Sorgen im Studium: Die psychologische Beratung an der Universität Stuttgart

Beratung als Hilfestellung.

Psychologische Beratung als Hilfestellung. Copyright: Universität Stuttgart

Ab zum bzw. zur PsychologIn? Niemals, ich bin doch nicht verrückt. Das wird schon wieder, ich muss mich nur etwas mehr zusammenreißen. Was denken die anderen bloß von mir, wenn ich nicht mehr alleine klarkomme? Ich muss nur noch bis zum Ende des Semesters durchhalten, dann wird das schon wieder. Und überhaupt – welche beruflichen Konsequenzen folgen, wenn meine künftigen ArbeitgeberInnen davon erfahren? Mit solchen und ähnlichen Gedanken schlagen sich Studierende herum, wenn sie das erste Mal mit dem Begriff der psychologischen Beratung konfrontiert werden. So, wie einige den Gang zum Arzt bzw. zur Ärztin scheuen, so würden andere niemals freiwillig ihren Fuß in eine therapeutische Praxis setzen. Und das, obwohl sie dringend Hilfe bräuchten.

Doch weshalb ist das so? Die wachsende Zahl psychischer Erkrankungen in Deutschland kommt nicht nur dadurch zustande, dass ÄrztInnen und PsychologInnen leichtfertiger Diagnosen vergeben. Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren mehr Menschen dazu bereit, sich aufgrund ihrer Sorgen, Ängste und in schwierigen Situationen fachliche Hilfe zu suchen. Allerdings hat eine Vielzahl von ihnen noch immer große Vorbehalte gegenüber den sogenannten „SeelenklempnerInnen“ bzw. „-doktorInnen“. Auch in den Köpfen vieler Studierender zählt der Gang zum bzw. zur PsychologIn zur beinahe letzten Möglichkeit in ausweglosen Situationen, etwa kurz vor dem physischen oder psychischen Zusammenbruch. Und auch dann wird eher nach einem prestigeträchtigeren Coaching geschielt, was nicht zuletzt mit dem Optimierungswahn unserer gegenwärtigen Gesellschaft zusammenhängt.

Der Bedarf an psychologischer Beratung ist deutschlandweit vorhanden. Zahlreiche Studierende sind aufgrund ihrer persönlichen Situation, den Anforderungen des Studiums und/oder der Mehrfachbelastung durch Studium, Job und Familie überfordert. Nicht wenige brechen deshalb ihr Studium ab, weil sie weder aus noch ein wissen. Glücklicherweise reagieren immer mehr Universitäten auf den wachsenden Bedarf, indem sie universitäre psychologische Beratungsstellen einrichten und je nach Indikation auch bei der Vermittlung der passenden Therapie weiterhelfen.

An der Universität Stuttgart sind das die Diplom-Psychologin Petra Kucher-Sturm und der Diplom-Psychologe Rainer Sturm, die sich um die Anliegen – d. h. Sorgen, Fragen und Ängste –  der Studierenden kümmern.

Keine Lust … oder steckt mehr dahinter?

Auf der Suche nach ... Hilfe!

Auf der Suche nach … Hilfe!

Es gibt sie, diese Dinge über niemand gerne spricht. Zumindest dann nicht, wenn man selbst davon betroffen ist. Irgendwie sitzt der Glaube, weit und breit der oder die Einzige mit diesem Problem zu sein, hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen. Es gibt zahlreiche Fallgeschichten, die dem oder der einen bekannt vorkommen dürften.

Manchmal schleicht sich eine gewisse Unlust ein, sich mit den Studieninhalten zu beschäftigen. Dann legt man in der Regel eine Pause ein, sucht etwas Ablenkung, treibt Sport oder trifft sich mit Freundinnen und Freunden. Nach einer Weile klingt das Tief wieder ab und es kann mit frischer Motivation (im Hinblick auf die herannahenden Prüfungen) weitergehen. Dann ist alles in bester Ordnung – zumindest bis zum nächsten Tief, das man sich wieder nicht so richtig erklären kann. Aber man kennt es ja schon, es wird wieder nachlassen. Tut es dieses Mal aber nicht. Was dann? Wieder die Zähne zusammenbeißen, einfach weitermachen und die Anzeichen ausblenden? Schließlich hat diese Strategie bislang gefruchtet …

Manchmal sind es finanzielle Sorgen, die einen umtreiben. Man reibt sich zwischen dem Studium und den Nebenjobs auf, schläft immer weniger, isst ungesünder und stellt mit Erschrecken fest, wie die eigene Leistung rapide in den Keller sinkt. Die anderen um einen herum machen allerdings nicht den Eindruck, als erginge es ihnen ähnlich. Also hält man lieber den Mund und macht weiter wie gehabt. Bis dann die Rechnung kommt: Man fällt trotz intensiver Vorbereitung durch die ersten Prüfungen oder der Körper beginnt plötzlich zu streiken, obwohl keine organischen Ursachen vorliegen. Manchmal beginnt dann eine regelrechte Ärzteodyssee.

Oder man ist bereits durch mehrere Prüfungen gerasselt, steht vielleicht sogar vor dem Drittversuch und droht bei einem erneuten Durchfallen exmatrikuliert zu werden. Freundinnen und Freunde oder Familie können nur bedingt weiterhelfen, wenn es beispielsweise um Versagens- oder Prüfungsängste geht. Oder wenn eine grundlegende Problematik dahintersteckt, die für Außenstehende – oft einmal für die Betroffenen selbst – nicht ersichtlich ist.

