Steuern sparen leicht gemacht!

Urlaub

Traumurlaub dank Steuerrückzahlung.

„Was würdet ihr mit 10.000 Euro machen?“, so eröffnet Finanzberater Niki das heutige Seminar. Trotz der späten Stunde sprudeln nach kurzem Nachdenken die Ideen nur so hervor: Weltreise, Motorradführerschein, Fallschirm springen – an Ausgabemöglichkeiten mangelt es nicht. Die Frage, dich sich vielmehr stellt: „Woher bekommen wir so viel Geld?“ Genau, das will uns Niki in den kommenden zwei Stunden erläutern. Denn laut ihm, bekommt jeder Absolvent nach seinem Eintritt ins Berufsleben durchschnittlich mehrere tausend Euro vom deutschen Fiskus ausgezahlt. Hört sich nach einem guten Plan an, oder?

Steuer-Labyrinth

Verloren im Steuer-Labyrinth.

Das deutsche Steuergesetz mit verschiedenen Sätzen und unterschiedlichen Freibeträgen mag dem ein oder anderen wie ein undurchdringlicher Dschungel erscheinen. Aber wenn ein Experte Licht ins Dunkel bringt, ist es auf einmal gar nicht mehr so kompliziert. Genau dazu dient das kostenlose Seminar „Steuertipps für Studenten“. Veranstaltet wird es regelmäßig in Degerloch von einer unabhängigen Finanzberatung für Akademiker.

Steuererklärung – ja oder nein?

Für die allermeisten Menschen ist die jährliche Steuererklärung eine freiwillige Sache. Denn nur, wer etwa Einnahmen aus Vermietungen hat oder bei mehreren Arbeitgebern angestellt ist, wird vom deutschen Staat zur Abgabe der Erklärung verpflichtet. Auf Studierende trifft das gewöhnlich nicht zu. Trotz allem können Sie, wie jeder andere auch, ihre freiwillige Erklärung innerhalb einer Frist von vier Jahren beim zuständigen Finanzamt einreichen. Lohnt sich der ganze Papierkram denn? Hierzu gibt es ein klares Ja von Niki. „Für Doktoranden und Studierende im Master- oder Zweitstudium klappt es problemlos.“ Bachelor-Studenten sind allerdings offiziell davon ausgenommen. Sein Tipp an alle im Erststudium: „Versucht einfach euer Glück beim Finanzamt! Oft werden Steuererklärungen von Bachelor-Studierenden doch anerkannt.“ Und wer mehr als 8.472 Euro jährlich verdient, tut ebenfalls gut daran. Denn ab dieser Grenze werden in Deutschland Steuern fällig. Unser Steuersystem basiert darauf, dass vom persönlichen Einkommen bestimmte Kosten abgezogen werden und so das zu versteuernde Einkommen festgesetzt wird. Nur auf das reduzierte Einkommen werden Steuern fällig, die zu viel bezahlten Steuern vom Finanzamt zurückerstattet. Für Studenten geht es erst einmal hauptsächlich darum, ihr Einkommen unter 8.472 Euro zu drücken und einen sogenannten Verlustvortrag zu bilden. Im Verlustvortrag können die Ausgaben über mehrere Jahre gesammelt und dann auf das erste richtige Einkommen angerechnet werden. Minijobs auf 450-Euro-Basis werden pauschal besteuert, Stipendien, BAföG und Erasmus-Förderungen sind sogar steuerfrei. Beides müsst ihr dem Finanzamt also gar nicht erst melden.

Werbungskosten sammeln

Grafik Steuersystem

Freibetrag, Werbungskosten und Verlustvortrag grafisch dargestellt.

Aber nun geht es weiter zu den Dingen, die euch eigentlich interessieren: Welche Ausgaben sind denn überhaupt steuerrelevant? Im Finanzbereich wird zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben unterschieden. Letztere beinhalten unter anderem Versicherungsbeiträge, sind aber für Studierende nicht ganz so interessant, da sie nicht in den Verlustvortrag miteingerechnet werden. Werbungskosten dienen gemäß Einkommenssteuergesetz dem Erhalt, der Sicherung und der Erhaltung des Einkommens. Also genau das, was wir im Studium tagtäglich machen! Außerdem werden Sie über die Jahre hin aufsummiert und bilden so den Verlustvortrag. Wie ein Eichhörnchen im Herbst Nüsse, solltet ihr Werbungskosten und möglich auch die zugehörigen Belege hamstern! Aber ich spüre schon, die nächste Frage liegt euch bereits auf der Zunge: Was genau zählt zu diesen ominösen Werbungskosten? Kurz gesagt, alle Aufwendungen, die beruflich, bei uns eben durch das Studium, veranlasst sind.

