Pendeln im Studium: Frust und Zeitverlust ade

Etwas gibt es immer zu tun.

Viel zu tun. Wenig Zeit.

Die gute alte Schulzeit, denkt ihr vielleicht in einem gelegentlichen Anflug von Nostalgie, während euer Blick über die Studienunterlagen schweift, die wie eine moderne Megacity aus Papiertürmen jede erdenkliche horizontale Fläche belagern. Weit und breit ist kein Land in Sicht. Und auch das Ende des Studiums liegt noch in weiter Ferne. Ihr denkt an die Zeiten zurück, als das Leben noch einfach war und die Busfahrt zur Schule in erster Linie zur Fortsetzung des durch Weckerklingeln jäh unterbrochenen Schlummers diente. Oder zum Abschreiben der Hausaufgaben, die von fleißigeren Klassenkameradinnen und -kameraden erledigt wurden.

Zurück in die Gegenwart, in der Zeit meistens leider auch Geld bedeutet. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr schreckt ihr hoch und stellt fest, dass aus den paar Minuten auf sozialen Netzwerken – manche haben eine erschreckende Vorliebe für (irrsinnig niedliche) Katzen- und Hundevideos – ein paar Stunden geworden sind, die sich klammheimlich davongestohlen haben. Tja, die Zeit ist futsch, die hügelige Papierlandschaft ziert allerdings noch immer euer Zimmer. Wo also die Zeit hernehmen, um wieder aufzuholen?

Keine Zeit, keine Zeit

Es gibt viel zu tun. Zu viel. Womit also anfangen? Und wie? Ein paar Nachtschichten einlegen, um wieder auf Kurs zu kommen? Auch das ist eine denkbare Option. Allerdings ist das nur über einen begrenzten Zeitraum hinweg möglich. Wiederholter Schlafentzug macht sich bemerkbar und schlägt sich sowohl auf eure Leistungsfähigkeit als auch merklich auf eure Stimmung nieder. Deshalb konzentrieren wir uns darauf, die Karten auszuspielen, die ihr in der Hand habt.

Dabei handelt es sich konkret um die Zeit, die ihr zwischen Bahngleisen, Bushaltestellen, defekten Aufzügen, Massen von PendlerInnen verschiedenster Couleur und in muffigen Zugabteilen zubringen dürft. Kurz gesagt: Wenn ihr zu dem Heer von (Un-) Glückspilzen gehört, die jeden Tag aufs Neue zur Uni pendeln müssen. Etwa, weil eine Wohnung in Universitätsnähe unerschwinglich ist und/oder ihr keinen der wenigen heißbegehrten studentischen Wohnheimsplätze ergattert habt. Aber auch dann, wenn euch persönliche Gründe davon abhalten, umzuziehen, wie z. B. Familie und Freundeskreise im Heimatort.

Entspannen oder effektiv sein?

Time is money.

Time is money.

Es gibt sie, die sogenannten Morgenmuffel, denen man zu bestimmten Uhrzeiten besser nicht in die Quere kommt. Diese sollten die Fahrtzeit zur Universität eher zum Dösen oder Entspannen nutzen, statt nach mehr Effizienz zu streben – zu ihrem eigenen Wohlbefinden (und auch zum Wohlbefinden aller anderen).

Aber Muffel hin oder her – wenn ihr auch auf den Weg zur nächsten Vorlesung macht, könnt ihr euch über den Zeitaufwand und die mehr oder weniger unerfreulichen Begleiterscheinungen aufregen. Oder ihr könnt euch ins Unvermeidliche fügen und das Beste daraus machen. Was auch immer euer Grund fürs Pendeln ist, solange er besteht, müsst ihr euch zwangsläufig damit arrangieren. Damit das gelingt und wie ihr diese „Leerlauf“-Zeit dennoch sinnvoll und effektiv nutzen könnt, möchte ich euch anhand einiger Beispiele zeigen.

Lernen statt Ärgern

In jedem Studium müssen zahlreiche wissenschaftliche Texte gelesen, vor- und nachbereitet werden. Je nach Lautstärke könnt ihr das während der Bus- oder Zugfahrt erledigen; Markierungen lassen sich bereits zu diesem Zeitpunkt einfügen. Eure Zusammenfassung könnt ihr dann immer noch zuhause oder in der Bibliothek ins Reine schreiben bzw. tippen. Besonders Studierende, deren Universitäten E-Learning-Konzepte eingeführt oder weiterentwickelt haben, profitieren davon. Online-Vorlesungen, Skripte und Lernmaterialien lassen sich auf Smartphones, Laptops, Tablets etc. abrufen und bearbeiten. Diverse Lernsoftwares bieten mobile Versionen an, die ihr dementsprechend auch unterwegs zum Lernen nutzen könnt.

