Das Studium finanzieren: 5 Irrtümer über den Minijob

Arbeitsrecht: Kein Niemandsland.

Arbeitsrecht: Kein Niemandsland.

Studieren ist nach wie vor teuer und auch wenn seit einigen Semestern in Baden-Württemberg keine Studiengebühren mehr erhoben werden, fällt im Laufe eures Studiums so einiges an Kosten an. Das WG-Zimmer will bezahlt werden, das Semesterticket fordert seinen Preis und je nach Studiengang müssen Studienmaterialien in unterschiedlichem Umfang erworben werden. Außerdem studiert es sich mit knurrendem Magen schlecht. Hinzu kommt, dass all die kleinen Selbstverständlichkeiten des Alltags entfallen, die ihr bei eurer Familie in der Regel kostenfrei nutzen konntet. Manche Studierende erhalten Bafög, um damit ihr Studium zu finanzieren, während andere entweder nicht dazu berechtigt sind oder nur einen geringen Bafög-Satz erhalten. Es gibt also sehr viele gute Gründe, sich zusätzlich zum Studium einen Nebenjob zu suchen. 

Naheliegend ist eine Werkstudententätigkeit oder ein Minijob, der sich mit eurem Studium zeitlich gut vereinbaren lässt. Um den Minijob kursieren allerdings eine Menge Gerüchte, Halbwahrheiten und falsche Annahmen, die leider von ArbeitgeberInnenseite häufig aufrechterhalten werden, um auf diese Weise hohe Beträge auf Kosten der MinijobberInnen einzusparen.

Um das ohnehin eher karge Gehalt von MinijobberInnen nicht durch Unkenntnis über die eigenen Rechte (oder allzu großes Vertrauen in die ArbeitgeberInnen) weiter zu schmälern, möchte ich in diesem Beitrag ein paar grundlegende Fakten zum Minijob aufs Tableau bringen.

Was ist ein Minijob und welche Vorteile bietet er?

Ein Minijob ist eine geringfügig entlohnte Beschäftigung, bei der ArbeitnehmerInnen bis zu 450 Euro im Monat verdienen dürfen. Es ist essenziell, dass das Arbeitsentgelt regelmäßig nicht die monatliche 450-Euro-Grenze überschreitet, um diesen Status aufrechtzuerhalten. Die größten Vorteile liegen in der Sozialversicherungsfreiheit, d. h. dass MinijobberInnen ihr Gehalt dementsprechend „Brutto für Netto“ erhalten, was den Minijob für viele Studierende und Nicht-Studierende gleichermaßen attraktiv macht.

Leider zeigt sich bei einer erschreckend großen Anzahl von ArbeitgeberInnen die regelmäßige Ignoranz oder vehemente Verweigerung von gesetzlichen Rechten und Ansprüchen, auf die sich MinijobberInnen berufen können. Das betrifft am häufigsten die Bezahlung, den Urlaubsanspruch und die postulierte Ungleichstellung von MinijobberInnen und vermeintlich „vollwertigen“ MitarbeiterInnen. Mit einigen Irrtümern möchte ich im nächsten Abschnitt aufräumen.

5 Irrtümer über den Minijob

Irrtum Nr. 1: Aushilfen sind keine vollwertigen MitarbeiterInnen und haben folglich weniger Rechte.

Ganz im Gegenteil, auch wenn diese Behauptung gerne herangezogen wird, um berechtigte Ansprüche der MinijobberInnen abzuwehren. Tatsächlich gilt für MinijobberInnen folgendes: „Arbeitnehmer, die einen Minijob ausüben, gelten nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) als Teilzeitbeschäftigte. Sie haben im Arbeitsrecht grundsätzlich die gleichen Rechte wie Vollzeitbeschäftigte.“

Irrtum Nr. 2: MinijobberInnen haben keinen Urlaubsanspruch.

Wer sich unsicher über seine Rechte ist, sollte im Zweifel nachschlagen oder ExpertInnen befragen.

Wer sich unsicher über seine Rechte ist, sollte im Zweifel nachschlagen oder ExpertInnen befragen.

Auch das ist eine gerne verbreitete Behauptung, die falsch ist. Tatsächlich gilt folgendes: „Arbeitnehmer, die mindestens einen Monat durchgehend in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, haben Anspruch auf Urlaub. Den vollen Urlaubsanspruch erwirbt ein Arbeitnehmer allerdings erst nach sechsmonatigem Bestehen seines Arbeitsverhältnisses. Auch Minijobber haben Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt jährlich mindestens vier Wochen bzw. 24 Werktage bei einer Sechs-Tage-Woche (§ 3 Bundesurlaubsgesetz – BUrlG). Arbeitet der Arbeitnehmer an weniger Tagen in der Woche, ist der Urlaub entsprechend umzurechnen.“

Damit in Verbindung steht die Auszahlung eines Urlaubsentgeltes: „Das Urlaubsentgelt wird dem Arbeitnehmer während des Urlaubs als Arbeitsentgelt fortgezahlt. Die Verpflichtung, das Arbeitsentgelt fortzuzahlen, umfasst nicht die Überstunden, die der Arbeitnehmer währenddessen verrichtet hätte. Das Urlaubsentgelt entspricht für jeden Urlaubstag der Höhe des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes, den der Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs erhalten hat.“

Irrtum Nr. 3: Im Minijob gilt der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde nicht.