Laptop, Bücher und Co

Nun aber noch etwas detaillierter zu den Werbungskosten, die übrigens auf Seite 2 und 3 der Anlage N einzutragen sind:

Steuerformulare

Welches Formular ist das Richtige?

 

  • Fahrtkosten

    Jeden Tag zur Uni, nachmittags dann zur Lerngruppe oder zum Nebenjob und am Wochenende nach Hause zur Familie – da kommen ganz schön Kilometer zusammen. Ein Glück, dass Fahrtkosten steuerlich absetzbar sind! Zur ersten Tätigkeitsstätte, bei uns natürlich die Universität, wird die einfache Strecke mit einer Pauschale von 30 Cent pro Kilometer anerkannt. Das gleiche gilt für Familienheimfahrten. Allerdings muss hierbei auf Nachfrage begründet werden, dass der Lebensmittelpunkt noch immer im Heimatdorf liegt, zum Beispiel weil man sich dort weiterhin im Sportverein engagiert oder am Elternhaus Renovierungsarbeiten anfallen. Vorteil für alle, die einen Nebenjob ausüben. Die Fahrten dorthin gelten nämlich als Dienstreise. Das bedeutet sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt können mit der Pauschale angesetzt werden. Das gleiche gilt für Lerngruppen, sofern ihr euch nicht an der Uni trefft. Zur Sicherheit solltet ihr hierfür eine Liste anlegen, in die ihr jeweils Termin, Thema und Teilnehmer eintragt. Bei Dienstreisen mit einer Dauer zwischen 8 und 12 Stunden können sogar Verpflegungsmehraufwendungen in Höhe von 12 Euro geltend gemacht werden. Die Dauer berechnet sich dabei vom Verlassen des Hauses bis zur Rückkehr. Seid ihr länger unterwegs und müsst auswärts übernachten, lassen sich auch Hotelrechnungen absetzen.

  • Arbeitsmittel

    Zu den Arbeitsmitteln zählt alles, was ihr zum Studieren braucht: Von Mobiliar, wie Schreibtisch und Stuhl, über elektronische Geräte, wie Laptop oder Drucker, bis hin zu Kleinbeträgen für Papier, Stifte oder Büroklammern. Ebenso fällt in diese Kategorie auch der Semesterbetrag. Sofern eine berufliche Nutzung von mehr als 90 Prozent gegeben ist, lässt sich der gesamte Anschaffungspreis ansetzen. Ansonsten sind zumindest 50 Prozent der Kosten abzugsfähig, zum Beispiel für Handy oder Internet. Liegt der Preis aber über 410 Euro, muss das Gerät über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Diese liegt für elektronische Geräte bei 3 Jahren. Bei einem Laptop, der 600 Euro gekostet hat, können demnach in den folgenden drei Jahren jeweils 200 Euro steuerlich geltend gemacht werden.

  • Arbeitszimmer

    Gewöhnlich handelt es sich bei einem Arbeitszimmer, um einen einzelnen Raum, der zu mindestens 90 Prozent beruflich genutzt wird. Studenten bewohnen aber meistens nur ein Zimmer, das sie natürlich auch als Arbeitszimmer nutzen, denn an der Uni steht nicht unbedingt ein adäquater Arbeitsplatz zur Verfügung. Jährlich lassen sich maximal 1.250 Euro als Miete für das Arbeitszimmer ansetzen.

  • Bewerbungskosten

    Nicht weiter überraschend zählen auch Ausgaben für Bewerbungsunterlagen zu den Werbungskosten. Beispielhaft gehören dazu Rechnungen für Inserate, Zeitungen, Fotograf oder Porto. Fahrten zum Vorstellungsgespräch lassen sich wie Dienstreisen abrechnen. Wer die Fahrt allerdings erstattet bekommt, darf sie natürlich nicht auch noch beim Finanzamt ansetzen. Ebenso wenig ist der neue Anzug absetzbar. Wer sich aber zum Beispiel für das technische Vorpraktikum Sicherheitsschuhe gekauft hat, kann deren Preis in der Steuererklärung angeben, denn spezielle Berufskleidung ist hingegen abzugsfähig.

  • Umzugskosten
    Umzugskosten in der Steuererklärung

    Stress, der sich bei der Steuer auszahlt.