Wer suchet, der findet

Wer suchet, der findet

Ob ihr mit elektronischen Ressourcen arbeitet oder eure Unterlagen in gedruckter Form vorliegen habt, entscheidet letztendlich darüber, welches Equipment sich für euch empfiehlt: Ob E-Reader, Tablet oder einfach nur der gute alte Collegeblock und ein paar Kulis. Je nach Stoffmenge ist die elektronische Form von Vorteil, weil ihr so einiges an Gewicht einsparen könnt und über sehr viele Freiheiten hinsichtlich der Bearbeitung des Materials verfügt.

Auch zum Wiederholen des Lernstoffs eignet sich die tägliche Bahn- oder Busfahrt; das kann ganz nach eurem eigenen Geschmack mittels virtueller (z. B. Cobocards) oder klassischer Karteikarten erfolgen. Alternativ nehmt ihr euren Lernstoff zuhause auf und hört ihn während der Fahrt über Kopfhörer an.

Ihr seid immer noch nicht so richtig vom Pendeln als Möglichkeit zum Lernen überzeugt – oder habt schlicht und ergreifend keine Lust dazu? Dann helfen euch womöglich die nächsten fünf Tipps weiter, wie ihr euch die tägliche Hin- und Herfahrerei so angenehm wie möglich gestalten könnt.

5 Tipps für entspanntes Pendeln

  • Tipp 1: Die richtige Musik

Ob Mp3-Player oder Smartphone – mit der richtigen Musik müsst ihr weder lautstarke DauertelefoniererInnen noch Kinder und Jugendliche in Klassenfahrtstimmung ertragen. Musik an, (Um-) Welt aus!

  • Tipp 2: No book, no good

Wenn ihr wisst, dass ihr wieder längere Zeit in den Öffentlichen unterwegs sein werdet, steckt ein Buch oder Magazin (ob elektronisch oder ganz klassisch aus Papier) zum Lesen ein. So könnt ihr – statt in die Gesichter eurer MitfahrerInnen zu starren – in die spannende Welt von Romanheldinnen und -helden eintauchen und den Alltag für eine Weile ausblenden.

Wer ungerne liest (was es ja durchaus geben soll), kann sich Hörbücher zulegen oder sich Podcasts zu Gemüte führen – besonders für AutofahrerInnen zu empfehlen, die ihre Hände beim Fahren besser am Lenkrad haben sollten.

  • Tipp 3: Selige Stille

Wenn ihr weder Lust auf Musik verspürt und euch auch nicht das Geplapper eurer Mitreisenden anhören wollt, sind Ohrstöpsel eine gute Möglichkeit, den Lärm von euch fernzuhalten und eure Nerven zu schonen. In der Ruhe (und Stille) liegt die Kraft – so heißt es nicht ohne Grund.

  • Tipp 4: Filme und Serien

Eine weitere gute Möglichkeit zur Ablenkung ist das Anschauen von Filmen und Serien, die ihr sonst zuhause auf der Couch genießt, um während der Fahrt zu entspannen. Allerdings mit Kopfhörern, um sicherzustellen, dass ihr damit nicht die übrigen MitfahrerInnen belästigt – Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

  • Tipp 5: Verpflegung

Etwas gegen den kleinen Hunger und eine Trinkflasche können einem gerade bei längeren Fahrten (oder Verspätungen) gut tun. Insbesondere während der heißen Jahreszeit herrschen innerhalb einiger älterer Zugmodelle geradezu subtropische Zustände, gegen die ihr euch mit einer simplen Wasserflasche gut wappnen könnt.

Fazit

Der tägliche Weg zur Uni.

Der tägliche Weg zur Uni.

Ja, Pendeln kann sehr zeit- und nervenraubend sein und dabei sogar auf die Gesundheit schlagen. Je nach Distanz und Situation mag es sogar völlig unzumutbar sein. Wen allerdings die finanzielle oder persönliche Situation dazu zwingt, sollte sich die fremdbestimmte Fahrtzeit so angenehm wie möglich gestalten. Ob dabei Entspannung oder effektive Zeitnutzung im Vordergrund stehen, ist Geschmacks- und Ansichtssache.

Ihr habt weitere Vorschläge, wie man den Weg bzw. die Zeit zwischen Wohnort und Universität sinnvoll (oder sinnfrei) überbrücken kann? Immer her damit!

Romy

Ich bin Romy, 29 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Zuhause bin ich vor allem in der Prosa, betreibe gelegentlich Lyrik und blogge außerdem seit einigen Jahren zu literarischen und psychologischen Themen. Mein Erststudium habe ich in Deutscher Literatur und Slavistik (BA) und anschließend Literaturwissenschaft: Germanistik (MA) abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

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