No cast away an der Uni: Gemeinsam studiert es sich besser

Anybody out theeeeeeeere...?

Anybody out theeere…?!

Jede(r) von euch, die oder der schon einmal umgezogen ist, kennt das Problem: Man wird in der Regel aus seiner gewohnten, vertrauten und liebgewonnenen Umgebung herausgerissen und muss sich erst einmal in die neue Situation und ihre Anforderungen hineinfinden. Hier habe ich schon einmal über die Umbruchphase zwischen Schulabschluss und Studium berichtet. Dieses Mal geht es mir um den sozialen bzw. gesellschaftlichen Aspekt, der häufig unterschätzt wird, euch das Studium allerdings um ein Vielfaches erleichtern kann. Die Mär vom lonesome Cowboy, der einsam in den Sonnenuntergang reitet, mag romantisch klingen, aber das Studium im Alleingang ist es in den seltensten Fällen.

Die Zusage fürs Studium ist euch ins Haus geflattert, eure Gedanken spielen verrückt, ihr schmiedet Pläne und es kann auf einmal gar nicht schnell genug gehen mit dem Studienbeginn. Euren FreundInnen aus der Schulzeit ergeht es ähnlich und sehr bald kristallisiert sich heraus, dass es eure feste Clique in alle vier Himmelsrichtungen verstreut: Deutschlandweit und natürlich auch ins Ausland. In dieser Phase seid ihr via Facebook, Whatsapp oder Telefon noch hautnah an der Planung eurer FreundInnen dran, aber in nicht allzu ferner Zukunft gehen die Nachrichten merklich zurück und weichen gelegentlichen Likes, aus individuellen Nachrichten werden Rundmails, die ihr an eure gesamte Kontaktliste verschickt und die Telefonate werden erst kürzer, dann seltener und bleiben schließlich ganz aus.

Kein Wunder, denn im Moment geht es um eine der spannendsten Erfahrungen eures bisherigen Leben: Auf eigenen Beinen stehen, sich selbst und ständig organisieren, den eigenen Haushalt schmeißen und nebenbei Bürokratisches managen, während ihr studiert. Mit dem Schulabschluss steht euch eine bestens bekannte und doch neue Herausforderung bevor: Ihr lasst das altbewährte Klassengefüge eurer Schulzeit hinter euch und seid künftig selbst dafür verantwortlich, euch unters Volk zu mischen, um Bekanntschaften und Freundschaften am Studienort zu schließen.

Stadt trifft Land und umgekehrt

Von der Großstadt aufs platte Land.

Von der Großstadt aufs platte Land.

So beginnt ihr also euer Studium mit der Zusage fürs Wunschstudium in der Tasche, einem Mietvertrag fürs StudentInnenwohnheim (oder die erste eigene Wohnung) und der Aussicht auf spannende Erfahrungen. Spätestens, wenn das Bürokratische hinter euch liegt, solltet ihr euren Fokus neben der Studiengangs- und Prüfungsordnung darauf richten, nicht zum(r) Vollzeit-Einzelgänger(in) mutieren, den oder die man ausschließlich hinter einem Bücherberg verschanzt in der Bibliothek antrifft.

Neben der Eingewöhnung in die neue Umgebung – insbesondere dann, wenn Landmenschen von einer Groß- in eine Kleinstadt und Stadtmenschen von einer Groß- in eine Kleinstadt wechseln – kommt dem Aufbau eines neuen sozialen Umfelds eine zentrale Rolle zu, denn: Einsam am Studienort studiert es sich schlecht(er). Verschafft euch deshalb rechtzeitig einen Überblick darüber, was euer Studienort an Möglichkeiten hergibt, auszugehen und Leute jenseits von Seminarräumen und dem vertrauten Campusgelände kennen zu lernen (das gilt insbesondere dann, wenn es keinen Campus gibt und die einzelnen Unigebäude über die ganze Stadt verstreut sind).

K…kennen wir uns?