    Beruflich bedingte Umzüge sind ebenfalls steuerlich relevant. Immerhin bis zu 695 Euro werden pro Umzug berücksichtigt. Zu beachten ist allerdings, dass eine Fahrtzeitverkürzung von mindestens einer Stunde gegeben sein muss. Eine Umzug vom Stuttgarter Westen nach Vaihingen reicht also nicht, wohl aber bei einem Praktikum außerhalb des Studienorts oder einem Studienplatzwechsel.

  • Fachliteratur

    Fachliteratur fehlt in keinem Studium und das weiß auch die Steuerbehörde. Deswegen lassen sich die Kosten für Bücher, Skripte und Zeitschriften, die fachlich zum Studium passen, absetzen. Häufig werden auch allgemeine Zeitungen, wie FAZ oder Spiegel, anerkannt. Denn ohne Kenntnis der aktuellen weltpolitischen Lage kann niemand im Bewerbungsgespräch beeindrucken. Pluspunkt für die Geisteswissenschaftler unter euch: Angehende Medienmanager oder Kommunikationswissenschaftler müssen natürlich auch regelmäßig Bild, Cosmopolitan oder Kicker lesen.

  • Fortbildungskosten

    Wer sich auf eigene Kosten weiterbildet, wird großzügig vom Staat unterstütz. Eintrittsgelder für Fachmessen oder Kosten für Seminare, beispielsweise Sprachkurse oder Bewerbungstrainings, gehören zu den Fortbildungskosten. Fahrtkosten und Verpflegungsmehraufwendungen werden hier wie bei Dienstreisen gehandhabt.

  • Auslandsaufenthalte
    Verpflegungsmehraufwand im Ausland

    Ausgewählte Pauschbeträge im Ausland.

    Ein spezielles Thema sind Auslandssemester und –praktika. Hin- und Rückreise sowie Fahrtkosten vor Ort haben keine steuerlichen Auswirkungen. In den ersten 3 Monaten können aber Verpflegungsmehraufwendungen und Mietkosten bis zu 1.000 Euro angesetzt werden. Kleiner Bonus: Die Verpflegungsmehraufwendungen sind deutlich höher als im Inland, können aber von Ort zu Ort stark variieren. Die aktuellen Sätze gibt es jederzeit beim Bundesfinanzministerium.

Natürlich dürft ihr euren gesunden Menschenverstand bei der Steuererklärung nicht vergessen. Kein Finanzprüfer wird euch abnehmen, dass ihr tagtäglich an der Uni seid, direkt im Anschluss eure Lerngruppe trefft und jeden Abend noch eine Schicht in der nächsten Bar übernehmt. Genauso wenig wird der Chefsessel mit Echtleder-Bezug im Wert von 3.000 Euro als notwendiges Mobiliar für eure Studentenbude durchgehen. Alle Angaben sollten glaubwürdig und im Idealfall belegbar sein. Wer sich bei bestimmten Ausgabeposten nicht sicher ist, kann diese aber ruhig mit in die Steuererklärung aufnehmen. Rechtlich Konsequenzen hat niemand zu befürchten. Notfalls werden die Kosten vom Finanzprüfer weggestrichen oder es gibt eine Nachfrage.

Wer immer noch nicht genug vom Thema Steuern hat, sollte sich zu einem Steuer-Seminar anmelden. Dort gibt es dann auch noch die Möglichkeit, einen Anschlusstermin zu vereinbaren und dabei individuelle Fragestellungen zu klären.

Viel Spaß und Erfolg bei der nächsten Steuererklärung!

Sylvia

3 thoughts on “Steuern sparen leicht gemacht!

  1. Andy sagt:

    Hi Sylvia,

    Is this also possible for PhD student (doktorand)?

  2. Rebecca sagt:

    Ich habe schon während des Studiums als Trainee Geld verdient und musste meine Steuererklärung daher jährlich machen. Gelohnt hat es sich allemal. Sämtliche „Bildungskosten“ konnte ich geltend machen, ebenso wie Arbeitswege und Co. Ich habe für die Steuererklärung allerdings nicht nur die Formulare des Finanzamts benutzt, sondern ein Steuerprogramm verwendet (das von Buhl Data). Das war sehr hilfreich, da hier nochmal einige Dinge abgefragt werden, auf die man so vielleicht gar nicht achten würde. VG

    1. Sylvia sagt:

      Hallo Rebecca,
      danke für deinen Hinweis! Du hast Recht, es gibt tatsächlich verschiedene Softwarelösungen, die die Steuererklärung durchaus vereinfachen. Und deren Preis lässt sich dann auch gleich wieder von der Steuer absetzen. 😉 Allerdings können sie nicht über mehrere Jahre aufsummiert werden.
      Viele Grüße, Sylvia

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