Natürlich ist diese Aussage bis auf wenige Ausnahmen falsch: „Seit dem 1. Januar 2015 gilt für die meisten in Deutschland tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der gesetzliche Mindestlohn von brutto 8,50 Euro pro Stunde. Auch Minijobber, die im gewerblichen Bereich oder in Privathaushalten beschäftigt sind, haben grundsätzlich Anspruch auf den Mindestlohn.“

Irrtum Nr. 4: Wer als MinijobberIn erkrankt ist, hat keinen Anspruch auf Entgeltzahlung im Krankheitsfall.

Auch das entspricht nicht der Wahrheit. Eine gängige Praxis ist es jedoch, die Auszahlung zu verweigern, da man ja „krank“ war und „nicht gearbeitet“ hat. Doch auch für MinijobberInnen gilt: „Minijobber, die infolge unverschuldeter Krankheit oder einer medizinischen Vorsorge- bzw. Rehabilitationsmaßnahme arbeitsunfähig sind, haben bis zu sechs Wochen Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber. Das Entgelt wird für die Tage fortgezahlt, an denen Arbeitnehmer ohne Arbeitsunfähigkeit zur Arbeitsleistung verpflichtet wären (§§ 3 – 4 Entgeltfortzahlungsgesetz – EntgFG).“

Irrtum Nr. 5: Im Minijob-Sektor gibt es keine Kündigungsfristen.

Was sind meine Rechte als ArbeitnehmerIn?

Was sind meine Rechte als ArbeitnehmerIn?

Das ist nicht zutreffend, wird von ArbeitgeberInnen aber gerne behauptet, wenn sie ihre Arbeitskräfte möglichst schnell wieder loswerden wollen. Es gilt die folgende Regelung: „Nach den gesetzlichen Regelungen kann das Arbeitsverhältnis eines Arbeitnehmers mit einer Frist von vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats gekündigt werden. Eine kürzere Kündigungsfrist kann nur vereinbart werden, wenn ein Arbeitnehmer zur vorübergehenden Aushilfe eingestellt wird; dies gilt nicht, wenn das Arbeitsverhältnis über die Zeit von drei Monaten hinaus fortgesetzt wird. Während einer vereinbarten Probezeit, längstens für die Dauer von sechs Monaten, kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.“

Leider gibt es immer wieder Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die auf die Unwissenheit von MinijobberInnen spekulieren, wenn es um die Kenntnis und schließlich auch die Wahrnehmung von Rechten geht.

Meine Bitte daher an euch: Tut euch und allen anderen MinijobberInnen einen Gefallen, seid wachsam, wenn es um die Arbeitsbedingungen und Entgeltzahlungen geht und macht vor allem eure Rechte geltend.

Romy

Quelle: https://www.minijob-zentrale.de

Ich bin Romy, 29 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Zuhause bin ich vor allem in der Prosa, betreibe gelegentlich Lyrik und blogge außerdem seit einigen Jahren zu literarischen und psychologischen Themen. Mein Erststudium habe ich in Deutscher Literatur und Slavistik (BA) und anschließend Literaturwissenschaft: Germanistik (MA) abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

3 thoughts on “Das Studium finanzieren: 5 Irrtümer über den Minijob

  1. Lina sagt:

    Lieben Dank für deine schnelle Antwort, Romy! und danke auch für den Link zur Minijob-Zenrale. Werde ich mir gleich mal genauer ansehen. Ich habe leider auch die Erfahrung gemacht, dass die Pflichten gern mal unter den Tisch fallen gelassen werden. Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich mich selbst rechtlich da nicht so gut auskenne. Schade, das hat für ein Arbeitsverhältnis leider immer einen faden Beigeschmack.

  2. Lina sagt:

    Danke für den hilfreichen Artikel, Romy! Ich muss sagen, dass ich einigen Mythen rund um den Minijob selbst auf dem Leim gegangen bin :S .. mir scheint aber auch, als ob da auf Arbeitgeberseite häufig auch noch Aufklärungsbedarf besteht (?) ..oder man sich da einfach „dumm stellt“?

    1. Romy sagt:

      Hallo Lina!

      Deine Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich folgendes sagen: Es gibt leider mehr schwarze Schafe unter den ArbeitgeberInnen, als man denkt.
      Diese weisen zwar gerne auf die Pflichten von MinijobberInnen hin, aber das Thema Rechte bringen sie von sich aus tendenziell ungern zur Sprache. Oder sie stellen schlicht und ergreifend die Behauptung auf, die obengenannten Rechte träfen nicht auf den Minijob zu, d. h. sie versuchen so systematisch Kosten einzusparen (wie ich im Artikel geschildert habe).

      Auf der Homepage der Minijob-Zentrale sind alle Fakten rund um den Minijob aufgeführt. Da Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihrer Melde- und Beitragspflicht bei der Minijob-Zentrale nachkommen müssen, ist es meiner Meinung nach sehr unwahrscheinlich, dass sie aus Unwissenheit heraus handeln.

      Gerade deshalb ist es aber umso wichtiger, seine Rechte selbst zu kennen (und natürlich auch wahrzunehmen!), potenzielle ArbeitgeberInnen auf die konkreten Arbeitskonditionen anzusprechen, bevor es zu Konflikten kommt – im Idealfall noch bevor der Arbeitsvertrag geschlossen wird.

      Liebe Grüße
      Romy

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