Was dem einen in die Wiege gelegt worden ist, stellt für den oder die andere eine große Herausforderung dar. Ich gehe davon aus, dass ihr euch freiwillig für ein Studium entschieden habt und nicht dem Drängen der Eltern, Tanten, Onkeln und anderer vermeintlich wohlwollender Verwandter eine AkademikerInnenlaufbahn eingeschlagen habt. Falls das nicht der Fall sein sollte, ist es umso wichtiger, dass ihr euch ein verlässliches Netz von FreundInnen zulegt, um etwaig auftretende Motivationslöcher zu stopfen und mögliche Durststrecken gelassener zu überwinden. Denn zu kaum einer anderen Zeit werdet ihr wieder so uneingeschränkt die Gelegenheit dazu haben, so viele neue Menschen auf einmal kennen zu lernen (und euren bereits bestehenden Bekannten- und Freundeskreis zu erweitern).

Eine Herausforderung, die es dabei zu stemmen gilt, ist der Balanceakt zwischen altem und neuem Freundeskreis, vor allem dann, wenn ihr fürs Studium umgezogen seid und über die Wochenenden in die alte Heimat fahrt. Beide Kreise wollen gehegt und gepflegt werden. Hinzu kommt, dass viele Veranstaltungen am Wochenende stattfinden und ihr euch immer wieder aufs Neue entscheiden müsst, mit wem ihr eure Zeit verbringen wollt, da ihr euch in der Regel weder zerreißen noch verdoppeln könnt, um allen gerecht zu werden.

Kommunikation ist das A und O

No talk, no good. Ganz gleich, ob real oder virtuell.

No talk, no good. Ganz gleich, ob real oder virtuell.

Besonders die ersten Wochen eines Studiums bieten euch eine ganze Reihe großartiger Gelegenheiten, Leute kennen zu lernen. Als ideal dafür erweisen sich Vorkurse, wie sie häufig in naturwissenschaftlichen Studiengängen gefordert sind. Aber auch in anderen Studiengängen gibt es unzählige Möglichkeiten, nicht in der Masse der Studierenden unterzugehen. Zu Beginn meines Studiums war (die inzwischen aus überwiegend Karteileichen bestehende) Adresse Studi-VZ die Anlaufstelle schlechthin, um Kontakte zu bereits immatrikulierten StudentInnen zu knüpfen und sich einen ersten Eindruck von der künftigen Universität zu verschaffen.

Inzwischen wurde sie allerdings von einer weitaus größeren (nicht wenige schimpfen sie eine Datenkrake vom Kaliber Googles) Plattform abgelöst: Facebook. Entsprechend spielt sich der Großteil der internen universitären Kommunikation in unzähligen Facebook-Gruppen ab, weshalb ihr euch auf jeden Fall informieren solltet, welche Gruppe(n) zu eurer Uni bzw. eurem Studiengang angeboten werden, da gerade prüfungsrelevante Informationen und Insiderwissen unter den Studierenden via Facebook verbreitet und kommuniziert werden. (FB-GegnerInnen sei gesagt, dass ich die Vorbehalte gegenüber dieser Plattform kenne und teile. Doch in Anbetracht der Vorteile, die diese Plattform im Austausch mit KommilitonInnen bietet, spreche ich mich ganz klar dafür aus. Und eure Privatsphäre-Einstellungen habt ihr als mündige Erwachsene hoffentlich im Griff.)

Kontakte knüpfen zwischen Einführungen, Orientierungswoche(n) und Literaturlisten

Die Bibliothek ist mehr als ein Ort zum Lernen und Ausleihen von Büchern.

Die Bibliothek ist mehr als ein Ort zum Lernen und Ausleihen von Büchern.

Der offizielle Vorlesungsbeginn lässt noch auf sich warten, aber inoffiziell geht an der Uni schon die Post ab. Ein Termin jagt den nächsten und das Beste wäre, dass ihr mittendrin wärt, denn gerade in der Anlaufphase eures Studiums fliegen Bekanntschaften euch nur so zu, wenn ihr die Augen ein wenig offen haltet. Das gilt selbst für die EinzelgängerInnen unter euch, sofern ihr euch nicht nur physisch in die Uni begebt, sondern tatsächlich daran interessiert seid, neue Bekanntschaften zu schließen (potenzielle PartnerInnen nicht ausgeschlossen, aber das nur am Rande).