Was haben diese Fälle gemeinsam? In keinem der beschriebenen Fallbeispiele wurde fachliche Hilfe in Anspruch genommen. Oft, weil die Hemmschwelle zu groß und die Angst vor Stigmatisierung zu tief verankert ist. Viele Studiengänge werden abgebrochen, weil es je nach Situation an den entsprechenden finanziellen Mitteln, familiärer Unterstützung und/oder an Perspektiven bzw. Lösungsmöglichkeiten fehlt. Und oftmals ist diese Unterstützung durchaus vorhanden, aber genügt trotzdem nicht, weil einige Problematiken nicht sichtbar unter der Oberfläche schwelen.

Wann kann ich mich an die psychologische Beratung wenden?

Heillos im Studium, in der Partnerschaft oder im Job überfordert und allein?

Heillos im Studium, in der Partnerschaft oder im Job überfordert und allein?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Häufig sind soziale und finanzielle Sorgen, Probleme in der Beziehung, verschiedene Ängste (z. B. Prüfungs- oder Versagensangst), Depressionen, Verluste von Angehörigen oder persönliche Konflikte Gründe, um eine Beratung in Anspruch zu nehmen.

Ebenso zählen Studienprobleme, Schwierigkeiten bei der Selbstorganisation und/oder Motivationsprobleme zu den Themen, die in der Beratung angesprochen und behandelt werden können.

Es ist immer dann angeraten, sich professionelle Unterstützung zu suchen, wenn ihr alleine (oder auch mit der Hilfe eurer Familie bzw. FreundInnen) nicht bzw. nicht mehr zurechtkommt. Aber auch dann, wenn ihr niemanden kennt, an den oder die ihr euch wenden könnt. So kann gemeinsam nach einer Lösung bzw. nach Lösungsansätzen gesucht werden, bevor euch eure Schwierigkeiten vollständig lähmen. Wie ihr euch an die psychologische Beratung wenden könnt, habe ich im nachfolgenden Abschnitt zusammengefasst.

Wichtige Fragen rund um die Beratung

  • Wer erfährt davon?

Sofern ihr es selbst nicht erwähnt, bleibt die Inanspruchnahme der psychologischen Beratung vertraulich, da die beiden PsychologInnen der Schweigepflicht unterliegen.

  • Wie hoch sind die Kosten für die Beratung?

Als Studierende ist die Beratung für euch kostenfrei.

  • Wie vereinbare ich Termine?

Um die Vertraulichkeit zu gewährleisten, erfolgt eine Terminvereinbarung entweder telefonisch (0711/9574480) oder direkt in der Beratungsstelle (Rosenbergstraße 68, Stuttgart) und zwar von Montag bis Freitag zwischen 13.30 und 14.30 Uhr.

  • Wie lange dauert es, bis ich einen Termin bekomme?

In der Regel dauert es ungefähr zwei Wochen bis zum ersten Termin, je nach Auslastung kann es allerdings etwas kürzer oder länger dauern.

  • Was passiert nach dem Ersttermin?

Im besten Fall habt ihr erste Lösungsansätze erarbeitet und fühlt euch merklich erleichtert bzw. weniger belastet als zuvor. Wenn ein einziger Termin nicht reichen sollte, nehmt ihr mehrere Termine in Anspruch, um euch beispielsweise durch einen schwierigen Abschnitt hindurch begleiten zu lassen. Sollte sich jedoch im Verlauf des ersten Beratungsgesprächs bzw. nach mehreren Terminen herausstellen, dass eure Probleme (wesentlich) gravierender sind als gedacht, ersetzt die psychologische Beratung keine Therapie. Insofern – das solltet ihr stets bedenken – bietet die psychologische Beratung zunächst einmal eine erste Anlaufstelle für eure Probleme.

  • Bin ich die oder der Einzige, die oder der sich beraten lässt?

Nein, das seid ihr mit Sicherheit nicht. Es reden nur die wenigsten offen darüber, eben weil sie sich vor negativen Konsequenzen fürchten oder nicht öffentlich eingestehen wollen, in einer Notlage zu stecken. Das heißt aber nicht, dass ihr mit euren Problemen – welcher Art auch immer – alleine dasteht.

Weitere Adressen zu psychologischen Beratungsstellen, die ihr als Studierende nutzen könnt, findet ihr unter diesem Link.

Ich wünsche euch zum einen alles Gute und zum anderen den Mut, euch bei Bedarf Hilfe zu suchen!

Romy

Dipl.-Psychologin Petra Kucher-Sturm beantwortet in diesem Video 3 Fragen:

 

 

3 thoughts on “Sorgen im Studium: Die psychologische Beratung an der Universität Stuttgart

  1. Auch wir freuen uns sehr über den Beitrag im Uni-Blog und die Bekanntmachungen unserer psychotherapeutischen Beratung. Da wir im Artikel nicht erwähnt werden, möchten wir an dieser jedoch explizit darauf hinweisen, dass die Beratung wirklich allen Studierenden in Stuttgart, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg offen steht!

    Unsere Diplom-Psychologen Frau Kucher-Sturm und Herr Sturm helfen kompetent, kostenfrei und absolut vertraulich weiter.

    http://www.studierendenwerk-stuttgart.de/psychotherapeutische-beratung

    Vielen Dank trotzdem für den schönen Bericht und liebe Grüße

    Melanie Westphal
    Studierendenwerk Stuttgart

    1. Romy sagt:

      Sehr geehrte Frau Westphal,

      vielen Dank noch einmal für diesen hilfreichen Hinweis, dass die Beratung allen Studierenden in Stuttgart, Esslingen, Göppingen und Ludwigsburg zusteht! Das ist in der Tat eine wichtige Ergänzung, für die ich mich (im Namen aller Studierenden) herzlich bedanke.

      Liebe Grüße
      Romy

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