbeitung.

Nach einem Semester voll regem Austausch über Materialien und Gedanken, steht man als Studierender der Geisteswissenschaften zu Beginn der vorlesungsfreien Zeit regelmäßig vor der Herausforderung, eine Hausarbeit zu dem Themengebiet des besuchten Seminars zu verfassen. Egal, wie intensiv man sich während der letzten Monate über das Thema informiert und wie angeregt man bei den Diskussionen mitgewirkt hat, eine spezifische und idealerweise interessante Fragestellung zu entwickeln, ist Arbeit.

Dass das selbst gewählte Thema einen Bezug zum Inhalt des Seminars aufweisen muss, sei gegeben. Wenn seitens des Dozierenden sonst keine Einschränkungen auferlegt sind, muss man selbst dafür Sorge tragen, dass die Fragestellung nicht zu allgemein verfasst ist. Aber wie genau kann man dabei vorgehen? Die folgenden Schritte stellen ein Musterbeispiel für die Erarbeitung einer Fragestellung dar. Du wirst schnell merken, dass du in der Praxis auch indirekte Wege gehen kannst, um ans Ziel zu gelangen.

Erster Schritt: Eine für dich interessante Fragestellung, ergibt sich aus einem für dich interessanten Thema. Um ein solches Thema ausfindig zu machen, solltest du dich fragen, was genau dich während den inhaltlichen Sitzungen des Seminars interessiert hat. Welche Texte hast du besonders gern gelesen? Welche Aussagen oder Theorien haben dich angesprochen? Bei welchem Thema ist dir die Beteiligung leicht gefallen?

Beispiel für eine Themenwahl: Die Texte von Simone de Beauvoir.

Beim Lesen mitschreiben

Zweiter Schritt: Wenn du dich für ein Thema entschieden hast, solltest du es noch weiter eingrenzen. Füge Einschränkungen hinzu, die klar machen, mit welchen Aspekten du dich nicht befassen willst. Kläre, in welchem Kontext dein Thema steht und zeige genau auf, welche verwandten Themengebiete und Fragen für deine Hausarbeit relevant sind und welche nicht. An dieser Stelle solltest du die Fragestellung ausfindig machen, mit der du dich befassen willst.

Lexikon

In der Universitätsbibliothek findest du genügend Nachschlagewerke.

Dieser Prozess kann Zeit kosten. Bei der Lektüre über dein Themengebiet, kannst du nach Problemen suchen, die dich interessieren. Gerade im Ausblick erwähnen Autoren meist weiterführende Gedanken, die du aufgreifen und zu einer Fragestellung umformulieren kannst. Sorge dafür, dass du genügend Material zur Verfügung hast, auf das du bei der Ausarbeitung deiner Fragestellung zurückgreifen kannst. Auch wichtig: schreibe mit, wenn du Texte zu deinem Thema liest. Eine Sammlung prägnanter Zusammenfassungen und offener Fragen, kann später als Orientierungshilfe behilflich sein. Zudem trainierst du dein kritisches Denkvermögen.

Beispiel: Verwendet de Beauvoir unterschiedliche Begriffe der Machtstruktur in ihren Werken „Le deuxième sexe“ und „La Vieillesse“?

Schreiben ist ein Lernprozess

Dritter Schritt: Als nächstes kannst du deine Fragestellung in eine Aussage umwandeln. Diese Aussage ist der Kern deiner Ausarbeitung. Um dich damit wissenschaftlich zu befassen, solltest du sie genau analysieren. Besteht die Aussage aus Teilaussagen? In welchem Kontext steht sie? Was weiß ich und was weiß ich nicht über sie? Was genau vermittelt sie?

Beispiel: Die Machtmechanismen, die de Beauvoir in ihren beiden Werken beschreibt, weisen Unterschiede auf, die darauf schließen lassen, dass sie keinen einheitlichen Begriff der Machtstruktur verwendet.

Hilfreich kann auch das Ausfüllen folgenden Formulars (die Unterstriche sind aus Formatgründen kurz gewählt) sein, welches Dominik Gerstorfer, Mitarbeiter an der Universität Stuttgart und Leiter des Hausarbeiten-Workshops am Institut für Philosophie, für die Erarbeitung einer Fragestellung entworfen hat:

  1. Titel meines Seminars: __________________________

  2. Daran hat mich __________________________ interessiert.

  3. Ich möchte mich näher mit folgendem Aspekt beschäftigen: __________________________

  4. Um __________________________ herauszufinden.

  5. Damit der Leser __________________________ besser versteht.

Wenn du eine Fragestellung erarbeit hast, empfiehlt es sich, ein Exposé über die geplante Hausarbeit an den Dozierenden deines Seminars weiter zu leiten. Er oder sie kann dich in deinem Vorhaben bestärken und/oder dir weitere Tipps geben.

Schreiben ist ein Lernprozess. Nimm dir nach der Benotung die Zeit, Feedback einzufordern und deine Arbeit nachzubessern. So kannst du deine Erfahrungen für das Verfassen der nächsten Hausarbeit optimal nutzen.

Und übrigens: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Unterstützung beim wissenschaftlichen Schreiben bekommst Du an der Universität Stuttgart von der Schreibwerkstatt. Was das genau ist, wird in diesem Video erläutert:

Anna

Ich studiere seit 2014 den abwechslungsreichen Studiengang Philosophie an der Universität Stuttgart und bin dabei sowohl regelmäßig in der Stadtmitte, als auch auf dem Campus Vaihingen unterwegs. Über themenbezogene Kommentare und Fragen zu meinen Artikeln freue ich mich sehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*