Je nach Studiengang liegt ein breites Angebot verschiedener Veranstaltungen vor, um eure künftigen Kommilitonen und Kommilitoninnen in Augenschein zu nehmen. Von Erstsemesterpartys über Ersti-Kneipentouren, Bibliotheksführungen und Einladungen zu Fachschaftstreffen ist für beinahe jeden Geschmack etwas dabei, um erste Kontakte zu knüpfen. Doch selbst wenn die ersten Wochen bereits hinter euch liegen und es euch trotzdem noch nicht gelungen ist, Anschluss zu finden, ist das kein Grund zum Verzweifeln. Ganz im Gegenteil!

Ob ihr mit euren LeidensgenossInnen nicht warm geworden seid oder aufgrund diverser Gründe den Studienbeginn versäumt habt (Losverfahren, Wohnungsknappheit und Studienplatztausch, um nur einige Gründe zu nennen), spielt dabei keine Rolle. Anstelle des Problems konzentrieren wir uns auf Lösungen, die uns weiterbringen. Wenn ihr mögt, mit den nachfolgenden Tipps und Anregungen:

No cast away an der Uni: Wo ihr Leute kennen lernt

  • Besucht die Erstsemesterveranstaltungen, die euer Studiengang bzw. eure Fachschaft organisiert und in jedem Wintersemester anbietet: Infoveranstaltungen, Studiengangstreffen, Erstsemesterpartys, Kneipentouren usw.
  • Haltet Ausschau nach TandemsprachpartnerInnen an der Uni, dazu findet ihr hier weitere Infos.
  • Tretet Lerngruppen bei oder gründet selbst welche – das kann in Seminaren, Kursen und Vorlesungen sinnvoll sein. Und ihr profitiert davon keineswegs nur fachlich.
  • Für alle Sportskanonen und die, die es noch werden wollen, empfehle ich den Uni-Sport. Klickt hier vorbei und lest euch durch das breite Angebot sportlicher Aktivitäten, an denen ihr als Studierende kostengünstig teilnehmen könnt.
  • Ob Mensa oder Bibliothek: Jeder Ort kann euch zum Knüpfen von Kontakten dienen. Stoff zu reden gibt es genug. Ob hochgeistig oder belanglos, ist dabei völlige Nebensache. In erster Linie geht es erst einmal darum, das Eis zu brechen. Und sei es mit die Frage, ob der Platz daneben noch frei ist.
  • Betrachtet die (verpflichtende) Anwesenheit an der Uni nicht als ein notwendiges Übel, sondern nutzt vielmehr die Zeit, um vor und nach Kursen, Seminaren oder Vorlesungen mit KommilitonInnen zu plaudern. Und zwar nicht nur über Inhaltliches.
  • Falls das alles nichts hilft und ihr partout mit den Leuten an eurer Uni nicht klar kommt – was durchaus auch vorkommen kann, besonders, wenn es sich um einen sehr kleinen Studiengang handelt – streckt eure Fühler außerhalb der Uni aus, etwa in Vereinen jeglicher Art oder bei ehrenamtlicher Mitarbeit. Und vergesst natürlich nicht euere bisherigen FreundInnen.
Gemeinsam geht's leichter.

Gemeinsam geht’s leichter. Auch und gerade im Studium.

Eingefleischte Vollblut-Misanthropen sehen es vielleicht anders, aber: Wer das Studium im Alleingang zu bestreiten versucht (was durchaus realisierbar ist), versäumt meiner Meinung nach wertvolle Erfahrungen. Außer den fachlichen Diskussionen braucht es den lebendigen Austausch mit euren Mitmenschen und nicht zuletzt das, was das Studium neben dem Erwerb fachlicher Kompetenzen, unbezahlbar macht:

Das Lernen unter Gleichgesinnten, der internationale und interkulturelle Austausch sowie die Begegnung mit interessanten, faszinierenden und/oder einfach tollen Menschen, die euer Leben bereichern. Sofern ihr euch darauf einlasst.

So long.

Romy

Ich bin Romy, 29 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Zuhause bin ich vor allem in der Prosa, betreibe gelegentlich Lyrik und blogge außerdem seit einigen Jahren zu literarischen und psychologischen Themen. Mein Erststudium habe ich in Deutscher Literatur und Slavistik (BA) und anschließend Literaturwissenschaft: Germanistik (MA) abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

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